
Kräutler: "Franziskus hat Angst, dass es zu einem Schisma kommt"
Weiteren Reformbedarf sieht Amazonas-Bischof Erwin Kräutler (83) in der katholischen Kirche. Er habe das Gefühl, "dass in vielen Diözesen die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils noch gar nicht angekommen sind", sagte er in einem Interview mit der "Krone" (Ostersonntag). Papst Franziskus sei in seinen Reformvorhaben gebremst, da er wahrscheinlich Angst habe, "dass es zu einem Schisma in der Kirche kommt. Dass es die Kirche zerreißt. Und das würde ihm unendlich leidtun", so der aus Vorarlberg stammende emeritierte Bischof der Prälatur Xingu, der mit Franziskus befreundet ist und an dessen Enzyklika "Laudato si" mitwirkte.
Wie die Kirche unter einem Nachfolger von Franziskus weitergehen werde, könne man derzeit noch nicht abschätzen, befand Kräutler. "Die Kurienkardinäle sind immer noch sehr mächtig. Aber auch dort gibt es wunderbare Persönlichkeiten, die sich eben nicht einmauern." Schon öfters hätten sich in der Kirche Vorhersagen als Trugschlüsse erwiesen - so etwa bei Papst Johannes XXIII. (1958-1963), der als vermeintlicher "Übergangspapst" gewählt worden sei und dann das Konzil einberufen habe. "Vielleicht geschieht nochmal das Wunder, und der Heilige Geist senkt sich über das Konklave herab", so die Hoffnung des Bischofs.
Über seine eigene jahrzehntelange Tätigkeit in Amazonien sagte Ordensmann der "Missionare vom Kostbaren Blut", er habe "nie irgendwen missioniert, sondern mit den Menschen gelebt". Für ihn sei der Auftrag der Kirche klar, "die Regierungsverantwortlichen darauf hinzuweisen, dass Armut kein Schicksal ist, sondern gemacht wird". Klar sei ihm freilich stets gewesen, dass der Einsatz für die unterdrückten Indios automatisch auch gegen die Interessen der machthabenden Grundbesitzer gerichtet sei. Deshalb stehe er in Brasilien weiterhin unter Polizeischutz. "Wenn es um etwas ging, war ich nie still", so Kräutler.
Quelle: kathpress