
Bischöfe: Mit Gottvertrauen und Friedenssehnsucht ins neue Jahr
Österreichs Bischöfe habe dazu eingeladen, das neue Jahr mit Gottvertrauen, Sehnsucht und Einsatz für Frieden zu beginnen. Das war der Grundtenor der Predigten bei den Gottesdiensten am Neujahrstag. Er wird in der katholischen Kirche als Hochfest der Gottesmutter Maria gefeiert. Seit 1968 wird der 1. Jänner zudem in der Kirche als Weltfriedenstag begangen.
Bei der Festmesse im Salzburger Dom, die live auf ORF III und in den ORF-Regionalradios übertragen wurde, verwies Weihbischof Hansjörg Hofer im Blick auf das Hochfest auf Maria: "Ihr Lebensprogramm könnte man mit dem kurzen Wort 'Ja' zusammenfassen." Maria habe in der Stunde ihrer Berufung Ja gesagt und sei ein Leben lang zu diesem Ja gestanden. "In diesem bewussten Ja zur Zukunft ist sie uns Vorbild", so der Salzburger Weihbischof. Im Blick auf Maria werde deutlich, "was Gott tun kann, wenn Menschen ihre Hände in die Hand Gottes legen".
Wie aktuell der von Papst Paul VI. eingeführte Weltfriedenstag sei, mache die Lage im Heiligen Land deutlich, so der Weihbischof: "Es schmerzt uns zutiefst, dass in jenem Land, in dem Jesus vor 2.000 Jahren geboren wurde, und die Engel Frieden auf Erden verkündet haben, heute die Panzer, Raketen und der Hass wüten. Die Hilferufe der betroffenen Menschen dort - und auch anderswo - schreien zum Himmel." Angesichts dessen sei Ohnmacht spürbar. Hofer: "Was sollen wir also tun? Die wenigsten von uns können den Frieden verhandeln, wohl aber können wir alle um den Frieden beten!"
"Gott zeichnet seinen Segen auf die Stirn eines jeden"
"Es ist dem christlichen Glauben eigen, dass der Mensch sich von Gott unbedingt erwünscht weiß." Diese Grundüberzeugung hat Bischof Manfred Scheuer in das Zentrum seiner Predigt am Neujahrstag im Linzer Dom gestellt. "Was bin ich in meinem innersten Inneren?" - Diese Frage beantwortete der Linzer Bischof mit der schlichten Feststellung: "Kind Gottes". "Denn Gott schreibt das Hoheitszeichen seiner Liebe und Würde, zeichnet seinen Segen auf die Stirn eines jeden Menschen, auf unsere Stirn, auf die Stirn von Freunden und Feinden."
"Im Glauben lässt sich der Mensch von Gott sagen, was er sich selbst nicht autosuggestiv sagen kann und nicht durch die eigene Sehnsucht, nicht durch Machen, Leisten, Grübeln oder Denken erreichen kann, nämlich von Gott gutgeheißen zu werden", führte der Bischof weiter aus und sagte: "Sich selbst von Gott lieben zu lassen, befreit aus dem Teufelskreis der Selbstüberhebung und der Selbstverachtung, befreit vom Gotteskomplex und vom Mittelpunktwahn."
Auf das konkrete Leben angewendet, gelte es, positiv zu wirken: "Ein nörgelndes und mit allem unzufriedenes Zeitalter bringt kranke Menschen hervor. Ohne Lob wird der Mensch krank. Man kann auf Dauer nicht recht und gesund Mensch sein, wenn man nicht selber loben kann und nicht gelobt wird. Geben und Empfangen gehören da zusammen", hielt der Linzer Bischof fest.
Neuanfänge als Gemeinschaftsprojekt
Für Gottvertrauen bei Neuanfängen warb auch Bischof Benno Elbs angesichts der unklaren Zukunft: "Wir wissen nicht, was kommt: Glück oder Unglück, Freude oder Trauer, Segen oder Fluch. Wir wissen nicht, wie lange die Kriege noch dauern oder ob es gelingt, das Klima und damit die Zukunft der nächsten Generation zu schützen. Die Probleme des alten Jahres werden uns auch ins neue hineinbegleiten. Es macht aber einen Unterschied, besser: Wir machen einen Unterschied, wenn wir diese ersten Schritte im Vertrauen auf Gott gehen", so der Bischof in einer Aussendung am Montag.
"Die vielen Kriege und Konflikte haben uns spüren lassen, dass wir Weihnachten in einer unerlösten Welt feiern", führte der Feldkircher Bischof weiter aus. "Aber weil wir darauf vertrauen, dass der Glaube eine Kraft hat zur Veränderung, dass er gestalten und vorwärtsbringen kann - selbst dann, wenn wir das Gefühl nicht loswerden, dass gar nichts mehr geht, können und dürfen wir immer wieder neu anfangen", so Elbs in seinen Worten zum neuen Jahr 2024.
Damit Neuanfänge und die Zukunft sich positiv gestalten, brauche es auch das Bewusstsein um die gegenseitige Verbundenheit unter den Menschen: "Wir brauchen die Unterstützung anderer, weil wir unser Leben nicht selbst in der Hand haben, weil wir nicht für uns alleine leben, sondern gemeinsam mit unseren Nachbarn, Arbeitskolleginnen, Freunden, Familienmitgliedern." Neuanfänge seien daher auch immer ein Gemeinschaftsprojekt, wie der Feldkircher Bischof betonte.
"Der raue Ton in Gesprächen, in den Medien und in den sozialen Netzwerken und eine, so nehme ich das wahr, zunehmende Ellbogenmentalität belasten das Zusammenleben. Wo auf Spaltung und Abwertung anderer Menschen gesetzt wird, braucht es Gegenbewegungen. Gehen wir deshalb aufeinander zu, aber nicht aufeinander los." Elbs abschließend: "So steht am Anfang des neuen Jahres die Selbstverantwortung, die auf dem Eingebunden-Sein in ein größeres Ganzes fußt."
Plädoyer für Kultur des Kompromisses
"Ein Land braucht Kompromisse. Wo kompromisslos regiert wird, da werden Freiheiten unterdrückt, Menschen an den Rand gedrängt oder instrumentalisiert. Die Kompromisslosigkeit führt zu Gewalt - bis hin zu Kriegen." Mit diesen Worten hat der Generalsekretär der Bischofskonferenz, Peter Schipka, angesichts der zahlreichen Wahlen im neuen Jahr für eine Kultur des Kompromisses plädiert. Für die Zukunft eines Landes sei nicht das Entweder-Oder hilfreich, sondern das Sowohl-als-Auch. Es sei nur dann in einem Land gut zu leben, wenn die politischen Entscheidungen als Teamsport verstanden werden, wo jeder seinen Beitrag leiste, so Schipka beim Neujahrsgottesdienst im Wiener Stephansdom, der live über "radio klassik stephansdom" übertragen wurde.
"Wir können in Österreich stolz auf unsere Fähigkeit zu Kompromissen sein. Sie hat uns als Land stark gemacht", hielt der Bischofskonferenz-Generalsekretär fest. Auch wenn in einer Demokratie die Mehrheit entscheide, so sei sie immer gut beraten, mit der Minderheit Kompromisse zu suchen. Von daher sei es gut zu wissen, "dass die große Mehrzahl aller Gesetze in Österreich auch einstimmig beschlossen werden. Das zeigt, dass der Wille zum Kompromiss vorhanden ist."
Quelle: kathpress