
Pädagogische Werktagung: Zuversicht belebt Leben von Klein und Groß
Zuversicht ist kein naiver Optimismus, sondern öffnet Räume für Lösungen und Handlungsmöglichkeiten: Mit diesem Tenor wurde am Freitag in Salzburg die 71. Internationale Pädagogische Werktagung beendet. Unter dem Titel "Zuversicht stärken" präsentierten Expertinnen und Experten interdisziplinäre Zugänge aus Literatur, Philosophie, Theologie und Psychologie. Zuversicht sei keine "rosa Brille", sondern eine Haltung und differenzierte Zugangsweise zu Lebenssituationen, betonte etwa die Ordensschwester und Bestsellerautorin Melanie Wolfers in ihrem Abschlussvortrag. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von 13. bis 15. Juli mit rund 500 Teilnehmenden gemeinsam vom Katholischen Bildungswerk Salzburg, der Caritas Österreich sowie der Universität Salzburg.
Zuversicht sei ein Kernmoment menschlichen, aber insbesondere auch pädagogischen Handelns, müsse aber gepflegt und gestärkt werden, meinte die Theologin und Philosophin Wolfers. Dies gelte auch für Lehrende und Lernende, so die Ordensangehörige der Salvatorianerinnen.
Konkret bedeutet das, dass eine von Zuversicht geprägte Person die Welt analysieren kann - und zwar unter den Vorzeichen von Möglichkeiten, von Zukunftsperspektiven und aktiven Handlungsfeldern. "Zuversicht ist eine Art Spürsinn, was die kommende Zeit an Positiven bereithalten könnte", so Wolfers.
Positiv bestärken könne man Zuversicht im familiären, wie auch pädagogischen und gesellschaftlichen Umfeld durch eine positive Einstellung zum eigenen Körper oder zwischenmenschliche Beziehungen. Zudem sei auch die Fundierung der eigenen Wertvorstellungen und Sinn-Erfahrungen eine Grundbedingung dafür, um im Rahmen von Zuversicht positive Aspekte und deren kreatives Potential erkennen zu können. Wolfers strich auch die spirituelle Dimension der Zuversicht hervor: So sei Zuversicht wie eine spirituelle Übung, ein Einüben in das Geheimnis des Möglichen.
Literatur eröffnet Möglichkeiten
Dass auch Literatur helfen kann, menschliche Probleme, Hemmungen oder Krisen zu bewältigen, darauf hat die Wiener Autorin, Schauspielerin, Sprecherin und Trainerin Lena Raubaum hingewiesen. "Literatur liefert in ihren Worten wahre Schätze und Möglichkeiten, welche die LeserInnen in ihrem konkreten Dasein bereichern können." Es gebe für alle Lebenslagen Bücher und Worte, so die 2022 mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnete Schriftstellerin. Zuversicht spiele dabei insofern eine Rolle, als Literatur Räume aufzeigen, Alternativen eröffnen und die Vorstellungskraft erweitert werden kann.
Vertrauen als Grundlage
"Vertraust du nicht, dann lebst du nicht", zitierte der Salzburger Philosoph, Theologe und Psychotherapeut Emmanuel J. Bauer aus dem Buch Jesaia sowie dem Kirchenlehrer Augustinus. Vertrauen bilde die Grundlage für ein gelingendes Leben, es sei eine Grundvoraussetzung für zentrale Bereiche zwischenmenschlicher Beziehungen, aber auch im Straßenverkehr oder Rechtsstaat.
Wo Vertrauen unmöglich gemacht, zerstört, oder gar nicht ausgebildet wird, werde dem Feinde der Zuversicht, nämlich der Angst, Tür und Tor geöffnet. "Diese Angst tritt niemals allein zutage, sondern bringt zahlreiche Begleiterscheinungen mit sich. Viele der heute bedrängenden Probleme und Entwicklungen sind nichts anderes als Ausprägungen einer tief liegenden Angst", zeigte sich Bauer überzeugt. Zuversicht hingegen zeige sich als Fähigkeit, die den Menschen Räume für alternativen Handlungs- und Lösungskonzepte anbietet.
Als Grundvoraussetzung nannte Bauer eine Persönlichkeitsentwicklung, die von Begleitung und Sicherheit geprägt sein sollte. Erst so könne eine Persönlichkeit Kompetenzen entfalten, die Handlungsenergie freisetzen und neue Sichtweisen ermöglichen.
Pädagogische Fachtagung
Die Internationale Pädagogische Werktagung Salzburg gilt als eine der wichtigsten pädagogischen Fachtagungen im deutschsprachigen Raum. Sie richtet sich an Personen, die in verschiedenen Berufs- und Handlungsfeldern mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten und ebenso an Studierende. Die Tagung, zu der rund 600 Teilnehmende erwartet werden, findet stets in der zweiten Juliwoche im Herzen der Salzburger Altstadt statt.
Quelle: Kathpress