
Sozialakademie thematisiert prekäre Beschäftigungen in "Gig Economy"
Der besonders rasch wachsende Bereich der sogenannten "Gig Economy" - jener Teil des Arbeitsmarktes, bei dem kleine Aufträge kurzfristig an unabhängige Selbstständige, Freiberufler oder geringfügig Beschäftigte vergeben werden - ist Thema in einer neuen Folge des Podcasts "361 Grad Sozialkompass" der Katholischen Sozialakademie Österreichs (ksoe). Thematisiert wird dieser Bereich, der in Österreich rund 20 Prozent des Arbeitsmarktes ausmacht, vor dem Hintergrund der prekären Beschäftigungsverhältnisse dort. Vorgestellt wird in dem Podcast mit "Pink Pedals" ein Grazer Fahrradkurierdienst, der es bewusst anders macht und als erster europaweit einen eigenen Kollektivvertrag für Fahrradkuriere hat, erläutert Podcast-Gastgeber und ksoe-Direktor Markus Schlagnitweit.
Die Fahrer des Dienstes sind kranken- und sozialversichert, haben einen regulären Stundenlohn (sie werden also nicht pro "Gig", d.h. pro Auftrag bezahlt) und haben auch normalen Urlaubsanspruch. "Dadurch haben wir weniger Stress und keine Umsatzeinbußen, wenn man mal einen schlechten Tag hat", erklärt der "Pink Pedals"-Betriebsrat Christoph Leuchtenmüller in dem Podcast. Leuchtenmüller weist darin auch das Argument der Vertreter der Plattform-Ökonomie zurück, die auf die höhere Flexibilität von Freiberuflern verweisen. "Das ist aus meiner Sicht ein vorgeschobenes Argument. Es ist in unzähligen Firmen mit Angestellten - auch bei uns - selbstverständlich auch möglich, Dienste zu tauschen". Flexibilität sei keine Frage der Anstellung, sondern der Organisation. Es brauche Arbeitsbedingungen, die gewährleisten, "dass keiner durchs Raster rutschen kann".
Bei manchen Plattform-Anbietern werde die Marktmacht genutzt, um Mitbewerber gezielt zu verdrängen, so Leuchtenmüller weiter. "Mjam und Lieferando haben meines Wissens bis mindestens 2020 Minusgeschäft gemacht. Das heißt, es ging nur darum, den Markt zu monopolisieren und Mitbewerber zu verdrängen und im nächsten Schritt sowohl von den Lokalen als auch von den Fahrern ordentlich abzuschöpfen. Was wir nicht vergessen dürfen, ist nämlich, dass nicht nur die Fahrer schlechten Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind, auch die Lokale müssen teilweise über 30 % vom Bestellwert abgeben."
Am 1. Mai des vergangenen Jahres startete die ksoe ihren Podcast "361° Sozialkompass". Ziel ist es, einmal im Monat Expertinnen und Experten aus Theorie und Praxis zu Wort kommen zu lassen, um Orientierungsmöglichkeiten und Lösungswege im Blick auf das Thema "Gute Arbeit" zu präsentieren. Die bisherigen Folgen können unter www.ksoe.at/podcast nachgehört werden. Zudem laufen die Folgen einmal pro Monat als eigene Sendereihe im Wiener Stadtradio "Radio Orange".
Quelle: kathpress