
Vinzi-Gründer Pucher vor 60 Jahren zum Priester geweiht
Der Grazer "Armenpfarrer" und Gründer der "VinziWerke" Wolfgang Pucher wurde vor 60 Jahren, am 7. Juli 1963, zum Priester geweiht. Dieses Jubiläum feiern die "VinziWerke" am kommenden Sonntag (18. Juni) mit einer Dankmesse in der Grazer Pfarre St. Vinzenz und einem anschließenden Fest. Im Gespräch mit der steirischen Kirchenzeitung "Sonntagsblatt" (aktuelle Ausgabe) betonte Pucher, dass ihn das Credo des hl. Vincents "Armendienst ist Gottesdienst" durch seinen gesamten Priesterdienst begleitet habe. Wenn er einmal vor Gott stehe, wolle er ihn bitten, "mich für den Dienst an den Armen in jene ewige Gemeinschaft aufzunehmen, zu der wir alle unterwegs sind", so der 84-Jährige.
Im Juni 1973 hielt Pucher seine erste Predigt als neuer Pfarrer in der Grazer Vinzenzkirche, die prägend für sein künftiges Wirken werden sollte. Gleich zu Beginn habe er erklärt, er wolle für alle Menschen da sein, "vor allem für jene, die mich am meisten brauchen", erinnerte sich der Jubilar. So sei er bald auf ein sogenanntes "Delogiertenheim" in direkter Nachbarschaft zur Pfarre gestoßen, in dem 800 Menschen, davon 200 Kinder, lebten."Nach einem Besuch aller Wohnungen wusste ich: die brauchen mich", so Pucher.
Die dort lebenden Menschen waren von den Behörden und allen Sozialaktivitäten der Stadt Graz nahezu ausgeschlossen "und im wahrsten Sinne des Wortes verachtet", erklärte Pucher. Ein erster Schritt, den er erwirkte, war, die 50 cm hohe Schrift "Delogiertenwohnheim der Stadt Graz" an der Fassade entfernen zu lassen. Das Gerücht, er selbst habe die Lettern abmontiert, stimme, auch wenn es ihn ehre, aber nicht.
Bei seinen Aktionen sei ihm "mitunter menschenverachtender Widerstand" entgegengebracht worden, so Pucher. Das habe ihn aber nie ans Aufhören denken lassen: "Wenn ich vor einer Herausforderung stehe, dann stelle ich mich ihr, und dieses Sich-Stellen weckt neue Kräfte". Woher die Kräfte kommen, könne er nicht genau bestimmen, aber, "Ich bin der festen Überzeugung: Wenn Gott jemandem eine Aufgabe gibt, dann gibt er ihm auch die notwendigen Kräfte und Fähigkeiten, sie zu erfüllen", so der Jubilar.
Gründer der "VinziWerke"
Die von Pucher gegründeten "VinziWerke" sind ab 1990 aus der Vinzenzgemeinschaft Eggenberg entstanden. Zielgruppe sind Menschen, "die aus der Bahn geraten sind und deshalb in Armut leben": u.a. Drogen- und Alkoholabhängige, Obdachlose, Haftentlassene, Bettler. In den mittlerweile 40 Institutionen der "VinziWerke" in der Steiermark, Wien und Salzburg finden täglich bis zu 450 Personen Unterkunft und 1.400 Personen werden mit Essen und Lebensmitteln versorgt.
Allein in Wien bietet das Hilfswerk sieben Einrichtungen an, etwa zwei Notschlafstellen - "VinziBett" und "VinziPort" - zwei "VinziShops" sowie den "VinziMarkt" und das "VinziDorf". Letzteres bietet 24 langzeitobdachlosen Männern ein Zuhause auf Dauer. (Infos: https://www.vinzi.at/)
Quelle: kathpress