
Bischof Scheuer dankt Medienschaffenden für wichtigen Dienst
Bischof Manfred Scheuer hat Medienschaffenden für ihren wichtigen Dienst gedankt. Der bereits traditionelle Medienempfang des Linzer Bischofs sei daher bewusst ein "Zeichen der Wertschätzung, Anerkennung und des Lobes", sagte der Gastgeber am Mittwochabend im Linzer Bischofshof vor zahlreich erschienenen Gäste aus säkularen und kirchlichen Medien in Oberösterreich und darüber hinaus. In das Zentrum seiner nachdenklichen Rede stellte Scheuer die Frage nach dem Stellenwert von Glaube, Kirche und Religion im Kontext einer säkularisierten Gesellschaft, die existiere und funktioniere, "als ob es Gott nicht gäbe". Derartige Fragestellungen stünden auch im Zentrum der nächstwöchigen Ökumenischen Sommerakademie im Stift Kremsmünster, zu der der Linzer Bischof einlud.
"Sind wir von Natur aus religiös? Gibt es noch ein Bewusstsein von dem, was fehlt, oder die Sehnsucht nach dem ganz Anderen?" Diese Fragen stellte Scheuer an den Beginn seiner Ausführungen und erinnerte in diesem Zusammenhang an eine Textzeile aus dem Lied "Anthem" des Musikers und Songwriters Leonhard Cohen (1934-2016): "There is a crack in everything / That's how the light gets in" (Durch alles geht ein Riss / so fällt das Licht hinein). Der Bischof wörtlich: "Die Unerträglichkeit der Scheinheiligkeit der Mächtigen - sie fordert eine Reaktion. Das, was Cohen offensichtlich mit diesem Lied intendiert, ist eine Veränderung der realen Zustände, der 'crack in everything', also der Sprung, der Veränderung möglich macht, muss gefunden werden. Verursacht die Gestalt der Welt, wie sie ist, gerade in ihrer Säkularisiertheit, ein großes Unbehagen bei uns? Suchen wir nach dem Sprung in ihr, um sie umgestalten zu können? Oder suchen wir den Sprung, um in sie unser Licht einstrahlen zu lassen, um transluzent zu sein?"
Der Weggang bekannter Ordensgemeinschaften wie der Jesuiten aus Linz, der Trappisten von Engelszell oder der Karmelitinnen von Gmunden habe durchaus mediales Echo und auch Betroffenheit bei den Menschen hervorgerufen, so Scheuer weiter. Er habe jedoch den Eindruck, dass es sich bisweilen um eine Art "Phantomschmerz" handle, ähnlich wie 2019 beim Brand der Kathedrale von Notre-Dame in Paris. Als die Kirche abgebrannt sei, hätte man den Eindruck gehabt, "dass den Menschen über etwas das Herz blutet, was sie eigentlich gar nicht mehr haben". Ähnlich erlebe er es bei den Ordensgemeinschaften, so Scheuer: Das Verständnis weiter Kreise der Bevölkerung - auch innerkirchlich - für diese Form des Lebens sei enden wollend. "Der Brand einer Kathedrale, das Verschwinden von Ordensgemeinschaften - ist das eine Wunde für die Seele? Geht da für die kulturelle und religiöse Identität einer Gesellschaft etwas verloren", so die Fragen des Bischofs, die er beim Medienempfang offen ließ.
Mögliche Antworten darauf könnten bei der kommenden 24. Ökumenischen Sommerakademie vom 12. bis 14. Juli in Kremsmünster gefunden werden, die sich der Rolle der Kirchen in der säkularen Gesellschaft widmen wird, so Scheuer. Der Auftrag Jesu aus der Bergpredigt, Salz der Erde zu sein, stelle die christlichen Kirchen im modernen, säkularen Europa vor existenzielle Fragen und Herausforderungen, so der Bischof unter Verweis auf das Generalthema der Tagung.
Die Kirchen hätten ihre über Jahrhunderte gewohnte Position in der Gesellschaft verloren. Für eine Vielzahl der Menschen habe die Religion im Alltag kaum mehr Bedeutung, diagnostizierte der Ökumene-Bischof: "Säkularisierung bedeutet letztlich, dass die moderne Gesellschaft so existiert, als ob es Gott nicht gäbe. Die Wertvorstellungen, das Zusammenleben werden so verstanden, als ob es keine Transzendenz gäbe. Inwieweit könne die Kirche nun den Anspruch, Salz der Erde zu sein, unter den veränderten Bedingungen erfüllen? Und was könnten veränderte Möglichkeiten sein?"
Eine Antwort auf die Frage nach der Transzendenz könne die Erfahrung von Schönheit sein, so Scheuer, der auf ein Wort der von ihm sehr geschätzten Philosophin und Mystikerin Simone Weil (1909-1943) verwies: "Die Schönheit der Welt ist Christi zärtliches Lächeln für uns durch den Stoff hindurch." Auch eigne sich "Musik als Sprache des Glaubens und als Vermittlerin transzendenter Inhalte", so der Bischof. Im Blick auf die Realität brauche es schließlich beides: "die Aufmerksamkeit für das Schwierige und für das Mutmachende", so Scheuers Wunsch an Medienschaffenden.
Quelle: kathpress