
Herz-Jesu-Fest: Glettler ruft zu "digitaler Herzensbildung" auf
Zu einem kollektiven Versprechen, "mehr Menschlichkeit und Sicherheit ins Netz zu bringen", hat Bischof Hermann Glettler aufgerufen. Ein derartiges Gelöbnis sei vonnöten, um Hate-Speech, Cyber-Mobbing und sonstiger "Unkultur im Netz" nicht das letzte Wort zu belassen, sagte der Bischof am Freitagabend in der Innsbrucker Jesuitenkirche beim Gottesdienst zur Erneuerung des Tiroler Herz-Jesu-Gelöbnisses, an dem auch Landeshauptmann Anton Mattle, Landtagspräsidentin Sonja Leda-Rossmann, Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig sowie Mitglieder der Tiroler Landesregierung und des Tiroler Landtags teilnahmen. "Eine 'digitale Herzensbildung' ist gefragt, nicht nur eine technische Fertigkeit, um noch schneller, auffälliger und effektiver im Netz zu agieren", so Glettler.
In Tirol werden seit 2016 jeweils am kirchlichen Hochfest des Herzens Jesu - das am Freitag begangen wurde - im Rahmen eines "Tags der Herzlichkeit" Werte wie Solidarität und Zusammenhalt in den Mittelpunkt gerückt. Herzlichkeit stehe für "unaufdringliches, aber interessiertes Aufeinander-Zugehen, aktives Zuhören und miteinander geduldig im Gespräch zu sein", legte Bischof Glettler dar. Dazu gehöre heute auch sorgfältiges Verhalten im Internet. Statt "frustriert oder besserwisserisch den Lauf der Welt nur zu kommentieren", solle man besser "sein Herz investieren". Herzlichkeit sei Ausdruck für "grundsätzliches Wohlwollen in jeder alltäglichen Begegnung", was auch innere Bereitschaft und die im Gelöbnis bekundete Entschlossenheit verlange.
Eine "neue Entschlossenheit" ist laut den Worten Glettlers auch in anderen Bereichen vonnöten. So gelte es etwa im Pflegebereich die Probleme über Parteigrenzen hinweg mit "ernsthaftem Dranbleiben" zu lösen, durch neue Ausbildungsmodelle, realistische Rahmenbedingungen oder die Ermöglichung "barmherzigerer" Arbeits- und Betreuungsbeziehungen. Für die "ökologische Großbaustelle" forderte der Bischof "radikalen Wandel im Lebensstil, wesentlich mehr Sorgsamkeit im Umgang mit Lebensmitteln und verändertes Mobilitätsverhalten".
Auch das Asylthema sprach der Bischof in seiner Predigt an und gedachte der hunderten diese Woche vor der griechischen Küste ertrunkenen Flüchtlinge. Trauer sei angesichts dieser "Katastrophe" angesagt und eine "ehrliche europäische Politik" vonnöten, so Glettler. Wichtig sei, im politischen Diskurs der drohenden Radikalisierung mehr Vernunft, Respekt und Wertschätzung für alle Menschen entgegenzuhalten, darunter insbesondere auch für Asylsuchende.
Mattle: Menschen in Not helfen
Aufrufe zu "mehr Herzlichkeit" gab es auch von den Spitzenpolitikern. Landeshauptmann Mattle bezeichnete es als "Sinn des Herz-Jesu-Gelöbnisses, (...) jenen Menschen, die Hilfe brauchen oder denen es durch widrige Lebensumstände nicht gut geht, zu helfen und Herz zu zeigen - sei es durch ein liebes Wort, eine nette Geste oder eine hilfsbereite Tat". Dass die Tiroler Bevölkerung in der Nachbarschaftshilfe, der Aufnahme von Menschen in Not oder bei ehrenamtlichen Einsätzen ein "großes Herz" habe, sei ihr "Trumpf", so Mattle. Landtagspräsidentin Ledl-Rossmann hob hervor, durch ein Miteinander könne man "viel mehr erreichen als jede und jeder für sich alleine". Das hätten vergangene und aktuelle Herausforderungen gezeigt.
Ledl-Rossmann erneuerte im Rahmen des Gottesdienstes feierlich das Herz-Jesu-Gelöbnis. Dieses geht zurück auf das Jahr 1796, als der Stamser Abt Sebastian Stöckl dem Ausschuss der Tiroler Landstände vorschlug, das Land Tirol angesichts der erhöhten Kriegsgefahr nach der Französischen Revolution dem "Heiligsten Herzen Jesu" zu weihen. Diese Weihe wird alljährlich erneuert durch das öffentliche Versprechen, "Jesus und seiner Botschaft treu zu bleiben". Vor dem Gottesdienst gab es auf dem Platz vor der Jesuitenkirche einen Landesüblichen Empfang mit der Schützenkompanie Amras, der Musikkappelle Amras-Innsbruck und Abordnungen der Tiroler Traditionsverbände.
Lebendiges Brauchtum
Die katholische Kirche weltweit feiert am dritten Freitag nach Pfingsten das Hochfest "Heiligstes Herz Jesu", das wiederum mit der Seitenwunde Christi einen Aspekt des Karfreitags aufgreift. In Tirol wird das Fest an diesem Tag oder am Sonntag darauf infolge des Gelöbnisses besonders feierlich begangen. Traditionell gibt es in vielen Städten und Dörfern festliche Prozessionen mit Schützenkompanien und Verbänden, sowie auf den Bergketten weithin sichtbare Herz-Jesu-Feuer mit christlichen Symbolen wie dem Schriftzug "IHS", einem Herz oder dem Kreuz Christi.
Der von zahlreichen Aktionen in den Medien und in Sozialeinrichtungen begangene "Tag der Herzlichkeit" wurde 2016 von der Initiative "Offene Herzen" des Bischof-Stecher-Gedächtnisvereins ins Leben gerufen und stand heuer unter dem Motto "Herz ist Trumpf". Die Diözese und zahlreiche geistliche Gemeinschaften hatten zudem für Freitag und Samstag zu einem "Herz-Jesu-Familienfest" in Stift Wilten geladen. (Weitere Infos: www.bischof-stecher-verein.at, www.herzjesufest.at)
Quelle: kathpress