
Katholische Arbeitnehmer: Gefährdung der Demokratie entgegenwirken
Die Katholische Arbeitnehmer:innen-Bewegung Österreich (KABÖ) zeigt sich in Sorge über aktuelle Gefährdungen der Demokratie. Diesen gelte es "entgegenzuwirken und demokratisches Bewusstsein zu stärken", worin die katholischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den kommenden Jahren ihren Schwerpunkt legen wollen, teilte die KABÖ am Dienstag mit. Am Wochenende hatte ihre Bundeskonferenz im steirischen Leibnitz stattgefunden.
Das Treffen stand unter dem Thema "Gefährdungen und Stärkungen der Demokratie - einst und jetzt". Ausgangspunkt war dabei das Gedenken an die Bürgerkriegsereignisse von 1934. "Das 90-Jahr-Gedenken an diese Ereignisse im nächsten Jahr ist ein Anlass, über die Gefährdungen der Demokratie heute nachzudenken. Politisch und religiös rechte Gruppierungen, die wir als demokratiegefährdend einschätzen, haben nicht nur in Österreich mehr und mehr Zulauf", erklärte KABÖ-Bundesvorsitzende Anna Wall-Strasser.
"Wir sehen das als Zeichen einer massiven Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten angesichts multipler Krisen", so Wall-Strasser. "Soziale Ungleichheit war und ist immer ein Nährboden für die Erfolge populistischer Botschaften mit ihrem Versprechen, einfachen Lösungen und ihren Abschottungsphantasien." Auch in der Kirche gewännen "rückwärtsgewandte und oft frauenfeindliche Gruppierungen" zunehmend an Einfluss.
Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken und die Demokratie zu stärken, setze die KABÖ österreichweit und in den Diözesen eine Reihe von Initiativen und Veranstaltungen. Weiters wolle man im Bereich der Bewusstseinsbildung und der Schaffung von Lernorten der Solidarität arbeiten. Es gehe darum, "Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, die unterschiedlichen Erfahrungswelten ernst zu nehmen und - so wie Papst Franziskus betont - im Zuhören Geschwisterlichkeit zu fördern und zu fordern", so Wall-Strasser.
Historischer Abriss
Die Grazer Kirchenhistorikerin Michaela Sohn-Kronthaler zeichnete in ihrem Vortrag dazu den Weg der katholischen Kirche in Österreich ab der Republikgründung nach. Das Bekenntnis des damaligen Erzbischofs von Wien, Kardinal Friedrich G. Piffl, zur Republik Deutsch-Österreich im Jahr 1918 bedurfte vor allem innerhalb des monarchie-orientierten Klerus intensiver Überzeugungsarbeit und war "ein tatsächliches Hinwenden der katholischen Kirche zur demokratischen Staatsform", so die Historikerin.
Weiters beleuchtete Sohn-Kronthaler die Priesterpolitiker von Ignaz Seipl bis Theodor Innitzer. Ihre politische Ausrichtung, die untrennbare Verbundenheit von Kirche und christlich-sozialer Partei, den latenten oder auch klar ausgesprochenen Antisemitismus und die beiderseits heftig geschürte Feindschaft zwischen Kirche und Sozialdemokratie, habe letztlich in den Ereignissen des Februar 1934 in einem tödlichen Bürgerkrieg gegipfelt, so die Grazer Wissenschaftlerin.
Bedauern über Ressourcenkürzungen
Ebenfalls angesprochen bei der Bundeskonferenz, wurden aktuelle Herausforderungen für die KAB-Diözesanorganisationen. Berichte aus den Diözesen hätten gezeigt, "dass trotz geringer Sach- und Personalressourcen viel bewegt wird", so Wall-Strasser. So habe man etwa rund um den Tag der menschenwürdigen Arbeit in ganz Österreich Aktionen durchgeführt. Trotzdem bedauere man "die anstehenden Kürzungen, die von der KAB St. Pölten unterstützende Arbeitskraft abziehen werden", so die KABÖ.
Insbesondere in Fragen der sozialen Teilhabe arbeite die KAB interdisziplinär mit Instituten und Universitäten zusammen und sei "durchaus gesuchte Gesprächspartnerin", hielt Wall-Strasser fest, etwa im Bemühen um die Einrichtung eines Reallabors in Niederösterreich. Langzeitarbeitslose Menschen, die von vielen Institutionen bereits "ausgemustert" wurden, stünden hier besonders im Blickpunkt, unterstrich die KABÖ ihr vielfältiges Engagement. (Infos: https://www.kaboe.at/)
Quelle: kathpress