
Landau: Christlich-soziale Aspekte "in nahezu jeder Partei"c
Caritas-Europa-Präsident Michael Landau glaubt, "dass es in nahezu jeder Partei Anknüpfungspunkte daran gibt, was uns als Caritas wichtig ist". Jede Partei habe es selbst in der Hand, ihre Nähe oder ihren Abstand zu definieren. Mit diesem Hinweis antwortete Landau im "Standard"-Interview am Samstag auf die Frage, ob die ÖVP (die sich dazu im Parteiprogramm bekennt, Anm.) christlich-sozial sei. Zum derzeit vor Gericht stehenden türkisen Ex-Kanzler Sebastian Kurz sagte der Caritas-Präsident, dieser habe ihn einmal zu einem Wiener Caritas-Projekt für weibliche DJs mit Migrationshintergrund begleitet und sich gut mit einer vollverschleierten Frau unterhalten: "Er war damals vor zehn Jahren ein guter Integrationsstaatssekretär und ist heute offenbar ein erfolgreicher Geschäftsmann."
Das Bemühen, sich als katholische Hilfsorganisation gemäß dem Evangelium für konkrete Menschen einzusetzen und ungerechte Strukturen zu verändern, bleibe für die Caritas unter jeder Regierung gleich. Und das Evangelium sei "kein Parteiprogramm, wir sind weder rot, grün, blau, pink, schwarz noch sonst was", betonte Landau. Ob sich eine Partei dem Grundsatz der Caritas - "Not sehen und handeln" - näher oder ferner fühle, sei deren Entscheidung. "Ich bin aber sehr für das Gespräch und unsere Haltung ist klar: So viel Zusammenarbeit wie möglich, so viel Kritik wie nötig - und das gilt für alle", wie Landau sagte.
Der Caritas-Vertreter zeigte sich überzeugt, dass "Zusammenhalt Voraussetzung und Ergebnis guter Politik" sei. Er plädierte für den Wert des Kompromisses und eines respektvollen Umgangs. In naher Zukunft werde in etlichen Ländern gewählt, Landau sprach von seiner "Sorge, dass der Wahlkampf genutzt werden wird, zu polarisieren und Ängste zu schüren". Dabei hemme solidarisches Handeln nichts so sehr wie Angst. Landau wörtlich: "Wer so tut, als ginge das Land den Bach hinunter, befördert das Geschäft von Populisten."
Quelle: kathpress