
Jugendbischof: Bedauern über Ende der gedruckten "Wiener Zeitung"
Trotz zahlreicher Initiativen zum Erhalt der "Wiener Zeitung" markiert der 30. Juni das Ende der gedruckten Ausgabe der Tageszeitung in ihrer gewohnten Form. Für Jugendbischof Stephan Turnovszky ist das "medienpolitisch höchst bedauerlich", wie er in einem Kathpress vorliegenden Schreiben an die Redaktion der "Wiener Zeitung" festhält. Als langjähriger Abonnent werde er die Zeitung "vermissen und mit ihr den soliden und unaufgeregten Qualitätsjournalismus", schreibt der Wiener Weihbischof und endet: "Danke Ihnen allen in Redaktion, Produktion und Vertrieb für Ihr wertvolles Tun!"
Hintergrund für das Ende der ältesten gedruckten Tageszeitung der Welt im 320. Jahr nach ihrer Gründung ist ein am 27. April im Nationalrat beschlossenes Gesetz. Damit wurde u.a. die Pflichtveröffentlichung etwa von Bundesgesetzen abgeschafft, was dem Blatt die finanzielle Basis entzieht. Die republikseigene Tageszeitung soll künftig als öffentlich gefördertes Onlinemedium erscheinen, mindestens zehnmal pro Jahr auch gedruckt. Das Gesetz tritt am 1. Juli in Kraft.
Religionsgemeinschaften für Erhalt der "Wiener Zeitung"
Für den Erhalt der "Wiener Zeitung" hatte sich u.a. im November letzten Jahres ein interreligiös zusammengesetztes Personenkomitee eingesetzt. In einer Petition an die Bundesregierung wurde damals die Rettung eines "Kulturguts erster Güte" gefordert. Das von zwölf Spitzenvertretern von Kirchen und Religionsgemeinschaften unterzeichnete Papier forderte dazu ein 18-monatiges Moratorium, um Ideen für die "Fortführung dieses weltweit einzigartigen Zeitungsprojekts" und "Kulturguts erster Güte" zu sammeln. Seitens der Katholischen Kirche hat Kardinal Christoph Schönborn als österreichischer Medien-Bischof die Petition unterzeichnet.
Die Unterzeichner hielten fest, dass die Zeitung "Maßstäbe für einen in der Demokratie unverzichtbaren Qualitätsjournalismus in einer zunehmend inhaltlich verarmenden Medienlandschaft" gesetzt habe. Im Sinne von Qualität, "demokratischer Transparenz und Meinungsvielfalt" gelte es daher, sich dieser "ideellen Aspekte zu besinnen" - und dies umso mehr, als es durchaus positive Ansätze für eine wirtschaftlich erfolgreiche Weiterführung der "Wiener Zeitung" gebe. Die Regierung möge daher "in einen konstruktiven Dialog über alle ernsthaften Vorschläge eintreten", mahnten die Religionsgemeinschaften. "Die Bundesregierung sollte diese Vorschläge und Überlegungen nicht leichtfertig von sich weisen. Geht es doch darum, mit einem vergleichsweise geringen Mitteleinsatz realistische Möglichkeiten zur Rettung eines wertvollen Kulturgutes zu suchen."
Weitere Unterzeichner der letztlich erfolglosen Petition waren Michael Chalupka, Bischof der Evangelischen Kirche A.B., Stefan Schröckenfuchs als Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche, Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Anba Gabriel, Bischof der Koptisch-orthodoxen Kirche in Österreich, der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis), Heinz Lederleitner, Bischof der Altkatholischen Kirche, Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Yüksel Bilgin, Präsident der Alevitischen Glaubensgemeinschaft, Gerhard Weissgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft, Karl Peloschek, Vorsitzender der Freikirchen, sowie Simon Soucek von der Kirche Jesu Christ der Heiligen der Letzten Tage.
Die "Wiener Zeitung" wurde 1703 als "Wiennerisches Diarium" gegründet. Die erste Ausgabe erschien am 8. August 1703. Damit ist sie bis zum 30. Juni die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt.
Quelle: kathpress