
Bischof Elbs: Mehr Frauen in kirchliche Leitungspositionen bringen
Für den Feldkircher Bischof Benno Elbs muss die Kirche "alles daransetzen", um Frauen dort in Leitungspositionen zu bringen, wo es heute schon möglich ist. Für den Vorarlberger Oberhirten sind das vor allem hohe Ämter in der Organisationsstruktur der Kirche. Papst Franziskus habe das bereits vorgezeigt, indem er es ermöglichte, dass Frauen in der Organisationsstruktur der Kurie, in der Verfassung des Vatikanstaats, höchste Ämter bekleiden können, sagte Elbs in einem Interview mit dem Vorarlberger "KirchenBlatt" (aktuelle Ausgabe). Anlass war das 10-jährige Weihejubiläums des 62-Jährigen als Bischof von Feldkirch am 30. Juni.
Dass sich viele Frauen darüber hinaus bei der Weihefrage Veränderungen wünschten, ist für Elbs "völlig nachvollziehbar", auch wenn er bei diesem Thema die Kirche vor einem "langwierigen synodalen Prozess" sieht. So gebe es in dieser Frage nach wie vor theologische Bedenken und "weltweit ganz unterschiedliche Zugänge". Möglicherweise liege die Lösung in der von Papst Franziskus angedachten "heilsamen Dezentralisierung", das heißt, dass es je nach Weltregion unterschiedliche Regelungen geben könne, gab der Bischof zu bedenken.
Was die Weihe von verheirateten Männern anbelangt, habe sich der Papst "sehr klar geäußert". So hatte Franziskus mehrfach betont, dass für ihn eine Abschaffung des Pflichtzölibats für katholische Priester nicht ausgeschlossen ist, und er die Ehelosigkeit in der westlichen Kirche für "eine zeitlich begrenzte Vorschrift" hält. "Diese Meinung teile ich auch", so Elbs.
Besonderes Anliegen ist dem Feldkircher Bischof der Zugang zu jungen Menschen. So segnet Elbs etwa Jugendliche via Instagram oder stellt sich in Gesprächsrunden ihren Fragen zu "heißen Themen" wie etwa der katholischen Sexualmoral. "Wenn Anfragen von der Jugend kommen, sage ich, wenn es irgendwie geht, immer zu", so Elbs. "Ich erlebe bei jungen Menschen sehr viel Offenheit und Wohlwollen." Daher nehme er sich gerne die Zeit, "da das auch meine absolute Priorität ist, was die Zielgruppe anbelangt".
Abgesehen vom Zugang zur Jugend sieht er Bischof seine Aufgabe aber auch als "Brückenbauer-Amt". Es gehe darum, all die unterschiedlichen Glieder der Kirche miteinander zu verbinden und den Austausch zu moderieren. Einer kürzlich veröffentlichen Sinus-Milieu-Studie, wonach der Kirche ganze Gesellschaftsgruppen wegbrechen, wolle er insofern widersprechen, als dies für die Sonntagsgottesdienste zutreffen möge, aber nicht für den Großteil der Veranstaltungen, die er besuche. "Bei einer Beerdigung, einer Taufe, einer Hochzeit oder einer Firmung, aber auch im Gefängnis oder im Krankenhaus treffe ich auf alle Milieus." Die Studie zeige aber, dass Geistliche "ganz bewusst in andere Bereiche" hineingehen sollten.
Religion wichtig für Gesellschaft
Elbs ist davon überzeugt, "dass der Mensch im Innersten potenziell auch religiös ist". Religion gehöre aus Sicht des Bischofs "ganz wesentlich zum Sinn, zum Glück, zum Existenzial des Menschen dazu". Die These, dass Religion verschwinde, sei nicht nur falsch, das Gegenteil sei eher der Fall, so Elbs. "Was sich verändert, ist die soziale Gestalt. Vielleicht sind viele nicht mehr katholisch. Es gibt so viel Spirituelles oder Religiöses und für mich hängt das eben ganz stark mit dem Menschenbild zusammen."
Der Kirche komme gesellschaftlich eine wichtige Aufgabe zu, so Elbs. Viele würden Religion und Kirche gerne "vernichtet" sehen, aber, "wenn die Kirche verschwindet, entsteht ein Vakuum, in das Extremismen, Spaltungstendenzen oder fanatische Ideologien hineinwuchern". Im Christentum gebe es auch immer Platz für Arme, Kranke oder Sterbende. "Und das genau ist der Punkt": Ohne Religion, gehe eine "große Ressource für Menschlichkeit und Nächstenliebe" verloren, so der Vorarlberger Bischof. Zusammengefasst heiße das, Religion brauche es sowohl im persönlichen als auch im gesellschaftlichen Miteinander, so Elbs abschließend.
Quelle: kathpress