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Josef Kuss / Österreichische Bischofskonferenz

Krautwaschl: Glaubwürdige Institutionen "mehr denn je" gebraucht

Grazer Bischof bei "DenkWerkstatt St. Lambrecht" mit Plädoyer für "zuhörende, verstehende, glaubwürdige und hilfreiche Institutionen" in der aktuellen krisenhaften Zeit - Katholische Kirche muss durch Eingestehen von Fehlern und "notwendige Klarheit" Vertrauen, das man über Jahrzehnte eingebüßt hat, zurückgewinnen

06.10.2023

Bischof Wilhelm Krautwaschl hat eine Lanze für die Stärkung der Glaubwürdigkeit von Institutionen gebrochen. Diese brauche es heute "mehr denn je", zeigte sich der Bischof der Diözese Graz-Seckau am Freitagvormittag bei der "DenkWerkstatt St. Lambrecht" in der Steiermark überzeugt. "Als wertvolle Partnerinnen des Individuums stehen Institutionen für eine zukunftsweisende Kontinuität, die im gesellschaftlichen, staatlichen oder im kirchlich-religiösen Bereich Sicherheit vermittelt", sagte Krautwaschl laut Redemanuskript vor den Tagungs-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern aus Kirche, Politik und Gesellschaft.

 

Die "DenkWerkstatt St. Lambrecht" (4. bis 6. Oktober) findet heuer zum Thema "Anpacken: Voraussetzung für Wohlstand und Soziale Sicherheit" im Benediktinerstift St. Lambrecht statt. Prominente Redner sind u.a. der "Club of Rome"-Ehrenpräsident Ulrich von Weizsäcker, der Historiker und Schriftsteller Philipp Blom, Elisabeth Stadler, Vorstandsvorsitzende der Vienna Insurance Group, und Franz Schellhorn von der wirtschaftsliberalen Denkfabrik "Agenda Austria". Geleitet wird die Tagung vom Wiener Sozialrechtsexperten und Präsidenten des Katholischen Laienrates Österreichs, Wolfgang Mazal.

 

Für Krautwaschl braucht es "zuhörende, verstehende, glaubwürdige und hilfreiche Institutionen". Der Bischof erläuterte seine These "auf Basis der Institution, für die ich hier stehe", der katholischen Kirche. In Österreich gelte es anzuerkennen, "dass wir in einer Wohlstandsgesellschaft leben". Noch nie sei es den Menschen in Österreich "insgesamt betrachtet so gut gegangen", zeigte sich der Oberhirte überzeugt. "Der soziale Frieden, den wir genießen dürfen, basiert auf christlichen Werten."

 

Der Wohlstand sei allerdings nicht in Stein gemeißelt und in Zukunft von zahlreichen Fragezeichen begleitet. Neben der Frage, wie lange sich das Sozialsystem in jener hohen Qualität aufrechterhalten lasse, kämen weitere Unsicherheiten hinzu: "Der nicht mehr wegzuleugnende Klimawandel und seine dramatischen Folgen, die damit verbundene zunehmende Fluchtbewegung, die Pandemie und der Angriffskrieg in der Ukraine haben das Sicherheitsgefühl in Europa kräftig durcheinandergebracht." So sei es ein Wunder, dass Zukunftsforscher vom sogenannten "Megatrend Sicherheit" sprechen.

 

Gründe für Vertrauensverlust

 

Die Frage sei, inwieweit Institutionen jenen Halt bieten können, nach dem sich die Gesellschaft sehne. Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass auch in Österreich das Vertrauen in bewährte Institutionen empfindlich gelitten habe. Während die Polizei oder das Bundesheer an Vertrauen gewonnen haben, reihten sich die Politik, Medien und auch die katholische Kirche in einer Liste des Meinungsforschungsinstituts OGM vom Juli 2022 ganz hinten ein.

