
Sozialethiker: Engelhorn-Verteilungsaktion richtiger Schritt
Für den Sozialethiker und Direktor der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe), Markus Schlagnitweit, ist die aktuell viel diskutierte Rückverteilungs-Aktion von 25 Millionen Euro der Millionenerbin Marlene Engelhorn "ein Schritt in die richtige Richtung", nachhaltig sei sie aber nicht. "Mit diesem Akt, den sie jetzt setzt, verändert sie strukturell noch nichts", gab der katholische Theologe gegenüber der ORF-Radiosendung "Religion aktuell" am Mittwoch zu bedenken.
Trotzdem setze sie einen "öffentlich wirksamen Akt, der ihrer Glaubwürdigkeit und ihrem Engagement für strukturelle Veränderungen guttut", so Schlagnitweit. Vielleicht sei sie mit ihrer Aktion auch Beispielgebend für andere Vermögende, so der Sozialethiker. Engelhorn wird den Millionenbetrag nach eigenen Angaben über einen Bürgerrat aus 50 zufällig ausgewählten Menschen, die entscheiden, was mit dem Geld geschehen soll, "rückverteilen".
Der Armutsexperte der evangelischen Diakonie, Martin Schenk, sieht in dem Projekt eher eine symbolische und politische Funktion. Spannend sei, dass Engelhorn nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Macht, was damit geschehen solle, abgibt, so Schenk. So würde der Aspekt der Demokratie noch stärker angeschnitten als nur der des Reichtums. Das habe durchaus seine Berechtigung, "weil Armut ist ja auch nicht nur Einkommensmangel, sondern ein Mangel an Möglichkeiten", so Schenk. Somit würden mit dem Projekt Stimmen hörbar gemacht, die sonst nicht gehört werden.
Quelle: kathpress