
Stephansdom: Gebet um Frieden bei Messe am Gedenktag für Kaiser Karl
Die Friedensbemühungen, der Glaube, die Demut und das schon in frühen Jahren praktizierte soziale Engagement des letzten österreichischen Kaisers Karl I. (1887-1922), der von Papst Johannes Paul II. 2004 seliggesprochen wurde, standen im Mittelpunkt eines Gottesdienstes im Wiener Stephansdom am Kaiser-Karl-Gedenktag (21. Oktober). Zelebrant war der Wiener Neustädter Dompropst Franz Xaver Brandmayr, der auch Geistlicher Assistent der Kaiser-Karl-Gebetsliga ist. Mehrere hundert Gläubige aus verschiedenen Ländern nahmen teil.
Im Blick auf die dramatische Weltsituation mit den Kriegen im Nahen Osten und in der Ukraine und der "Angst vor Ausbreitung zu einem Weltenbrand" sollte bei der Messe am Fest des Seligen das Gebet um Frieden im Mittelpunkt stehen, appellierte Brandmayr. Er zitierte das Gedicht von Reinhold Schneider aus der Zeit vor Kriegsbeginn 1939: "Allein den Betern kann es noch gelingen / das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhalten / und diese Welt den richtenden Gewalten / durch ein geheiligt Leben abzuringen."
Brandmayr wies darauf hin, dass Karl 1914 - er war noch nicht Monarch - zu der Minderheit gehört hatte, die keinerlei Kriegsbegeisterung hegte. Es sei ihm wichtig gewesen, bei den Soldaten an der Front zu sein und deren Ängste und Leid zu teilen, weshalb er relativ rasch begonnen habe, "sich mit unerbittlicher Hingabe für den Frieden einzusetzen". Noch fast bis zum Sommer 1918 hätte es nach Meinung Brandmayrs durchaus Chancen gegeben, dass Karls Friedensplan hätte verwirklicht werden können. Karl sei dabei vom Friedenspapst Benedikt XV. (1914-1922) unterstützt und ermutigt worden - was im Übrigen auch auf den Restaurationsversuch in Ungarn 1921 zutreffe.
Brandmayr erinnerte zudem an die tiefe Religiosität Karls und daran, dass dessen Familie vor dem Weg ins Exil in Eckartsau das Te Deum gebetet habe. Noch kurz vor seinem Tod habe Karl in sein Tagebuch geschrieben: "Nicht murren! Nicht murren gegen den Willen Gottes!" Sein früher Tod könne daher auch so gedeutet werden, dass er sein Leben für einen gerechten Frieden hingegeben habe, so Brandmayr.
Grab in Wallfahrtskirche auf Madeira
Karl, geboren 1887 in Persenbeug (NÖ), bestieg den Thron nach dem Tod seines Großonkels Franz Joseph I. 1916, mitten im Ersten Weltkrieg. Vor dem Hintergrund des Zerfalls der Österreichisch-Ungarischen Monarchie durch Gründung neuer Staaten auf ihrem Gebiet sowie wegen des massiven Drucks der durch Hunger und Kriegserschöpfung gezeichneten Bevölkerung und des damals gebildeten Staatsrats verzichtete Karl am 11. November 1918 auf die Regierung und ging 1919 ins Schweizer Exil. Nach zwei gescheiterten Restaurationsversuchen 1921 in Ungarn wurden Karl und seine Frau Zita verhaftet und nach Madeira verbannt, wo sie im November 1921 eintrafen. Im März 1922 erkrankte der Monarch schwer. Karl starb im Beisein seines ältesten Sohnes Otto von Habsburg-Lothringen. Das Grab des letzten Kaisers befindet sich in der Wallfahrtskirche Nossa Senhora do Monte in Funchal auf Madeira.
Ein Seligsprechungsverfahren für Karl I., dessen Bemühen um Frieden vielerseits anerkannt wurde, wurde schon 1923 eingeleitet. Mit Hilfe des damaligen Wiener Erzbischofs Kardinal Friedrich Gustav Piffl (1864-1932) wurde das vorgeschriebene regionale Erstprüfungsverfahren zügig durchgeführt. Um die Seligsprechung voranzutreiben, gründete sich die "Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden". 2003 wurde von der Heiligsprechungskongregation das erforderliche Wunder bestätigt. Am 3. Oktober 2004 erfolgte die Seligsprechung auf dem Petersplatz.
Quelle: kathpress