
Theologe zu Kogler: Hexenverbrennung für Kirche nie "normal"
Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) wird für seine Aussage kritisiert, wonach für die Kirche Hexenverbrennungen einmal normal gewesen seien. Der Theologe, Mediziner und bekannte Buchautor Prof. Johannes Huber hält dem unter Verweis auf den wissenschaftlichen Befund entgegen, dass Hexenverbrennungen für die Kirche "nie 'normal'" waren. "Die Geschichtsforschung hat längst belegt, dass Hexenverbrennungen eher durch den Druck der Bevölkerung entstanden sind, die sich Andersdenkender oder Konkurrenten entledigen wollten", so Huber in einer Aussendung am Sonntag. "Die Kirche lehnte das ab und versuchte es zu verhindern. Bezeichnender Weise gab es im gesamten Kirchenstaat keine einzige Hinrichtung wegen Hexerei."
Huber, der erst jüngst von der Wiener Theologischen Fakultät mit dem Goldenen Doktordiplom gewürdigt wurde, verwies in diesem Zusammenhang etwa auf den renommierten deutschen Historiker Volker Reinhardt: "Wenn Kogler schon mit der Kirche argumentiert, sollte er sich wenigstens vorher einlesen", sagte der frühere Sekretär von Kardinal Franz König. Er erinnerte Kogler zum Thema "Wandel von Normalität" an die ideologische Geschichte der Grünen, indem er schrieb: "Ein besseres Beispiel wäre der Kulturwandel der Grünen im Zusammenhang mit Pädophilie gewesen." Denn, so Huber: "Die deutschen Grünen forderten in den 1970er-Jahren dafür noch Straffreiheit."
Konflikt über "normal Denkende"
Die von Huber kritisierte Aussage des Vizekanzlers fiel im Zusammenhang mit dessen Kritik an der Politik der ÖVP in Niederösterreich. So sagte Kogler im Interview mit "profil", er halte die von der niederösterreichischen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zuletzt vermehrt bemühten Bezüge auf die "normal denkenden" Menschen für "brandgefährlich und darüber hinaus präfaschistoid". "Eine derartige Herangehensweise ist das Einfallstor für das Böse in der Welt, um in der Diktion der katholischen ÖVP zu sprechen", so Kogler im "profil".
Mikl-Leitner hatte zuletzt häufig damit argumentiert, "die große Mehrheit der Normaldenkende" bzw. "die Anliegen der normal denkenden breiten Mitte der Bevölkerung" zu vertreten - etwa beim Klimaschutz oder beim Gendern. Für Kogler sei das "brandgefährlich" und er sagte: "Denn was die Norm ist, ist zeitabhängig. Die Kirche fand es einmal normal, Frauen zu verbrennen."
Die Aussagen Koglers führte in der Folge zu zahlreichen Reaktionen aus der ÖVP, wo man eine "unfassbare Entgleisung" ortete und eine Entschuldigung forderte. Mikl-Leitner sprach am Sonntag in einer der APA übermittelten Stellungnahme von einer "unbedachten Wortwahl" Koglers, die ihre Einschätzung bestätigen würde: "Die politischen Ränder werden immer lauter und immer extremer. Wer in der Mitte steht, wird von den Rechten als links und von den Linken als rechts beschimpft - jetzt sogar als faschistisch. Weil man angeblich nicht sagen darf, dass man in einer Zeit, in der die politischen Ränder zunehmend radikaler werden, der schweigenden Mehrheit der normaldenkenden Menschen eine kräftige Stimme geben will, ja geben muss", so die niederösterreichische Landeshauptfrau.
Quelle: kathpress