
Wien: Kocher und Schwertner eröffnen 12. Jobmeile
Bundesminister Martin Kocher und der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner haben am Dienstag in Wien die 12. Jobmeile eröffnet. Ziel der Jobmeile ist, besonders für langzeitarbeitslose Menschen Perspektiven und Jobangebote aufzuzeigen, dafür waren neben der Caritas und dem Arbeitsmarktservice mehr als 20 weitere Organisationen mit Infoständen im Caritasladen "carla Mittersteig" in Wien-Margareten vertreten. Allein in Wien sind aktuell knapp 40.000 Menschen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen, gehen also seit mindestens einem Jahr keiner Erwerbstätigkeit nach. "Perspektiven für den Wiedereinstieg in ein geregeltes Arbeitsleben sind möglich, passieren aber nicht von selbst", stellte der Direktor der Caritas der Erzdiözese Wien, Klaus Schwertner, dabei klar.
Es gehe darum, langzeitarbeitslosen Menschen die richtigen Werkzeuge in die Hand zu geben, um wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, sagte Schwertner. Bei den allermeisten Langzeitarbeitslosen gehe es nicht ums "nicht Wollen", wie der gesellschaftliche Diskurs das manchmal suggeriere, "es geht bei Arbeit um viel mehr als nur ums Geld verdienen", etwa um Würde und Sinnstiftung.
Auch wenn die Arbeitslosenquote mit österreichweit aktuell 6,2 Prozent so niedrig wie zuletzt im Jahr 2008 sei und es auch bei den langzeitarbeitslosen Menschen eine Verbesserung gebe, sei der Arbeitsmarkt in Österreich keinesfalls eine "gmate Wiesen", so Schwertner. Umso wichtiger sein, dass man nach drei Jahren Corona-Pause heuer wieder die Jobmeile anbieten könne. Allein in Wien habe die Caritas 18 Bildungs- und Beschäftigungsprojekte laufen.
Einrichtungen wie das Caritas-Restaurant "Inigo", das zuvor langzeitarbeitslose Menschen beschäftige, oder die "Wörkerei" für Personen, die auf dem primären Arbeitsmarkt schwer Fuß fassen, seien wirksame Angebote, so Schwertner. 58 Prozent der von der Hilfsorganisation beratenen Menschen gelinge danach Sprung auf regulären Arbeitsmarkt, eine "sensationelle Quote", so der Caritasdirektor: "Je früher die Unterstützung, desto besser und nachhaltiger".
Möglichst viele ins Berufsleben
Arbeitsminister Kocher dankte Caritas und AMS für ihr Engagement für langzeitarbeitslose Menschen. Es gehe darum, möglichst viele Menschen ins Berufsleben zu integrieren, dabei sei die Verringerung der Langzeitarbeitslosigkeit ein wichtiges Mittel. Auch wenn die Zahl langzeitarbeitsloser Menschen in Österreich seit einem Jahrzehnt kontinuierlich zurückgehe, habe die Pandemie noch einmal für eine Verfestigung bei denjenigen, die seit mehr als einem Jahr ohne Job sind, geführt, so der Bundesminister. "Die Jobmeile ist eine Chance, diese Zahl weiter zu verringern", sagte der Minister. "Arbeit ist die beste Absicherung gegen Armut, und ein Menschenrecht", so Kocher.
"Wir haben Erfolge bei der Langzeitarbeitslosigkeit, aber immer noch sind genug Menschen langzeitarbeitslos", sagte Winfried Göschl, Landesgeschäftsführer vom AMS Wien. Dabei sei gerade die Langzeitarbeitslosigkeit das größte Vermittlungshemmnis, so der AMS-Chef. Besonders schwierig sei es daher, die 8.000 Menschen, die seit über fünf Jahren arbeitslos sind, zurück in die Arbeitswelt zu bringen.
Abschließend betonte Caritasdirektor Schwertner die Wirksamkeit von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Als Forderungen an die Politik artikulierte er deshalb, dass Unterstützungsprojekte auch zukünftig unbedingt finanzielle Förderung benötigten. Die gescheiterte Arbeitsmarktreform durch die Bundesregierung und die damit ausgebliebene Inflationsanpassung der Arbeitslosenhilfe schmerze besonders und müsse "dringend nachgeholt werden". Zudem brauche es die Erhöhung der Nettoersatzrate auf ein existenzsicherndes Niveau, so der Caritasdirektor.
Quelle: Kathpress