
Caritas fordert rasche Inflationsanpassung des Arbeitslosengeldes
Die Caritas hat anlässlich des "Tages der Arbeitslosen" (30. April) einmal mehr eine - "längst überfällige" - Inflationsanpassung von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe gefordert. "Arbeitslosigkeit darf nicht automatisch Armut bedeuten", mahnte Caritas-Generalsekretärin Anna Parr in einer Aussendung am Freitag. Sie wies auf den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Armut in Österreich hin: "Fakt ist, wer in Österreich seine Erwerbsarbeit verliert, muss von einem auf den anderen Tag von etwa der Hälfte des Einkommens leben."
Bereits vor den Teuerungen hätten Betroffene in vielen Fällen ein Leben unter der Armutsgrenze geführt, erläuterte Parr. So lag die Armutsgefährdungsquote laut Statistik Austria-Daten bereits vor der Teuerungskrise nach ein bis fünf Monaten ohne Job bei circa 20 Prozent, nach fünf bis elf Monaten schon bei 36 Prozent. Diese Situation hat sich laut Caritas nun weiter verschärft.
Die ohnehin hohe Armutsgefährdung steige deutlich an, je länger die Betroffenen ohne Job seien, so Parr weiter: "Unter ganzjährig arbeitslosen Menschen waren laut den aktuellen Armutszahlen mehr als 40 Prozent armutsgefährdet, 16 Prozent waren erheblich materiell und sozial benachteiligt, also besonders stark betroffen." Im Alltag der Betroffenen bedeutet das, dass sich sechs von zehn Menschen unerwartete Ausgaben nicht leisten konnten, mehr als jeder fünften langzeitbeschäftigungslosen Person sei es nicht mehr möglich, zumindest jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit zu essen.
75.500 Menschen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen
Betroffen sei nicht bloß eine kleine Gruppe, rückte Parr falsche Vorstellungen zurecht: "Während die Arbeitslosigkeit insgesamt auf einem sehr niedrigen Niveau ist, waren im März 2023 laut AMS noch immer rund 75.500 Menschen in Österreich von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen." Für genau diese Gruppe sei es besonders schwer, wieder auf den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Neben der starken finanziellen Belastung wirke sich die Langzeitarbeitslosigkeit bei Betroffenen häufig psychisch und körperlich negativ aus, "womit ein Teufelskreis der Armut entsteht, aus dem es sehr schwer wird, auszubrechen".
Parr wies zudem darauf hin, dass die Preise in allen Lebensbereichen massiv gestiegen seien, die Einkommen von Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen seien, aber gleich blieben. Sie profitierten damit nicht von höheren Kollektivvertragsabschlüssen.
Nach dem Scheitern einer entsprechenden Arbeitsmarktreform sei die Regierung zumindest gefordert, "zeitnah eine Anpassung von Arbeitslosengeld und Notstandshilfe auf das jetzige Preisniveau vorzunehmen", forderte die Caritas-Generalsekretärin.
Aktive Arbeitsmarktpolitik
Ebenfalls dringend gefordert sah Parr die Bundesregierung in der Umsetzung einer aktiven Arbeitsmarktpolitik. Die hohe Zahl langzeitbeschäftigungsloser Menschen zeige "die großen Hürden auf, mit denen sich viele Menschen beim Finden von Arbeit konfrontiert sehen". Laut Parr sind etwa die Strukturen und Rahmenbedingungen, unter denen Erwerbsarbeit in den meisten Fällen verrichtet werden, für manche Personengruppen "nicht passend".
Als Beispiele nannte Parr die häufig nicht mögliche Vereinbarkeit von Erwerbs- und Care-Arbeit, die oft fehlende Barrierefreiheit sowie hohe Auflagen und Anforderungen in vielen Bereichen. Die während der Pandemie durchgeführten Unterstützungsmaßnahmen und spezielle Förderprogramme für langzeitbeschäftigungslose Menschen, wie die Aktion Sprungbrett, hätten eine klare Wirkung gezeigt, betonte Parr: "Es gilt, Projekte dieser Art fortzusetzen und dauerhafte und gesicherte Arbeitsplätze auch für all jene zu schaffen, die schon länger nicht mehr am Arbeitsmarkt dauerhaft Fuß fassen konnten."
Quelle: Kathpress