 

Die Ursachen für den wachsenden Vertrauensverlust seien vielfältig, ist Krautwaschl überzeugt. So werde Freiheit heute immer mehr durch die eigene Weltdeutung definiert und Institutionen würden oftmals als Relikte einer Vergangenheit gedeutet, die der persönlichen Selbstentfaltung im Wege stehen: "Wer der eigenen Weltsicht widerspricht, dem wird gekündigt - sei es die Freundschaft, die Mitgliedschaft, der Messengerdienst oder das Abo."

 

Um dem etwas entgegenzusetzen, müssten Institutionen in erster Linie authentisch sein, so Krautwaschl mit Verweis auf die katholische Kirche und explizit die Person Papst Franziskus. Dieser rede als Repräsentant einer Institution, die vor allem in Europa und Nordamerika zunehmender Kritik ausgesetzt ist, nichts schön. Er spreche viel mehr Fehler und Herausforderungen in einer notwendigen Klarheit an und gebe damit der Institution Kirche ein Stück jener Glaubwürdigkeit zurück, die sie in den vergangenen Jahrzehnten eingebüßt hat.

 

Missbrauch erschütterte Glaubwürdigkeit

 

Als zentral benannte Krautwaschl die Missbrauchsskandale, die die Kirche erschüttern und die zu einem immensen Verlust von Authentizität geführt hätten. "Denn die wahre Botschaft der Kirche und das Bild, das nach außen wirkte, passten nicht mehr zusammen." Die Kirche habe daraus aber gelernt: "Ein kompromissloses Benennen der Wahrheit, auch wenn sie noch so schmerzhaft ist, führt zu jener Echtheit, die es braucht, um glaubwürdig zu sein."

 

Papst Franziskus selbst zeige vor, wie wichtig es sei, persönliche Fehler, Schuld und Versagen einzugestehen - etwas, das auch Papst Franziskus immer wieder mache. In ihrer 2000-jährigen Geschichte habe die Kirche immer wieder neue Wege gesucht, um in ihrer Verkündigung authentisch zu bleiben, "bei allen ihren Stärken und Schwächen". All das gelang über die Jahrtausende und werde auch künftig nur gelingen, "wenn die Kirche nicht an den Menschen, zu denen sie gesendet ist, vorbeizieht, sondern mit ihnen geht und nicht selbstreferenziell agiert, sondern ihre missionarische Sendung lebt."

 

Gegen die "Selbstbejammerung"

 

Dabei sei es wichtig, sich den eigenen Verlusterfahrungen als Institution zu stellen. Ein Rückzug in eine "Selbstbejammerung", eine Selbstbeweihräucherung und in den Versuch, sich dadurch zu retten, könne aber nicht zu jener Glaubwürdigkeit führen, die es heute brauche. "Wer sich nur noch mit sich selbst beschäftigt, hat keine Zukunft", so der Bischof. Glaubwürdige Echtheit werde hingegen nur dann erkannt, wenn sich die Institution nicht von der Gesellschaft und ihren Herausforderungen absondere, sondern mit ihr und vor allem für sie unterwegs ist.

 

Die Authentizität der heutigen Kirche liege darin, dies ernst zu nehmen, so Krautwaschl. Papst Franziskus und sein synodaler Stil führten das Zweite Vatikanum weiter und bereite den Boden für die Kirche des 21. Jahrhunderts auf. "Die Kirche ist entweder synodal oder sie ist nicht Kirche", sagte Franziskus vor Jesuiten bei seiner Kanada-Reise. Er fordere damit das bewusste Leben eines der Kirche ureigenen Prinzips ein, das sie schon seit den ersten Jahrhunderten kenne, aber über die Jahre vergessen habe.

 

"Man könnte sagen, es geht um ein Zurück zu den Wurzeln und um die Rückbesinnung auf die wirkliche Botschaft und den damit verbundenen Auftrag", so Krautwaschl. Am Mittwoch habe in Rom durch die Synode ein erster Höhepunkt des breit angelegten synodalen Prozesses begonnen. "Ich denke, für die Kirche ist das der Weg, der ihre Glaubwürdigkeit stärkt und in die Zukunft führt", so der Grazer Bischof abschließend.

 

 

Quelle: kathpress

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