
Filipovic: Gefährdung der Medienfreiheit durch KI verhindern
Der Frage, "ob durch Technologien Künstlicher Intelligenz Meinungsfreiheit und Medienfreiheit eingeschränkt werden können und, wenn ja, wie dies verhindert werden kann", hat sich der Medienethiker Alexander Filipovic gestellt. In einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche" (27. April) wies er auf Gefahren hin, die die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in einem ihrer Projekte über den Einfluss Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Medienwelt aufzeigte. Zugleich hielt er fest, dass die Transformation längst angelaufen sei und Weichenstellungen nötig seien, um die mit KI verbundenen Chancen zu nutzen und ein gutes Zusammenspiel von Mensch und Maschine in den Medien zu fördern.
Der Professor für Sozialethik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien verwies auf die vier von der OSZE aufgezeigte Problembereiche: Sicherheitsbedrohungen, Hassreden, Medienpluralismus und "Überwachungskapitalismus". Hier werde deutlich, "wie real die Herausforderungen durch KI für die Medien-, Meinungs- und Informationsfreiheit sind".
Durch Fake-News-Bots könnten verbrecherische Staaten andere Staaten in ihren demokratischen Prozessen stören, so Filipovic. Wenn durch diese "neue Form von Cyberangriffen" öffentliche Meinungsbildungsprozesse empfindlich beeinträchtigt werden, trage das zur Destabilisierung von Gesellschaften bei. Auch Angriffe auf mediale Infrastrukturen, etwa Datenbanken von Zeitungen oder die Sendetechnik des Rundfunks durch KI-Systeme, seien denkbar.
Hassrede könnte sich ausweiten
Geschürt werden könnte damit auch Hassrede, die "auch ohne KI schon eine Seuche" sei, gab Filipovic zu bedenken: "Zwar kann KI auch helfen, Hassrede durch automatische Moderation in Foren zu unterbinden, aber KI-Systeme können Hassrede auch automatisch generieren und zur Störung von konstruktiven politischen Debatten ausspielen."
Die Pluralität der Medien könne durch KI in Gefahr geraten, wenn durch Effizienzgewinne kleinere Medien verdrängt werden. Diese sollten nach den Worten des Medienethikers nicht für "redaktionelle Kahlschläge" verwendet werden, sondern für Reinvestitionen in die Qualität und Attraktivität der Medien und des Journalismus.
Die OSZE habe schließlich auch auf die durch KI geförderte Veränderung des Geschäftsmodells der Medien hingewiesen: Es sei eine Form von "Überwachungskapitalismus", wenn Medien immer mehr nicht nur mit gut recherchierten Informationen handeln würden, sondern mit den Daten ihrer Leserinnen und Leser, die sie auf ihren Webseiten und in Social Media sammeln. Und Personalisierung-Algorithmen würden Leser nur mit dem konfrontieren, was sie mögen und kennen - für Filipovic ein Widerspruch zur Idee von demokratischer Meinungsbildung. Zur Debatte stehe damit auch die Macht von Technologieunternehmen.
Es gelte aber auch, die mit KI verbundenen Chancen zu sehen. KI-unterstützte Richtigkeits- und Wahrheitsprüfungen etwa von Bildern könnten Redaktionen helfen, weniger Fehler zu machen. Erforderlich sei jedenfalls "ein gutes Gleichgewicht zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz in Medien und Journalismus", betonte Filipovic. Gelinge dies, werde Journalismus mehr sein als die Notlösung einer gut geschulten Gruppe von KI-Systemen.
Quelle: Kathpress