
Marketz: Kirche braucht neue Antworten auf neue Situationen
Einen großen Bedarf von Innovationen innerhalb der Kirche sieht Bischof Josef Marketz. Es sei wichtig, "auf neue Situationen neue Antworten finden, aus dem gleichen Fundus, aber mit anderen Bildern, anderen Strukturen", sagte der Bischof von Gurk-Klagenfurt im Interview mit dem Kärntner "Sonntag" (aktuelle Ausgabe). Spezieller Anlass war der jüngste Beschluss der "Grundorientierung" im Rahmen des diözesanen Kirchenentwicklungs-Prozesses. In den Befragungen zum "Synodalen Prozess" sei deutlich geworden, dass es zu den gleichen Fragen in der Kirche "sehr viele verschiedene Antworten von einzelnen Menschen" gebe. Wolle die Kirche jeder Person Platz geben, müsse sie Interesse daran zeigen, "wie sich Einzelne die Zukunft der Kirche vorstellen", so Bischof Marketz.
Die neue pastorale "Grundorientierung" der Katholischen Kirche in Kärnten war zu Monatsbeginn vom Diözesanrat mit klarer Mehrheit angenommen worden. Sie enthält 18 Themenfelder mit jeweils sechs bis acht Konkretisierungen, begonnen vom Leben aus dem Glauben über diakonisches und nachhaltiges Handeln bis hin zu einem ethischen und nachhaltigen Einsatz von Finanzen und Ressourcen. Auch Themen wie Zweisprachigkeit, Jugend oder Beziehung und Familie werden angesprochen. Erstellt wurde das Dokument von einem Redaktionsteam, das dazu fast 5.000 im Rahmen des "Synodalen Prozesses" getätigte Rückmeldungen eingearbeitet hat.
Derzeit befinde sich die Kirche in Kärnten in einer besonderen Situation, so die Wahrnehmung des Bischofs. "Es scheint uns wichtig zu sein, dass wir aus dem großen Schatz das herausholen, was für unsere Zeit mit ihren Herausforderungen passt, und darauf Antworten geben können." So sei ein Heft mit dem Titel "Weil Gott Liebe ist - für eine Welt, in der die Menschen füreinander da sind" erstellt worden, das jene Ergebnisse enthalte, "an denen wir uns in Zukunft abarbeiten werden". Laut dem Diözesanrats-Beschluss sollen im nächsten Schritt strategische pastorale Ziele auf Basis von acht in der Grundorientierung enthaltenen "Grundhaltungen" erarbeitet und der dafür notwendige und mögliche finanzielle und personelle Rahmen festgelegt werden.
Im Vorwort des Heftes hatte Marketz ein "Wunschbild" von Kirche skizziert - "mit acht Eigenschaftsworten: glaubensstark und missionarisch, spirituell und karitativ, innovativ und nachhaltig, synodal und partizipativ", wie er erläuterte. Auch das synodale Element wolle man in Kärntens Kirche stärken. Leitend dafür sei das von Papst Franziskus geprägte Bild vom "Kirchenzelt", in das es alle hereinzulassen gelte, wobei man im Inneren versuchen müsse, "die Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen". Das gehe nur im Austausch miteinander, im Hören aufeinander und im Treffen von Vereinbarungen, so Marketz, der mit einem Aufruf schloss: "Ich appelliere an alle, sich einzubringen und an der Zukunft der Kirche mitzubauen."
Quelle: kathpress