
Weltjugendtag mit dem Papst in Lissabon beginnt
In Lissabon beginnt am Dienstag der internationale Weltjugendtag (WJT) der katholischen Kirche. Zu dem sechstägigen Glaubensfest werden hunderttausende junge Pilgerinnen und Pilger aus aller Welt in der Hauptstadt Portugals erwartet, darunter nach Schätzungen etwa 3.000 aus Österreich. Von Mittwoch bis Sonntag ist auch Papst Franziskus vor Ort.
Lissabons Erzbischof Manuel Clemente feiert am Dienstagabend in einem großen Park den Eröffnungsgottesdienst des Großereignisses. Bereits am Dienstagvormittag findet in der Deutschen Schule in Lissabon auch das traditionelle Treffen der Österreicherinnen und Österreicher beim Weltjugendtag statt. Sie werden u.a. von Jugendbischof Stephan Turnovszky und den Bischöfen Wilhelm Krautwaschl, Hermann Glettler und Bischof Josef Marketz begleitet.
Rund 600.000 Jugendliche und junge Erwachsene aus 184 Ländern haben sich nach Angaben der Organisatoren als Dauerteilnehmer für den WJT offiziell registriert. Die meisten von ihnen kommen aus Spanien, Italien, Frankreich, Polen, den USA und dem Gastgeberland Portugal. Zu den Hauptereignissen, einem Abendgebet mit Papst Franziskus am Samstag und der Schlussmesse am Sonntag in einem Parkgelände am Ufer des Flusses Tejo, erwarten die Veranstalter eine noch weitaus größere Zahl an Gläubigen.
Die Unterbringung der jungen Menschen aus aller Welt findet in Gastfamilien und Sammelunterkünften in den gastgebenden Diözesen Lissabon, Setubal und Santarem statt. Bei der Organisation des Großtreffens helfen rund 20.000 Freiwillige aus 150 verschiedenen Ländern mit.
Von den jungen Weltjugendtagspilgern befinden sich etliche Tausend schon seit mehreren Tagen in Portugal. Im Vorfeld des eigentlichen WJT nahmen sie in verschiedenen Diözesen und Landesteilen an sogenannten "Tagen der Begegnung" teil. Dabei sollen die jungen Teilnehmenden Kultur und Alltag des Gastlandes kennenlernen und mit anderen in Kontakt kommen. Auch österreichische Pilgerinnen und Pilger beteiligten sich an den Kennenlerntagen. "Man sieht, dass die Kirche universal ist und die Gläubigen von überall her kommen", beschrieb Markus Platter vom Wiener Zentrum Johannes Paul II. die Stimmung in Porto.
"Kein katholisches Woodstock"
In Lissabon warten auf die jungen Christinnen und Christen aus aller Welt in den kommenden Tagen Gottesdienste und Begegnungen mit dem Papst, geistliche Kurzimpulse in Form von Katechesen der Bischöfe, und auch Aktivitäten wie Musikveranstaltungen, Tanz, Theater und Sport-Turniere. Der Weltjugendtag sei aber "kein katholisches Woodstock", sagte der Lissaboner Weihbischof und künftige Kardinal Americo Aguiar (49) im Vorfeld der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Das Wichtigste sei, dass die Jugendlichen als bessere Menschen nach Hause zurückkehrten, so der WJT-Hauptkoordinator. Neben den Glaubenserfahrungen für die jungen Christen nannte Aguiar als vorrangige Themen des Treffens Umweltfragen, die Folgen der Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg und andere Konflikte. "Es wird um Brückenbauen zwischen verschiedenen Religionen und Gesellschaften gehen; aber auch um das von Papst Franziskus geforderte menschlichere Modell von Wirtschaft, das auf soziale Gerechtigkeit und nicht nur aufs Wachsen ausgerichtet ist."
Die Bedeutung des Weltjugendtags als "spirituell nachhaltige" Erfahrung hob der österreichische Jugendbischof Stephan Turnovszky hervor. "Ich habe bei meinen bisherigen Weltjugendtagen erlebt, dass Gruppen gläubiger Menschen einer Stadt guttun, anders als Fußball-Hooligans", sagte der Wiener Weihbischof der Nachrichtenagentur Kathpress. Die Menge an jungen Erwachsenen, gelebtem Glauben und Freude könne eine Gesellschaft verwandeln, zumindest für einige Tage, so Turnovszky. Diese Erfahrung verwandle nicht selten auch die Jugendlichen selbst: So gäbe es unzählige Berufungen zum geistlichen Leben, aber auch Ehepaare hätten ihre Berufung rund um den WJT gefunden oder es seien überhaupt neue Gemeinschaften entstanden.
Papst besucht auch Fatima
Der Weltjugendtag steht unter dem offiziellen Motto "Maria stand auf und machte sich eilig auf den Weg". Maria sei ein Vorbild für dynamische junge Menschen, die nicht regungslos vor dem Spiegel ihr eigenes Bild betrachteten oder in den Sozialen Netzwerken "gefangen" seien, erklärte Papst Franziskus in seiner Botschaft für das Treffen in Lissabon.
Der Papst wird am Mittwoch in Portugals Hauptstadt eintreffen. Nach den üblichen Treffen mit Vertretern von Politik und Kirche des Landes am ersten Reisetag stehen ab Donnerstag Begegnungen mit jungen Menschen im Vordergrund. So feiert der Papst mehrere Freiluftgottesdienste, Franziskus bietet laut dem Programm auch eine Beichtmöglichkeit für einige Jugendliche an und isst mit jungen Menschen zu Mittag.
Den Samstagvormittag verbringt Franziskus im Marienwallfahrtsort Fatima. Die Extra-Etappe in den knapp 130 Kilometer nördlich von Lissabon gelegenen weltbekannten Wallfahrtsort wurde auf Wunsch des Papstes in seinem Reiseprogramm ergänzt. Franziskus will in Fatima mit kranken Menschen den Rosenkranz beten und ein Friedensgebet halten.
Große Freiluftmesse zum Abschluss
Ein großes Abendgebet am Samstag und die Papstmesse am Sonntag bilden wie schon bei früheren Weltjugendtagen auch in Lissabon Abschluss und Höhepunkt des Großereignisses. Beide Feiern finden im direkt am Wasser gelegenen Parque Tejo am Westufer des Flusses Tejo statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernachten dort von Samstag auf Sonntag unter freiem Himmel.
Papst Johannes Paul II. (1978-2005) hatte die Weltjugendtage 1985 ins Leben gerufen. Sie werden seither im Wechsel jährlich in kleinerem Rahmen in den Diözesen vor Ort sowie rund alle drei Jahre als weltweites Großtreffen organisiert. Das bisher letzte Treffen fand 2019 in Panama statt. Der Weltjugendtag in Lissabon wurde wegen der Corona-Pandemie von 2022 auf 2023 verschoben.
(Internet: www.weltjugendtag.at; www.lisboa2023.org)
Quelle: kathpress