
71. Pädagogische Werktagung zum Thema "Zuversicht stärken" eröffnet
Mit einem Plädoyer für mehr gegenseitige Wertschätzung hat die 71. Internationale Pädagogische Werktagung (IPWT) am Mittwoch in der Universitätsaula in Salzburg gestartet. Die Tagung zum Thema "Zuversicht stärken" geht noch bis Freitag u.a. den Fragen nach, wer auf welche Weise Zuversicht definiert und wie Empowerment, Resilienz, Krise und Zuversicht zusammenhängen. Besonders die kindliche Seele benötige eine aktive Wertschätzung: "Jeder, dem gezeigt wird, dass er wertvoll ist und der geachtet wird - ich kann mir nicht vorstellen, dass der böse werden kann", wies der Wiener Psychologe, Autor und Speaker Georg Fraberger hin, der auch die Eröffnungsrede hielt. Grußworte kamen u.a. vom Salzburger Erzbischof Franz Lackner und von Caritas-Österreich-Präsident Michael Landau.
Die Pädagogik habe einen großen Stellenwert, da sie Kindern Zuversicht geben sowie Resilienz fördern könne, meinte Fraberger in seinem Eröffnungsvortrag zum Thema "Zuversicht als Lebenschance". Als essenziell bezeichnete er dabei den Mut, jederzeit scheitern zu können, da sich auch das Leben zu jeder Zeit ändern könne. So benötige auch eine gesunde Entwicklung von Kindern Freiheit und Mut.
Als Psychologe arbeite er mit Klientinnen und Klienten oft zum Thema Zuversicht. Wenn jemand in seine Praxis komme, höre er oft: "Ich will/kann nicht mehr." Mit Zuversicht heiße die Feststellung: "Ich will/kann SO nicht mehr." Es gelte einen passenden Umgang mit den eigenen Gefühlen zu finden, nicht das Gefühl "als Fehler in der Natur" zu interpretieren.
Die Bedeutung der Zuversicht hob auch Tagungs-Präsident Andreas Paschon heraus: "Um Zuversicht zu stärken, brauchen wir Menschen, die unterschiedlichste Konzepte umsetzen." Bereits in der Krise dürfe man Hoffnung und Zuversicht schöpfen. Es ist die erste IPWT mit Paschon als neuen Präsidenten, er folgte dem Theologen und Pädagogen Anton Bucher nach.
Salzburgs Erzbischof erklärte die Zuversicht als "so etwas wie die Schwester der Hoffnung", die über die Welt hinausgehe. "Wer weiß, wozu das gut ist": Dieser Satz seiner Mutter habe ihm als Kind in den 1950er-/1960er-Jahren Zuversicht in scheinbar aussichtslosen Situationen gegeben, so Lackner in seinen Grußworten zu Beginn der Werktagung.
Unter den rund 500 Teilnehmenden aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und aus Litauen waren neben dem Salzburger Erzbischof Franz und Vertretern des Domkapitels und des Konsistoriums der Erzdiözese Salzburg auch Caritas-Österreich-Präsident Michael Landau, die Präsidentin der Katholischen Aktion Salzburg, Elisabeth Mayer, und der Vorsitzende des Katholischen Bildungswerkes Salzburg, Andreas Seidl. Das Land Salzburg und die Stadt Salzburg war durch Bildungslandesrätin Daniela Gutschi vertreten.
Taten nicht Theorien
In der Pädagogik zählten Taten, nicht die Theorien, betonte Caritas-Präsident Michael Landau in seinen Grußworten. "Veränderung beginnt im Kleinen. Und es kommt dabei auf jede und jeden Einzelnen an", so Landau wörtlich am Eröffnungstag der Werktagung, die dazu einlade, methodisch, stilistisch und inhaltlich über den Tellerrand zu blicken.
Der Blick in die Vergangenheit könne zeigen, dass die Gesellschaft "den Mut, die Phantasie, die Mittel und Möglichkeiten" habe, Gegenwart und Zukunft gut zu bewältigen, - "wenn wir das wollen!", so der Caritas-Präsident. Es gehe folglich um eine positiv konnotierte Grundeinstellung und somit Haltung, die auch die Pädagogik und damit die Kinder betreffe. Landau zeigte sich dabei überzeugt, dass Bildung entscheidend zur Armutsprävention und Armutsbekämpfung ist. "So gilt es, auch gesellschaftlich, alles daranzusetzen, noch mehr Menschen dafür zu begeistern." Dafür sei die Verbesserung der Rahmenbedingungen "unerlässlich".
Landau sprach sich in seinen Grußworten auch für das Caritasanliegen eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres für alle Kinder aus sowie für "flächendeckend verfügbaren, leistbaren, gegebenenfalls kostenlosen Kindergartenplätze auch ganztägig, österreichweit".
