
Abt Dessl: Die digitale Kultur braucht die christliche Botschaft
"Die Klöster hatten immer einen Kulturauftrag aus ihrer spirituellen Basis heraus. Und in unserer Zeit gilt es, auch in die digitale Kultur die christliche Botschaft hineinzutragen." - Das betont der Wilheringer Abt Reinhold Dessl in der aktuellen Ausgabe der "Ordensnachrichten ON". Von 23. bis 25. September 2022 war das Zisterzienserstift Wilhering Schauplatz der "Expedition für Digitalen Humanismus". Vertreter von Wissenschaft, Kultur, Politik und Theologie kamen zusammen, um über "Geist und Soziales, Spiritualität und Wissenschaft, Digitales und Analoges" zu diskutieren.
"Wie kann man die Welt des Digitalen wieder mehr mit der Welt des Menschlichen zusammenbringen?", brachte Abt Dessl die Grundfrage nun im Interview auf den Punkt: "Das Digitale bringt viele Vorteile, zum Beispiel in der Kommunikation. Doch es kommt darauf an, wie man das Digitale benutzt. Es kann auch zum Fluch werden." Das Christliche müsse sich in der Art der Benützung ausdrücken, im Umgang mit dem Digitalen, so Dessl: "Technik soll dem Leben dienen. Und es funktioniert, indem wir uns abwenden vom Lebensfeindlichen. Stichwort Hass im Netz. Ich sehe die Welt des Digitalen nicht als Konkurrenten, sondern als Werkzeug."
Auf die Flut an Fake News angesprochen, meinte Dessl, dass es künftig wohl verstärkte Regulative für den digitalen Raum geben müsse. "Man muss schauen, wie man die Menschenwürde behalten und fördern kann in diesem Rahmen", so der Abt.
Im Blick auf das Stiftsgymnasium Wilhering bzw. die Schule allgemein zeigte sich der Abt überzeugt: "Es braucht unbedingt so etwas wie einen ethischen Kompass für den Umgang mit dem Digitalen, eine Unterrichtspraxis im digitalen Humanismus. Die reine Handhabung der Technik ist zu wenig." Und: "Wir brauchen nicht nur schnelle Internetverbindungen, sondern wir brauchen vor allem Kommunikation; wir müssen die Kunst der Kommunikation lernen."
Weiters plädierte der Abt auch für "digitale Auszeiten". Klöster eigneten sich sehr gut dafür. "Das könnte ein Angebot für die Zukunft sein, um einen fruchtbaren Gebrauch zu lernen und zu lehren", so Abt Dessl.
Quelle: kathpress