
Langenfeld: Im Studienfach Theologie ist "Kipppunkt längst erreicht"
Der Paderborner Theologe Aaron Langenfeld sieht dringenden Handlungsbedarf im Bereich der universitären katholischen Theologie. Er sei überzeugt, dass sowohl im Blick auf die Entwicklung der Studierendenzahlen als auch im Blick auf einen Relevanzverlust im öffentlichen Diskurs "ein bestimmter Kipppunkt längst erreicht ist", sagte Lagenfeld in einer neuen Folge des Theologie-Podcasts "Diesseits von Eden" (https://diesseits.theopodcast.at/reduktion-theologie-kirche-liturgie-gottesdienst-hochschulwochen). Auch wenn der Rückgang an Studierenden keine Theologie-spezifische Entwicklung sei, sondern die "Buch-bezogenen Wissenschaften" insgesamt betreffe, müsse man dringend nach neuen Kooperationsmöglichkeiten und Auswegen aus dem Relevanzverlust suchen.
Als Beispiel verwies Langenfeld etwa auf die Ökumene: Katholisch-Theologische Fakultäten könnten viel stärker als bislang sich auch für andere Konfessionen und Gruppen öffnen, um denen somit einen Raum zur "kulturellen und religiösen Identitätsbildung" zu bieten. "Da ist ein Riesenpotenzial, sich selber auch weiterzuentwickeln und neu zu lernen, was gerade gefragt ist, wer Theologie braucht und wofür sie da sein kann." Außerdem müssten Theologinnen und Theologen aus Langenfelds Sicht noch stärker versuchen, "selber Themen zu setzen" und sich in öffentliche Diskurse einzubringen.
Der Salzburger Theologe Martin Dürnberger plädierte dafür, als Theologin bzw. Theologe "Haltungen einer bleibenden Wachheit und Sensibilität zu entwickeln und wenn sich neue Räume auftun, dort reinzugehen". Es sei gleichermaßen wichtig, "theologisch wach und interdisziplinär anschlussfähig zu bleiben" und Orte und "handlungsentlastete Räume" des Dialogs zu schaffen wie die "Salzburger Hochschulwochen", an denen Menschen auf akademischem Niveau interdisziplinär zusammenkommen und nach Lösungen aktueller Probleme suchen. Dürnberger ist Obmann der Hochschulwochen, die heuer vom 31. Juli bis 6. August zum Thema "Reduktion! Warum wir mehr Weniger brauchen" stattfanden.
Der Erfurter Liturgiewissenschaftler Benedikt Kranemann unterstrich ebenfalls die Notwendigkeit nach einer stärker ökumenisch orientierten Kooperation der Fakultäten. Lösungen könnten dabei allerdings nur konkret vor Ort gesucht werden. Skeptisch zeigte sich der Theologe gegenüber kirchlichen Hochschulen, die als Zukunftsmodell eine "kniende Theologie" propagierten. "Das kann für bestimmte innerkirchliche Kreise interessant sein. Ich bin aber sehr sicher, dass das nicht die Art von Theologie ist, die Kirche und Gesellschaft brauchen", so Kranemann.
Langenfeld entgegnete darauf, dass er sehr wohl unter Studierenden ein wachsendes Orientierungs- und auch religiöses Informationsbedürfnis wahrnehme. Dies dürfe nicht einfach "weggelächelt" werden, sondern sei eine Anfrage an die universitäre Theologie: "Ich nehme das wahr als eine Frage, mit der Menschen heute an Theologie herantreten: Wie kann ich eine religiöse Identität ausbilden in dieser Tradition. Das ist auch eine Aufgabe, die wir haben und die ich auch ernst nehme."
Kranemann verweis weiters auf die Notwendigkeit, seitens der katholischen Bischöfe die "Krise der Liturgie" ernstzunehmen und mutiger nach neuen gottesdienstlichen Formen zu suchen bzw. Laien zu ermutigen, selber "Liturgiekompetenz" auszubilden. Die Erfahrungen in Ostdeutschland zeigten diesbezüglich, dass es durchaus ein hohes Interesse an Ritualen wie etwa an "Lebenswendefeiern" gebe, dass aber kaum gefragt bzw. erforscht werde, warum diese Feiern so beliebt seien, katholische Gottesdienste hingegen weiter an Mitfeiernden verlören.
Die Podcast-Folge kann unter https://diesseits.theopodcast.at/reduktion-theologie-kirche-liturgie-gottesdienst-hochschulwochen nachgehört werden. Der Podcast der theologischen Fakultäten in Österreich und Südtirol, "Diesseits von Eden. Gespräche über Gott und die Welt", ist unter https://diesseits.theopodcast.at abrufbar sowie über alle gängigen Podcast-Kanäle kostenlos abonnierbar.
Quelle: kathpress