Pädagogische Fachtagung
Die Internationale Pädagogische Werktagung Salzburg gilt als eine der wichtigsten pädagogischen Fachtagungen im deutschsprachigen Raum. Sie richtet sich an Personen, die in verschiedenen Berufs- und Handlungsfeldern mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten und ebenso an Studierende. Die Tagung, zu der rund 600 Teilnehmende erwartet werden, findet stets in der zweiten Juliwoche im Herzen der Salzburger Altstadt statt.
"Zuversicht stärken" lautet das unter dem Eindruck multipler Krisen gewählte Thema der 71. Internationalen Pädagogischen Werktagung. Als Vortragende sind u.a. der deutsche Entwicklungspsychologe Klaus Fröhlich-Gildhoff, die Grazer Erziehungswissenschaftlerin Marlies Matischek-Jauk und der Wiener Theologe Paul Zulehner über Religionen als Vermittler von "Hoffnung in einer taumelnden Welt".
Veranstaltet wird die jährliche Tagung vom Katholischen Bildungswerk Salzburg (KBW) in Kooperation mit der Caritas Österreich, der Paris Lodron Universität Salzburg und erstmals mit der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig. Unterstützt wird die Tagung vom Land und der Stadt Salzburg. (Infos: www.bildungskirche.at/werktagung)
Resilienz von Kleinkindern fördern
Die Frage, wie Pädagoginnen und Pädagogen eine zuversichtliche Haltung im Kleinkindalter sowie in Familie, Kindertageseinrichtungen und Schule. fördern, vermitteln und zusprechen können, stand im Zentrum der Vorträge am ersten Tag der 71. Internationale Pädagogische Werktagung (IPWT) in Salzburg. Noch bis Freitag sprechen Fachleute unter dem Tagungstitel "Zuversicht stärken" über Empowerment, Resilienz, Krise und Entwicklungsförderung.
Kinder benötigen schon von frühester Kindheit an Bezugspersonen, mit denen sie ihre Lebenskompetenzen entwickeln können, legte etwa der deutsche Professor für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der evangelischen Hochschule Freiburg, Klaus Fröhlich-Gildhoff, dar. Eine wesentliche Bedeutung komme der Fähigkeit zu, mit schwierigen Situationen, Belastungen und Herausforderungen produktiv umgehen zu können.
Eine wichtige Rolle spielten dabei die Familie, Kindertagesstätten sowie die Schule, die Kinder in deren Gefühl stärken könnten, sowohl geschützt zu sein als auch den Freiraum zu haben, eigene "Welt-Entdeckungen" zu machen, so der Wissenschaftler. Zur Herausbildung von Resilienz und Optimismus brauche es aber auch die Fähigkeit einer angemessenen Selbst- und Situationseinschätzung, soziale Kompetenz, Selbstwirksamkeit und die eigene Handlungsfähigkeit. Dies sei unerlässlich, um seelische Stärke oder eine Haltung der Zuversicht einzunehmen, meinte Fröhlich-Gildhoff.
Auch die Grazer Erziehungswissenschaftlerin Marlies Matischek-Jauk betonte die Wichtigkeit der Förderungen von sozial-emotionalen Kompetenzen sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Lehrenden. Besonders die vergangenen Jahre der Pandemie hätten gezeigt, wie sich Belastungen auf Schule und Alltag auswirken könnten. Die Pandemie habe zudem zahlreiche emotionale Probleme, die sich im Schulalltag herauskristallisieren, wie ein Katalysator beschleunigt. Dabei fehle es bis heute an einer professionellen Aufarbeitung dieser Erfahrungen, warnte die Expertin. Nötig seien etwa "sozial-emotionale Lernformen", die Beratungen, Förderungsgespräche und individuelle Lernprogramme ermöglichen.
Zwischen Hoffnungslosigkeit und Zuversicht
Besonders in Krisenfällen benötigten Kinder Zuversicht, Halt und offene Gespräche durch Pädagoginnen und Pädagogen, betonte auch Harald Wolfesberger, Erziehungswissenschaftler und Mitarbeiter eines Kriseninterventionsteams. Bezugspersonen hätten dabei aber eine wesentliche Rolle: "Wer Ruhe ausstrahlt, vermittelt Zuversicht", so Wolfesberger.
Pädagoginnen und Pädagogen könnten in solchen Momenten Formen von Verarbeitung und Bewältigung ermöglichen, benötigten dafür aber auch einen breiteren Zugang zu Fortbildungen und Kompetenzförderung in der Krisenbetreuung, forderte der Experte.
Quelle: kathpress