
Ksoe: Forderung nach Grundeinkommen kann sich auf Evangelium berufen
Seit fast 40 Jahren tritt die Katholische Sozialakademie Österreichs (ksoe) für ein Grundeinkommen ein. War dies anfangs ein Orchideen-Thema, so zeige sich inzwischen langsam, "dass die Zeit für ein Grundeinkommen kommt" - auch wenn die Gesellschaft "noch nicht so weit" sei. Dieser Überzeugung hat ksoe-Direktor Markus Schlagnitweit in einer neuen Folge des ksoe-Podcasts "361 Grad Sozialkompass" Ausdruck verliehen. Und er verwies zugleich darauf, dass die Forderung nach einem Grundeinkommen keinen Widerspruch zu einem christlichen Menschenbild darstelle, sondern im Gegenteil "ganz auf dem Boden des Evangeliums steht" und "auch mit der Katholischen Soziallehre vereinbar ist".
Hinter dem Grundeinkommen stehe - ähnlich wie hinter der Katholischen Soziallehre - die Überzeugung, "dass ein Mensch aufgrund einer bedingungslosen Vorleistung motiviert werden soll, gut im Sinne der Nächstenliebe zu handeln". Er sage das bewusst deshalb, weil in der politischen Landschaft gerade die sich christlich nennenden konservativen Kräfte und Parteien beim Thema Grundeinkommen immer noch bremsen würden. An Fragen der Finanzierbarkeit jedenfalls scheitere die Einführung eines Grundeinkommens nicht, zeigte sich der ksoe-Direktor überzeugt. Es sei vielmehr eine Frage des politischen Willens.
Bestärkt wurde Schlagnitweit in dem Podcast-Gespräch, das unter dem Titel "Wofür arbeitet, wer nicht muss?" steht, von Dorothee Herzog von der deutschen gemeinnützigen Organisation "Mein Grundeinkommen". Seit neun Jahren verlost der Verein Grundeinkommen für ein Jahr in der Höhe von 1.000 Euro pro Monat. Ziel ist es, das Verhalten der Menschen zu erforschen und zugleich Vorurteile gegenüber der Grundeinkommensidee abzubauen. 1.400 Menschen kamen bislang in den Genuss der bedingungslosen Zahlung. Und dies mit erstaunlichen Folgen: So habe sich die Befürchtung, Menschen würden sich dann "in die soziale Hängematte legen" nicht bewahrheitet, so Herzog. Im Gegenteil: Die Menschen seien motivierter, fühlten sich freier und würden selbstbewusster im Job agieren. Es zeige sich, "dass Menschen gern tätig sind" und dass das Grundeinkommen ihnen "das positive Gefühl vermittelt, dass ihnen vertraut und etwas zugetraut wird".
"Umfangreiche Steuerreform" notwendig
Zur Finanzierung eines Grundeinkommens betonte Herzog weiter, dass dies mit einer "umfangreichen Steuerreform" einhergehen müsse. Schließlich sei das Grundeinkommen vor allem ein Instrument der steuerlichen Umverteilung: "Das heißt Menschen, die besonders wohlhabend sind oder vermögend sind oder ein sehr hohes Einkommen haben, hätten eine höhere Steuerlast zu tragen. (...) Das heißt, das Grundeinkommen ist eigentlich im Wesentlichen eine Umverteilung und eine gerechtere Verteilung von Einkommen und Vermögen, die dann zu einer gerechteren Gesellschaft führt."
Am 1. Mai startete die ksoe ihren Podcast "361° Sozialkompass". Dessen Ziel ist es, einmal im Monat Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis zu Wort kommen zu lassen, um Orientierungsmöglichkeiten und Lösungswege im Blick auf das Thema "Gute Arbeit" zu präsentieren. Inzwischen ist die dritte Folge unter dem Titel "Grundeinkommen verlosen: Wofür arbeitet, wer nicht muss?" erschienen.
Alle Infos zum ksoe-Podcast und zu den weiteren Folgen unter www.ksoe.at/podcast
Quelle: Kathpress