
Faber: Werde bei Segen Homosexueller "nicht auf die Uhr schauen"
Weiterhin für Debatten in Österreich sorgt das Vatikan-Schreiben "Fiducia supplicans", wonach katholische Geistliche unverheiratete und homosexuelle Paare segnen dürfen. In der Weltkirche sorgte die Erklärung vom Dezember für derartige Kontroversen, dass sich der Präfekt der Glaubensbehörde, Kardinal Victor Fernandez, veranlasst sah, Anfang Jänner eine "Erklärung zur Erklärung" nachzuliefern. Diese beinhaltet etwa die Einschränkung, dass die Segnung von "irregulären Paaren", wie es in dem Dokument heißt, nicht länger als 15 Sekunden dauern soll. Das habe etwa Dompfarrer Toni Faber "zum Schmunzeln" gebracht, wie er in der ORF-Religionssendung "Orientierung" am Sonntag bekannte: "Da werde ich sicherlich nicht auf die Uhr schauen und niemand anderer wird dabei stoppen", stellte er klar.
Die Einschränkungen, die Glaubenspräfekt Fernandez nachgereicht hatte, seien kein Lehrschreiben, erklärte Faber, der deswegen einen gewissen "Handlungsspielraum" sehe. Es müsse vielmehr individuell darum gehen, "Menschen in ihrem Vertrauen nicht zu enttäuschen, dass Gott ihnen hilft, dass Gott sie begleitet".
Für den Dompfarrer, der bereits seit zwanzig Jahren homosexuelle Paare und wiederverheiratete Geschiedene segnet, ist "Fiducia supplicans"- im deutschen "Das flehende Vertrauen" - letztlich eine Bestätigung seiner bisherigen Herangehensweise. So spiegele das Dokument "die Grundausrichtung von Papst Franziskus, niemanden auszuschließen, offen zu sein für jede Bitte um einen Segen" wider, zeigte sich der Priester überzeugt. "Wir sollen niemanden beurteilen, niemanden erniedrigen, niemanden hintan stehen lassen", so Faber.
Johann Pock, Pastoraltheologe an der Universität Wien, sieht in der Nachreichung zur Erklärung ein "Zurechtrücken" des Glaubenspräfekten, "um es allen recht zu machen". Damit beziehe er aber letztlich gar keine Stellung, kritisierte der Theologe, der das als "herumgeiere" wertete, zwischen der Absicht, etwas zu erlauben, ohne dabei einen Schritt zu viel zu machen. Damit habe man letztlich eine Chance vertan, die man im Dezember eröffnete, "nämlich einen positiven Blick der katholischen Kirche auf homosexuelle Paare zu fördern".
Weder Neuerung noch Zugeständnis
Für den katholischen Dogmatikprofessor Jan-Heiner Tück von der Uni Wien ist "Fiducia supplicans" hingegen weder eine Neuerung noch ein echtes Zugeständnis: "Der Weltkatechismus bleibt, wie er ist", hielt er fest, "da steht ganz klar: 'sittlich nicht in Ordnung'", hielt der Theologe in Bezug auf homosexuelle Partnerschaffen fest. Somit ändere Papst Franziskus auf der Normebene nichts, aber auf der Ebene der Pastoral wolle der Papst durch das Schreiben mehr Flexibilität ermöglichen, ordnete der Dogmatiker ein, der diese Vorgehensweise "für theologisch nicht konsistent" hält. "Wenn man wirkliche Segnungen einführen möchte, muss man auch die Normebene ändern", zeigte er sich überzeugt.
Für den Rektor des Jerusalemer Hospizes, Markus Bugnyar, bestehe bei "Fiducia supplicans" kein Zweifel an den guten Absichten des Papstes. "Der Heilige Vater ist auf dem richtigen Weg", schrieb Bugnyar in einem Gastkommentar in der Tageszeitung "Kurier" am Montag. "Dafür nimmt Franziskus Kritik und Minimallösungen in Kauf", so der Hospiz-Rektor. Nach "Fiducia supplicans" brauche es nun "im Grunde einen Rückbau päpstlichen Zentralismus", bei gleichzeitiger Stärkung der Ortskirchen, zeigte sich Bugnyar überzeugt, etwas wofür sich Franziskus seit Jahren einsetze.
Weiterhin "Zweiklassengesellschaft"
Renate Moser, von der Plattform Geschiedene und Wiederverheiratete in der Kirche (WIGE) der Erzdiözese Wien, stößt sich an der Bezeichnung der "irregulären Partnerschaft", die das Vatikanschreiben für Menschen in homosexueller Partnerschaft, aber auch wiederverheiratete, verwendet. Hier höre man eine "Zweiklassengesellschaft in der Kirche" heraus, kritisierte sie in der Orientierung.
Die einen seien die "regulären, braven" und die anderen die "irregulären", so Moser, sie sich seit Jahren für wiederverheiratet Geschiedene in der katholischen Kirche engagiert, "ich möchte kein irregulärer Mensch sein", hielt sie fest. Die Vorschriften und Einschränkungen, die in dem jüngsten Schreiben formuliert wurden, seien "verletzend und in gewisser Weis ignorant", so Moser, die die Regelungen für "an der Lebensrealität der Menschen vorbeigehend", empfindet.
Quelle: kathpress