
Oberösterreich: Büste von NS-Märtyrer-Pfarrer Spanlang gesegnet
In St. Martin im Innkreis in Oberösterreich wurde zu Wochenbeginn eine Büste des NS-Märtyrers Pfarrer Matthias Spanlang (1887-1940) enthüllt und gesegnet. Bischofsvikar Wilhelm Vieböck nahm die Segnung des ehemaligen Pfarrers von St. Martin im Beisein zahlreicher Gäste vor, wie die Diözese Linz am Freitag in einer Aussendung bekannt gab. Matthias Spanlang wurde am 5. Juni 1940 im Konzentrationslager Buchenwald von den Nationalsozialisten ermordet, nachdem er sich bereits früh öffentlich gegen die Nazis gestellt und vor diesen gewarnt hatte.
Bischofsvikar Viehböck bezeichnete Spanlangs Wirken als "Ansporn für ein Leben als echte Christinnen und Christen". "Matthias Spanlang wurde nicht vergessen, aber die Erinnerung an ihn war mit Tabus verbunden, vonseiten der katholischen Kirche genauso wie vonseiten der lokalen Gesellschaft", erinnerte der Bischofsvikar. "Pfarrer Spanlang ist auch heute unbequem. Mit seiner Impulsivität und Geradlinigkeit eckte er an." Mit der Büste, die von der Künstlerin Paulina Skavova gestaltet wurde, wolle man an "den hellsichtigen und wortgewaltigen Pfarrer von St. Martin erinnern" und ihm damit einen bleibenden Platz in der Pfarre St. Martin sichern.
Als sprachlich begabt, belesen, humorvoll und bei der Bevölkerung beliebt, skizzierte Spanlang-Biografin Monika Würthinger den Pfarrer und seine "schillernde Persönlichkeit". Seine politische Überzeugung habe er "unverblümt und fest entschlossen mit seinen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln" verteidigt. "Das Schicksal und die Erinnerung an den unkonventionellen Priester wurden auch kirchlicherseits lange verdrängt und tabuisiert", so Würthinger. "Möge die Büste ein Denkmal gegen das Vergessen der NS-Gräuel sein und der Märtyrer Matthias Spanlang als Mahnmal für Frieden und Toleranz stehen."
Als ab 1931 nationalsozialistische Versammlungen in St. Martin stattfanden, warnte Matthias Spanlang als einer der ersten und radikalsten Gegner vor den Gefahren. Er habe die Propaganda demaskiert und den Zusammenbruch des Hitlerreiches vorausgesagt, erinnerte Würthinger. Im Jänner 1934 forderten die damals illegalen Nazis vom Bischof seine "Entfernung als Pfarrer von St. Martin".
Von 1932 bis 1935 erschien in der "Rieder Volkszeitung" die Rubrik "Aus dem Antiesentale". In den etwa 170 Beiträgen wurde von den Machenschaften der Nazis - auch gegen die Kirche - berichtet. "Die nicht gezeichneten Beiträge wurden unisono von Freunden und Feinden Matthias Spanlang zugeschrieben", so Würthinger. Sie waren die Hauptursache für dessen Verhaftung zusammen mit der Tatsache, dass er seine Informanten nicht verriet. Er wurde ohne Anklage im Kreisgericht Ried inhaftiert und am 24. Mai 1938 nach Dachau transportiert.
Im September 1939 wurde Spanlang von Dachau in das KZ Buchenwald "als Volksschädling" überstellt und am 28. Mai 1940 zusammen mit dem Tiroler Pfarrer Otto Neururer in den tödlichen Lagerbunker gebracht, weil sie eine Konversion eines Häftlings durchführen wollten, obwohl die religiöse Betätigung im KZ für Priester nicht erlaubt war. Die Verbindung des Schicksals mit Neururer lässt vermuten, dass auch Spanlang mit Ketten an den Fußgelenken an der Decke der Zelle aufgehängt wurde. Er starb am 5. Juni 1940 einen qualvollen Tod.
Quelle: kathpress