
Katholische Akademiker: Christentum kann Europa weiter viel geben
Der Katholische Akademiker/innenverband (KAV) hat bei seiner noch bis Freitag andauernden Internationalen Sommertagung im Kärntner Bildungshaus Sodalitas in Tainach/Tinje an das weiterhin große Potenzial des Christentums für Europa hingewiesen. Nachdem der Kontinent in Bereichen wie Bildung, Architektur und Kultur stark christlich geprägt worden sei, müsse das Christentum heute um die Vermittlung eines positiven Gottesbildes und eines "frohmachenden Glaubens" ringen, erklärte der deutsche Jesuit Christoph Wrembek in seinem Vortrag am Montag.
Als "besonderen Schatz" des Christentums für Europa bezeichnete der über Videokonferenz zugeschaltete Ordensmann die im Glauben an die Auferstehung begründete Zuversicht, sowie auch das "Schenken ohne Bedingung". Während bloße Gerechtigkeit dem Menschen gebe, was er verdiene, "gibt Gott den Menschen, was sie brauchen". Angesichts des absehbaren weiteren Rückgangs der Priester in Europa seien heute und in Zukunft besonders Frauen, Männer und Ehepaare diejenigen, "die das verstehen und vermitteln können".
Die Kirche rief der als Geistlicher Begleiter tätige Jesuit dazu auf, "bewegend statt belehrend" zu sein. Wichtig sei zudem das Bewusstsein, dass es eine "Kirche außerhalb der Kirche" gebe. Jesus selbst habe dies als erster vorgezeigt, indem er immer wieder die Grenzen des Judentums überschritten habe.
"Nicht die Kirche hat eine Mission, sondern Gott hat eine Mission, die die Kirche miteinschließt", mahnte die Linzer Pastoraltheologin Klara A. Csiszar ebenfalls am Montag bei der Sommertagung. Deshalb komme es auf das "miteinander gehen können trotz Unterschieden" an, zu dem das Prinzip der synodalen Kirche einladen wolle, so die Direktorin des Forschungszentrums für Ökumenische Studien und Interreligiösen Dialog an der Babe-Bolyai-Universität im rumänischen Cluj. Die Kirche müsse sich wandeln, "vom frustrierten Dompteur zum kreativen Jongleur".
Bereits am Sonntag hatte die Büroleiterin des Europaparlamentariers Lukas Mandl (EVP), Caroline Parsché, über "Verunsicherungen durch brüchige Sicherheitsarchitektur" gesprochen. Sie warnte dabei vor einer Naivität gegenüber "Spaltungsversuchen in Europa nach außen und nach innen". Angesichts der Machtbestrebungen Russlands auf militärischem und Chinas auf wirtschaftlichem Weg müsse die EU "mehr Stärke nach außen und mehr Freiheit nach innen" zeigen und "mehr Miteinander statt Gegeneinander" praktizieren, plädierte Parsché.
Bei der Internationalen Sommertagung des KAV unter dem Generalthema "Angst - Vertrauen - Zuversicht: Auftrag und Chancen für Europa und seine Bürger/innen" sind Vertreterinnen und Vertreter aus fünf mitteleuropäischen Ländern versammelt. Für Mariä Himmelfahrt (Dienstag) stand ein Exkursionstag nach Maria Luschari bei Tarvis (Italien) auf dem Programm. Am Mittwoch geht es um die Themen Sexualität (Prof. Josef Aigner) und Pflege (Prof. Wilfried Hude), am Donnerstag gibt es ausführliche Diskussionen und am Freitag noch einen Abschlussgottesdienst.
Quelle: kathpress