
Österreichs Kirche trauert um Rechtsexperten Walter Hagel
Mit Betroffenheit und Trauer hat Österreichs Kirche auf den Tod des Kirchenjuristen Walter Hagel reagiert, der am Montag im Alter von 82 Jahren verstorben ist. Der St. Pöltner war jahrzehntelang Rechtsreferent der Bischofskonferenz, Rechtskonsulent der Diözese St. Pölten und auch nach seiner Pensionierung 2011 ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums der "Stiftung Opferschutz", des Hochschulrats der KPH Wien-Krems sowie im St. Pöltner Pressverein. Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka würdigte am Dienstag gegenüber Kathpress den Verstorbenen, der die Juristerei als Berufung gelebt habe. "Die Kirche hat von ihm ungemein profitiert", so der Generalsekretär.
Hagel sei ein "echter Allrounder" gewesen, dessen Kompetenz sich über alle Bereiche des Kirchenrechts - "vom kanonischen über das Staatskirchenrecht, über das Vertrags- und Strafrecht, hin zum Verfassungs- und Verwaltungsrecht, Völkerrecht oder dem Arbeitsrecht" - erstreckt habe, hob Schipka hervor. Schnelle, unüberlegte Einschätzungen seien ihm fremd gewesen. "Wer ihn um juristischen Rat bat, erhielt außer der korrekten Antwort immer auch eine umfassende Begründung, die verschiedene Rechtsmeinungen, geschichtliche Entwicklungen und auch persönliche Notizen nicht aussparte", so Schipka, der auch selbst Jurist ist.
Besonders hob der Generalsekretär Hagels Bestreben um ökumenische Zusammenarbeit in allen kirchen- und staatskirchenrechtlichen Fragen - u.a. im Rahmen der Arbeiten zum österreichischen Verfassungskonvent - hervor, aber auch dessen Expertise beim Datenschutzrecht oder in schulrechtlichen Fragen. Zahlreiche Gesetzesstellungnahmen trügen seine Handschrift.
Auch in St. Pölten herrscht Trauer über die Nachricht von Hagels Tod. Bischof Alois Schwarz würdigte den Verstorbenen als profunden "Kenner des Konkordates und aller die Kirche betreffenden Rechtsangelegenheiten", der ein "immer verlässlicher Auskunftsgeber" gewesen sei. In der Diözese St. Pölten sei der Musikliebhaber ein "verlässlicher Gesprächspartner im Pressverein" gewesen.
Die NÖN-Herausgeber Sonja Planitzer und Georg Schröder hoben die "hohe Kompetenz und das christliche Engagement" hervor, mit welchem Hagel das NÖ Pressehaus unterstützt habe. Hagel sei ein "großer Jurist, der tief im Glauben verankert war" gewesen, zudem ein liebenswerter Mensch.
Ab 1964 Jurist im kirchlichen Dienst
Walter Hagel wurde am 28. August 1941 in St. Pölten geboren. Nach der Grundschule und dem Gymnasium in seiner Heimatstadt studierte er in Wien Rechts- und Staatswissenschaften, wo er 1963 promovierte. In dieser Zeit und danach engagierte er sich innerhalb der Katholischen Aktion in unterschiedlichen Funktionen. Nach dem Gerichtsjahr beim Oberlandesgericht Wien trat Hagel 1964 als Rechtskonsulent der Diözese St. Pölten in den kirchlichen Dienst, wo er bis zum 31. Dezember 2006 wirkte. Im Jahr 1966 wurde der ausgewiesene Rechtsexperte erstmals für die Bischofskonferenz tätig, von 1988 bis 2011 schließlich als deren Rechtsreferent.
Für seine Verdienste erhielt Hagel 2017 von Kardinal Christoph Schönborn den Silvester-Orden ("Komturkreuz mit dem Stern"). Im Jahr 2021 folgte die Überreichung des "Großen Ehrenzeichens der Heiligen Rupert und Virgil in Gold" von der Erzdiözese Salzburg. Erzbischof Franz Lackner dankte Hagel bei diesem Anlass für sein "vielfältiges Wirken für die katholische Kirche in Österreich" und konkret für die Erzdiözese Salzburg.
Quelle: kathpress