
"Kirche in Not"-Leiter: Säkularisierung nicht mit Laxheit begegnen
Eine "fortschreitende Säkularisierung", die mit den Worten von Papst Franziskus zu einer "freundlichen Verfolgung" von Christen führt, ortet der Präsident des Hilfswerks "Kirche in Not", Thomas Heine-Geldern, in Europa. Im Interview des "Kurier" (23. Dezember) sprach er von einer zunehmenden Intoleranz gegenüber christlichen Positionen und einer Einschränkung der Gewissensfreiheit. Es sei verfehlt, darauf kirchlicherseits mit Wehleidigkeit und dem Nachtrauern von früher besseren Zeiten zu reagieren. Es gelte, ohne Aufschaukeln von Antagonismen, "Glaubensüberzeugungen entschiedener zu vertreten und leben", forderte Heine-Geldern. Laxheit und religiöse Indifferenz seien dabei fehl am Platz.
"Die ganze große Toleranz, die von Gläubigen gegenüber Nichtgläubigen gefordert wird, wird nicht in die Gegenrichtung gelebt", umschrieb der "Kirche in Not"-Präsident die Situation im säkularisierten Europa. "Dort, wo es darum geht, dass unsere katholische Lebensauffassung nicht toleriert wird, müssen wir fundiert dagegen aufstehen, jeder einzelne." Wenn die Christen nicht selbst wüssten, warum sie Christen sind, "werden sie sich nicht behaupten können".
Warum dem Christentum in unseren Breiten oft mit Skepsis und Ablehnung begegnet wird, liegt laut Heine-Geldern u.a. daran, dass es "noch immer als Mainstream gilt, den man nicht schützen muss - die schützenswerten Minderheiten, das sind immer die anderen". Während etwa jederzeit antimuslimische Tendenzen untersucht würden, gebe es nichts Vergleichbares bei Christen.
Wo es besonders schlimm ist
Der Fokus des Interviews lag auf der sich weltweit verschlechternden Lage der Christen, auf die "Kirche in Not" bereits anlässlich des Red Wednesday am 16. November aufmerksam gemacht hatte. Als Faktoren für die Einschränkung der Religionsfreiheit nannte Heine-Geldern mehrere Faktoren: In totalitären Regimen wie China, Nordkorea oder Nicaragua gebe es ebenso Christenverfolgung wie durch ethnisch-nationalistische Politik wie in Indien oder Myanmar. In sogenannten "failing states" wie Mali, Burkina Faso, Niger und Nigeria in der Sahelzone fänden islamistische Hassprediger "ein perfektes Biotop für ihre Agenda". Schließlich gebe es noch die rein islamistischen Staaten, wie Saudi-Arabien oder den Iran, die keine Religionsfreiheit kennen, erklärte Heine-Geldern.
In einer "Kurier"-Grafik wird ein Überblick über jene Staaten gegeben, in denen die Verfolgung am schlimmsten ist. Der Taliban-Staat Afghanistan führt das Ranking vor Nordkorea und Somalia an, dann folgen Libyen, Jemen, Eritrea, Nigeria, Pakistan, Iran und das ehemals viel tolerantere Indien. (Info: www.kircheinnot.at)
Quelle: kathpress