
Ausbildungsprämie in Kärnten: Caritasschüler gehen leer aus
Erst im Mai hatte die Kärntner Landesregierung angekündigt, im Rahmen ihres Pflegeausbildungspakets ab Herbst eine Ausbildungsprämie von 450 Euro an alle Pflegeschüler ausbezahlen zu wollen. Nun wurde bekannt, dass nur Schülerinnen und Schüler der (Landes)Schule für Gesundheits- und Krankenpflegeausbildung Klagenfurt (GUK) in den Genuss der Prämie kommen. Auszubildende an privaten Schulen, etwa solchen der Caritas oder der Diakonie, sind von der Prämienzahlung hingegen ausgeschlossen, wie die "Kleine Zeitung" am Donnerstag berichtete.
Dass die Pflegeschüler, die bei den Hilfsorganisationen ausgebildet werden, keine Prämie erhalten, und auch ihre Kurskosten sowie Schuldgeld nicht vom Land übernommen werden, ist für Wilfried Hude, Bereichsleiter Schulen in der Caritas Kärnten, "bedauerlich und für uns unverständlich". Susanne Lissy, Schulleiterin des Kollegs für Sozialpädagogik der Diakonie, bezeichnet es als "unfair und empörend", dass ihren Schülerinnen und Schüler leer ausgehen, obwohl sie eine Ausbildung zu Pflegefachkräften samt Matura machen.
Warum, das Land jetzt unterscheide, wisse Hude nicht. "Ich kann nur mutmaßen: Mit der Ankündigung der Zahlung für alle, hat das Land die Büchse der Pandora geöffnet. Jetzt kriegt sie diese nicht mehr zu." Die Differenzierung treffe die Caritas hart: Sie bildet insgesamt 800 Personen zu Sozialbetreuern für Altenarbeit und für Behindertenbegleitung aus. Für die etwa 480 "Altenarbeiter" übernimmt das Land ab Herbst das monatliche Schulgeld von 273 Euro. Die circa 320 Behindertenbegleiter müssen hingegen ihre gesamte Ausbildung selbst bezahlen. Das lege nahe, dass die Arbeit mit beeinträchtigen und behinderten Menschen dem Land offensichtlich weniger wert sei, als jene mit älteren Menschen. Für die Unterscheidung gebe es keinen nachvollziehbaren Grund, kritisiert Hude.
Kärntner Schulversuch
1.200 bis 1.300 Schüler und Schülerinnen sind aktuell in Kärnten in Pflegeausbildungen bei der Caritas und Diakonie. Ab Herbst dieses Jahres sollen im Rahmen eines Schulversuchs in einer Oberstufen-Ausbildung 56 Jugendliche in der Caritas zu Pflegekräften ausgebildet werden. In drei Jahren soll es fünf Klassen geben, ebenso wie in der Diakonie. Insgesamt also etwa 250 Schüler. Die Ausbildung dauert demnach fünf Jahre und schließt mit einer Matura ab. Zusätzlich bekommen die Jugendlichen ab dem 2. Schuljahr eine Pflegefachausbildung. Da der Bund die Pflegeausbildung nicht übernehmen darf, haben die Schulen Verträge mit dem Land. Diakonie-Schüler müssen zehnmal pro Jahr 170 Euro Ausbildungskosten bezahlen, jene bei der Caritas 180 Euro.
Die Caritas der Diözese Gurk hatte bereits kurz nach der Präsentation des Pflegeausbildungspakets im Mai einige "offene Fragen" geortet. Es gehe darum, welche Rahmenbedingungen in dem Beruf herrschen und ob er so attraktiv und zumutbar sei, dass ausreichend Menschen motiviert werden können, einzusteigen, hatte Caritas-Direktor Ernst Sandriesser betont.
Quelle: kathpress