
St. Pöltner Domkapellmeister: Musik ist "spirituelle Tankstelle"
Für den St. Pöltner Domkapellmeister Valentin Kunert ist Kirchenmusik eine Art "spirituelle Tankstelle". Vor einem Jahr - am 1. September 2022 - hatte Kunert das Amt in St. Pölten übernommen. Die Pläne, die der Musiker für die Kirchenmusik in der niederösterreichischen Landeshauptstadt vor Antritt seiner Tätigkeit machte, hätten sich "in Gänze sehr gut realisieren lassen", resümierte Kunert im Gespräch mit der St. Pöltener Kirchenzeitung "Kirche bunt" (aktuelle Ausgabe). "Wir haben sehr schöne Konzerte und Liturgien gestalten können. Die intensive musikalische Arbeit, die die Dommusik leistet, schafft unmittelbar ein sehr offenes, persönliches Verhältnis zueinander", so der Musiker.
Durch die Zusammenarbeit habe man sich gut kennenlernen können. "So kann ich sagen, dass die Phase der Konsolidierung innerhalb der Ensembles in der kurzen Zeit weit vorangeschritten ist. Wir verzeichnen zudem Zuwachs bei den Sängerinnen und Sängern. Das ist ein wichtiges, positives Signal", freute sich der 36-Jährige. Für den gebürtigen Deutschen diene die Musik keinesfalls einem Selbstzweck, "sie ist immer eine Botschafterin, mit der wir die Menschen erreichen und Gotteslob sein möchten".
Besonders sei in Niederösterreich auch das Festival Musica Sacra, das vor 50 Jahren das erste Festival im Land darstellte und heuer dieses Jubiläum feiert. "Ein Festival, das sich auf sakrale Musik konzentriert, ist eher außergewöhnlich und erlebt allein dadurch eine Aufmerksamkeit", so Kunert. Heute sei die Konzertreihe weit über die Diözesangrenzen hinaus bekannt und anerkannt. Das Festival hat für Kunert auch einen pastoralen Auftrag: "In musikalischen Meisterwerken werden dem Konzertbesucher biblische Themen auf ganz besondere Weise nahegebracht, die auch der persönlichen Spiritualität dienen".
Eröffnet wird das Festival heuer mit Joseph Haydns "Schöpfung". Hinsichtlich der Tonsprache ist das Oratorium für Kunert "ein Wegweiser in eine neue Zeit". Haydn lasse nicht nur die Summe seiner lebenslangen schöpferischen Arbeit in der Fortführung des barocken Kontrapunkts, dem italienischen vokalen Erbe und dem instrumentalen Satz der Wiener Klassik meisterlich verschmelzen, sondern greife bereits vor in die musikalische Welt der Romantik. Es gehe letztlich "um musikalische Nachempfindung eines schöpferischen Wunderwerks, in dem wir leben dürfen", so der Kirchenmusiker.
Kunert, der ab 2024 die künstlerische Leitung des Festivals übernehmen wird, freut sich auf die Umsetzung des Programms, das für kommendes Jahr bereits sehr konkret sei. So stehe mit der dramatischen Erzählung um die Lebensgeschichte von "König David" des französisch-schweizerischen Komponisten Arthur Honegger auf dem Programm; "ein Werk in kurzweiliger Tonsprache, mit orientalischen Klängen, über Bach-Anleihen bis hin zu impressionistischer Lautmalerei". Auch für Familien und Kinder werde es im nächsten Jahr einen Programmpunkt geben, so Kunert.
Quelle: Kathpress