
Figlhaus-Talk über Glaube und Krise: "Brauchen Mut und ebenso Wut"
"Ich glaube, wir brauchen Mut und ebenso Wut." Mit diesen Worten positionierte sich Moderatorin Barbara Stöckl am Dienstagabend im Wiener Figlhaus bei einem Podiumsgespräch zum Semesterstart der Akademie für Dialog und Evangelisation. Und die Charity-erfahrene Journalistin widersprach damit den Veranstaltern: "Mut statt Wut! Wie helfen wir einander in schweren Zeiten?" war als Thema des Abends angekündigt, Stöckl und "Climate Lab"-Direktor Gebhard Ottacher tauschten sich über Krisenbewältigung und ihren persönlichen Zugang zum Glauben aus, wie das Figlhaus am Mittwoch berichtete.
Wut sei eine Notwendigkeit, damit Menschen Mut fassen könnten, Veränderungen anzustoßen, hielt Stöckl fest. Um Auseinandersetzungen beizulegen, sei es aber wichtig, "die Welt aus den Augen des anderen zu sehen". Denn das Zuhören sei ein Lösungsansatz für Konflikte und könne Menschen wieder zusammenbringen.
Dem pflichtete Gebhard Ottacher bei. Viele Krisen seien bereits bewältigt worden, auch aktuelle Probleme könnten kooperativ gelöst werden, meinte der Historiker mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft. Als Leiter des "Climate Labs" sei es ihm ein besonderes Anliegen, auf die Umwelt zu achten, wobei der Weg zu einer lebenswerteren Welt nur gemeinsam gelingen könne. Abschließend erinnerte er das Publikum daran, wie wichtig es sei, "gerade wegen all der Krisen und der Wut auch ins Handeln zu kommen und nicht zu resignieren."
Die beiden Talk-Gäste erzählten auch über ihren persönlichen Zugang zu Spiritualität und Religion. Während Ottacher seinen Glauben laut eigener Aussage noch nicht gefunden hat, half Stöckl der Glaube - wie sie berichtete - aus einer schwierigen Lebenskrise. "Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand, dieses Bild hat mich gerettet", sagte die ORF-Mitarbeiterin. Diesen Satz aus einem im Zweiten Weltkrieg entstandenen Kirchenlied trage sie bis heute in ihrem Herzen - auch wenn sie gleichzeitig mit manchem in der Kirche hadere. Als Mutmacher für sie selbst nannte Stöckl die Hilfsorganisationen, aber auch die vielen Einzelpersonen, die individuell in ihrem Umfeld Dinge ändern. Vom eigenen Verzicht bis hin zur gegenseitigen Hilfe von Nachbarn bringe jeder noch so kleine Stein Gutes ins Rollen.
Die Akademie für Dialog und Evangelisation bietet im neuen Semester wieder unterschiedliche Lehrgänge an, darunter ein neues Leadership-Training, das Führungsqualität und christliche Werte kombinieren soll. Ziel der Akademie ist es, durch ihre Kurse und Veranstaltungen den Dialog von Menschen aller Weltanschauungen und Religionen zu fördern. (Info: https://akademie-wien.at/)
Quelle: kathpress