
Diözese St. Pölten beleuchtet kirchliches Brauchtum
Kirchliches Brauchtum, dessen Wandel und Geschichte steht im Mittelpunkt einer Veranstaltungsreihe in der Diözese St. Pölten. Der Auftakt dazu erfolgte am Mittwoch im Haus der Generationen in Sitzenberg-Reidling (NÖ.), wo sich die Teilnehmenden über das Brauchtum in ihrer Kindheit und Jugendzeit austauschten. "Damit wir Feste feiern können, müssen wir über das, was das Leben prägt, erzählen", erläuterte Diözesanbischof Alois Schwarz, der beim Auftakt der Veranstaltungsreihe anwesend war. Brauchtum lebe von Erinnerungen, so Schwarz. Ziel sei es daher, kirchliche Feste und Bräuche anhand von Geschichten, Berichten, Bildern und Objekten sichtbar zu machen, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag.
Bestandteil des Themenschwerpunktes ist eine Vortragsreihe, Foto-Ausstellungen, Erzählcafés sowie Kooperationen mit Archiven und dem Museum am Dom. Begleitend ist bereits eine Broschüre mit dem Titel "Kirche und Brauchtum. Die Geschichte kirchlicher Feste und Bräuche" erschienen, die Hintergründe zu Fasching, Kirtagen und Weihnachten aufzeigt.
Bischof Schwarz ermutigte im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu generationsübergreifenden Gesprächen innerhalb der Familien: "Haben sie den Mut, der jungen Generation, den Kindern und Enkelkindern, über das Brauchtum zu erzählen und Rituale zu leben." Es gehe dabei auch um praktische Anleitungen, wie man etwa einen Adventkranz bindet, auf den Friedhof geht oder traditionelle Festtagsessen gestaltet. "Wie sie mit ihren Kindern Feste feiern, so werden auch ihre Kinder später einmal diese Feste feiern", zeigte sich Schwarz überzeugt.
Brauchtum ist "Fels in der Brandung"
"Das Brauchtum ist in einer Gesellschaft im Laufe der Geschichte immer einem Wandel unterworfen gewesen", erläuterte auch Gerlinde Falkensteiner vom Ressort für Erwachsenenbildung der Diözese St. Pölten, die das Projekt leitet. So würden Bräuche verschwinden, andere neu entstehen oder aus anderen Gesellschaften übernommen. Das Brauchtum an sich bezeichnete Falkensteiner jedoch als eine Art "Fels in der Brandung", der auch für neue Generationen eine Identifikationsmöglichkeit schaffen könne.
Das Christentum und die katholische Kirche hätten im Laufe ihrer Geschichte Feste und Bräuche neu erschaffen sowie ältere überlagert. Jedoch sei die Art und Weise, wie diese Feste gefeiert wurden, regional sehr verschieden, betonte Falkensteiner. Als Beispiel brachte sie das Weihnachtsfest, das in seiner heutigen Form als Familienfest mit Christbaum und Geschenken auf das 18. Jahrhundert zurückgeht. Zuvor sei es, vorrangig in den Städten und Märkten, üblich gewesen, auf den Straßen oder in den Zünften zu feiern, wogegen im ländlichen Raum der kirchliche Charakter vorherrschend war. (Link zur Broschüre: https://www.dsp.at/dl/MnmkJKJKmoJqx4KJK/Kirche-Brauchtum_Broschuere_web_pdf)
Quelle: kathpress