
Krautwaschl öffnet bei Brasilien-Besuch "Fenster zur Weltkirche"
Der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl hat an der Spitze einer Delegation der Diözese Graz-Seckau vergangene Woche in Brasilien ein "Fenster zur Weltkirche" geöffnet: Anlass für die mehr als einwöchige Visite war das 60-jährige Bestehen der Grazer Partnerdiözese Bom Jesus da Lapa, das mit einer großen Feier am 12. Februar begangen wurde. Krautwaschl verbeugte sich dabei vor dem Elan der Gläubigen: "In Europa ist manchmal von einer müden Kirche die Rede. Ihr seid eine junge und begeisterte Kirche, die für uns ein Vorbild ist im Engagement rund um Glauben und Nächstenliebe, gerade im Blick auf die Armen", sagte er laut einer Aussendung (Donnerstag) seinen Gastgebern.
Als Grundhaltungen einer "universalen Kirche, die sich in den Fußstapfen Jesu weiß", nannte Krautwaschl das Aufeinander-Schauen, Miteinander-Beten, Teilen von Leid und Freude und die Bereitschaft, "über den eigenen Tellerrand hinauszublicken". Seine Überzeugung: In der Jüngerschaft Jesu sei erlebbar, "dass wir alle als Teile einer großen Kirche nie für uns allein sind. Kirche bedeutet Gemeinschaft - egal, wo auf der Welt".
Das Besuchsprogramm des Grazer Bischofs und der 13 mitgereisten Mitglieder des Arbeitskreises für die Diözesanpartnerschaft war dicht und vielfältig: Es umfasste etwa das 1922 gegründete Kloster der Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis ("Grazer Schulschwestern") in Sao Paulo, die sich um die Bildung in der brasilianischen Millionenstadt verdient machten. Heute besuchen etwa 600 Heranwachsende vom Kindergartenalter bis zur Adoleszenz die Schulen der Ordensfrauen. Die Steirer besuchten auch den Projektpartner "IRPAA", das Institut für angepasste kleinbäuerliche Landwirtschaft, das kleinbäuerlichen Betrieben bei der Umsetzung einer nachhaltigen, den Umweltbedingungen angepassten Wirtschaft hilft. Projekte wie diese werden vom Welthaus der Diözese Graz-Seckau, der Dreikönigsaktion und der Männerbewegung seit vielen Jahren unterstützt.
Den Grazer Besuchern wurde auch die räumliche Ausdehnung des größten Landes Südamerikas bewusst, das nicht viel kleiner ist als alle Staaten Europas zusammengenommen: So berichtete Bischof Dom Beto Breis seinen Gästen vom Leben in seiner Diözese Juazeiro, die bei einer Fläche von 56.000 Quadratkilometern und etwa 600.000 Einwohnern nur 22 Pfarren und 39 Priester aufweist. Zum Vergleich: Die Diözese Graz-Seckau hat auf 16.000 Quadratkilometern rund 1,2 Mio. Einwohner sowie 388 Pfarren und knapp 400 Priester. Der Grazer Missio-Direktor Niklas Müller hielt dazu fest, dass die Kirche in Brasilien in den vielen politischen und wirtschaftlichen Konflikten versuche, "sich an die Seite der Menschen zu stellen und ihnen eine Stimme zu geben".
Partner, nicht Spendenempfänger
Der Diözesanbischof von Bom Jesus, Dom Joao Santos Cardoso, dankte für die 2018 begonnene Partnerschaft mit Graz-Seckau: "Ich schätze an dieser vor allem, dass wir hier als Subjekte und nicht als Objekte betrachtet werden, als Menschen und nicht als Spendenempfänger."
Die Diözese Bom Jesus da Lapa besteht seit 1962, ihr Name geht auf den Wallfahrtsort "Bom Jesus" (Gütiger Jesus) zurück, zu dem allein rund um das Hauptfest am 6. August mehrere hunderttausend Menschen pilgern. Der starke Glaube der einfachen Menschen im Nordosten Brasiliens wurde Bischof Krautwaschl bei seinem Besuch deutlich, wie er in seinem Blog (https://krautwaschl.info) festhielt: "Einige tausend Menschen aus allen Pfarren der Diözese haben sich vor der seit Jahren in Bau befindlichen Kathedrale mitten in der Stadt versammelt, um gemeinsam zum Heiligtum in Grottenfelsen am Rand des Rio Sao Francisco zu pilgern." Die aus der Steiermark mitgebrachten Geschenke in Form von Armbändern hätten am Ende einer Messfeier mit Kardinal von Brasilia, Paulo Costa, "reißenden Absatz" gefunden. Mit diesem kleinen Zeichen bleibe die Verbundenheit mit Graz hier sichtbar, so der Bischof. "Diese wollen wir auch in den nächsten Jahren leben."
Die Diözese Graz-Seckau hat zwei Partnerdiözesen - Masan in Südkorea und Bom Jesus da Lapa in Brasilien. Diözesanpartnerschaften dienen dem Austausch des Glaubenslebens und helfen beim Aufbau neuer Strukturen. Die jungen Diözesen in Brasilien und Korea könnten auf die Erfahrung und Unterstützung aus der Steiermark zurückgreifen, die Diözese Graz-Seckau profitiere vom Elan der dortigen Kirchen, hieß es in der Aussendung. Große Jubiläen würden zum persönlichen Austausch genutzt.
Quelle: Kathpress