
Wie Ordensfrauen aus Österreich den Krieg im Heiligen Land erleben
"Wir sind geschockt wie alle und leben in Unsicherheit": Das sagte die am Stadtrand von Jerusalem lebende Sionsschwester Juliana Baldinger über die jüngste Gewalteskalation im Heiligen Land. In der aktuellen Ausgabe der Linzer "KirchenZeitung" (19. Oktober) kommen zwei weitere österreichische Ordensfrauen zu Wort, die mit Israel und Palästina eng verbunden sind: Die Salvatorianerin Hildegard Enzenhofer leitet im Westjordanland ein Alten- und Pflegeheim für 40 palästinensische Frauen, Kreuzschwester Bernadette Schwarz erfuhr als seit 2019 wieder in Linz lebende ehemalige Vizerektorin des Österreichischen Hospiz in Jerusalem durch ein SMS des israelischen Warndienstes als eine der ersten von Massaker der Hamas. Alle eint die Angst, dass sich der Konflikt ausweitet.
Sr. Enzenhofer lebt seit 2002 im Dorf Beit Emmaus im palästinensischen Westjordanland, 15 Kilometer Luftlinie von Jerusalem entfernt. Dort besorgt sie normalerweise nur dort erhältliche Pflegeprodukte für ihre Schützlinge im Alten- und Pflegeheim - was aktuell unmöglich sei, wie sie berichtete. "Die Checkpoints sind geschlossen. Die Lebensmittel vor Ort werden teurer und weniger." Der gebürtigen Mühlviertlerin Enzenhofer, die vor Ort 2007 auch eine Fakultät für Pflege gründete, macht die schwierig gewordene Versorgungslage zu schaffen.
Raketen über dem Altersheim
Die Salvatorianerin, seit mehr als 20 Jahren im Heiligen Land und an Konflikt gewöhnt, sagte zur aktuellen Lage: "Ich bin ein alter Hase und ich fürchte mich nicht." Aber die Raketen aus Gaza, die man über sich fliegen sieht oder hört - "dann hält man die Luft an und hofft". Die Geschosse seien zwar auf jüdische Siedlungen gerichtet, aber die palästinensischen seien geografisch nahe. Es komme immer wieder zu erschreckend nahen Einschlägen. "Gott sei Dank wurde Beit Emmaus bislang nicht getroffen, aber sicher ist man in dieser Gegend nirgendwo."
Sr. Juliana Baldinger, seit 2014 Leiterin eines Noviziat ihrer Ordensgemeinschaft in En Kerem am Stadtrand von Jerusalem, führt Tagebuch, um die aktuelle Lage zu verarbeiten. Auch sie hat - wie sie berichtete - schon mehrmals Eskalationen der Gewalt erlebt. Aber nicht in der jetzigen Dimension: "Wie ich sehe und fühle: Krieg - das ist ein Unterschied." Baldinger treibe die Frage um, wie die "Schwestern unserer Lieben Frau von Sion" ihren dreifachen Ordensauftrag leben können, der vom Engagement für die Kirche, für das jüdische Volk und für eine Welt der Gerechtigkeit bestimmt ist.
Die Kreuzschwester Bernadette Schwarz erlebte ab dem Jahr 2000 die Intifada aus unmittelbarer Nähe mit, mit unzähligen Anschlägen und Todesopfern. "Aber so brutal und schlimm wie jetzt war es noch nie", so die langjährige Stellvertreterin von Rektor Markus Bugnyar im Jerusalemer Pilger-Hospiz. Warum, wisse sie nicht, aber ihr Handy blieb auch nach ihrer Rückkehr nach Österreich weiterhin mit einem israelischen Warndienst verbunden. Nach dem Eindringen der Hamas nach Israel sei sie sofort an den Computer gegangen und verfolge seither alle Nachrichten aus Israel, wie Schwarz erzählte. Mit dem Herzen sei sie stets in Jerusalem und bei den Menschen, die sie kennt.
Rektor Bugnyar berichtete der "KirchenZeitung" von der aktuellen Lage im Hospiz: Dieses sei bis auf zwei Gäste leer, sechs von acht Zivildienern hätten in der Vorwoche Israel verlassen, zwei seien freiwillig geblieben. Täglich komme es zu Stornierungen von Reisegruppen. Die Hälfte der Buchungen bis Weihnachten sei bereits storniert, der Rest wird - so die realistische Befürchtung Bugnyars - noch folgen.
Frieden "utopischer als je zuvor"
Die Linzer Kirchenzeitung zitierte außerdem Stephan Wahl, einen in Jerusalem lebenden Priester aus Trier. Wie Tausende Israelis habe er, der dies davor noch nie tat, nach den Massakern am jüdischen Fest der Torahfreude (7. Oktober) Blut gespendet. Das dafür notwendige mehrstündige Schlangestehen der Israelis habe ihn bewegt, "der gemeinsame, stille, unausgesprochene Wille, irgendetwas zu tun, und wenn nur es nur das ist, ein bisschen vom eigenen Blut abzugeben".
Die Aussicht auf Frieden, auf Versöhnung sei derzeit "utopischer als je zuvor", Wahl rechnet mit noch vertiefter Spaltung, mit gesteigertem Hass und hielt dazu fest: "Ich weine mit den israelischen Opfern des pogromartigen Grauens vom 7. Oktober und auch mit den zivilen Opfern in Gaza, die jetzt den Preis für den Wahnsinn der Hamas-Terroristen zahlen müssen."
Quelle: kathpress