
Glettler: Dankbar zurückschauen, ohne Vergangenheit zu verklären
Bischof Hermann Glettler hat zum 60-Jahre-Jubiläum der Diözese Innsbruck dazu aufgerufen, "dankbar und zuversichtlich" zurückzuschauen, ohne dabei "die Vergangenheit zu vergolden" und zu verklären. "Es gab auch genügend Verunsicherung, unterschiedliche Bilder von Kirche und notwendige Reformen - und bis heute einen Rückgang der Volkskirche", betonte der Bischof in seiner Predigt beim Festgottesdienst anlässlich des Jubiläums am Sonntag im Innsbrucker Jakobsdom.
Symbolisch für das Jubiläum wurden 60 Tische aufgestellt. "Der Tisch ist nicht nur ein wichtiges Möbelstück, sondern ebenso ein starkes Symbol - für Zugehörigkeit, Gemeinschaft, Lebensfreude, auch für Teilhabe und Integration", so Glettler, der darauf verwies, dass ein Tisch unterschiedlichste Funktionen einnehmen könne. Seit der Gründung der Diözese seien "unzählige Tische gedeckt" worden, solche "des Miteinanders, nicht zuletzt auch in der Ökumene", aber auch der Gastfreundschaft "über Kirchengrenzen hinaus", ebenso wie solche für Bildung oder engagierte Caritas. Dennoch gelte es, neue Tische zu decken, "die Lust auf Zukunft machen - Tischgemeinschaften, von denen Gottes Segen ausgeht", so der Bischof.
So brauche es in Zukunft weniger Stamm- und mehr Verhandlungstische, wo ehrlich debattiert und weniger gehetzt werde, betonte Glettler. "Polarisierungen, Schuldzuweisungen, Gesprächsverweigerungen und ein verbales 'Vernichten des Gegners' gibt es zur Genüge", zeigte er sich überzeugt, die Alternative sei, "sich zusammensetzen und zusammenreden, wenn notwendig auch 'zusammenraufen'." So brauche es für die Zukunft "echte Initiativen für Vermittlung, Verständigung und gewaltfreie Konfliktlösungen". Das gelte auch für die Kirche selbst, die lernen müsse, "mit unterschiedlichen Überzeugungen achtsam umzugehen".
Letztlich gehe es um eine achtsame Art der Kommunikation, so der Bischof, "zuhören, mit Momenten von Stille, reflektieren, ehrlich verhandeln und dann entscheiden", das sei auch der Modus des Synodalen Prozesses, den der Papst initiiert hat. "Ein gutes Verhandeln ist in jeder vernünftigen Beziehung notwendig - in jedem Zusammenleben, auch in jeder halbwegs demokratischen Gesellschaft", so der Innsbrucker Bischof.
Tischgemeinschaften mit den Jungen, Einsamen und Kranken
So müsse es in Zukunft darum gehen, Tischgemeinschaften verschiedenster Art zu bilden, sei es am Küchentische in der Familie, wo "gelacht und debattiert, gefeiert und geweint" und gebetet werde. "Unsere Gesellschaft braucht die vielen kleinen und großen Familientische. Wo sonst lernen junge Menschen die Freude am Leben, ein gesundes Selbstbewusstsein und soziale Verantwortung? An den Familientischen wird das Ich und das Wir gestärkt. Die Mitte gestärkt", zeigte Glettler sich überzeugt.
Auch beim Blick über die eigene Familie hinaus gelte es, Gemeinschaften zu formen, etwa mit den jungen Menschen. "Wir alle wissen, dass es ihnen nicht nur gut geht", so Glettler, aber auch mit den Vereinsamten und Kranken, "niemand darf vergessen werden". Ebenso gelte es, Tischgemeinschaften mit der bedrohten Schöpfung, mit sozial Benachteiligten und Geflüchteten zu bilden: "Integration ist unser Auftrag", so Glettler. Bei all diesen Herausforderungen gelte es, auf Gottes Geist zu vertrauen. "Wir sind nicht allein - neues, überraschendes Wachstum ist möglich", schloss der Bischof.
Bereits am Samstag, am Petrus-Canisius-Tag, hatte Bischof Glettler Ehren- und Verdienstzeichen an Persönlichkeiten im ehrenamtlichen und beruflichen Dienst sowie aus der Gesellschaft für ihre Verdienste für die katholische Kirche vergeben. Insgesamt wurden 21 Ehrenzeichen und 31 Verdienstzeichen verliehen. "Ich danke allen Ausgezeichneten für ihr herausragendes Zeugnis, mit dem sie in unserer Diözese viele Menschen in eine Herz-Spur des Evangeliums mitnehmen", so Glettler.
Alte Kirche, junge Diözese
Schon im 5. oder 6. Jahrhundert gab es in Tirol Christen. Der Großteil der heute stehenden Kirchen wurde zumindest im 19. Jahrhundert, meist aber früher, errichtet und viele Bräuche werden seit Jahrhunderten gepflegt. Das historische Tirol war von Anfang an auf verschiedene Diözesen aufgeteilt, 1818 erfolgte mit einer Neuorganisation die "Reduktion" auf Brixen, Salzburg und Trient. Damit lagen nach dem Ersten Weltkrieg und der Grenzziehung am Brenner plötzlich zwei der drei Tiroler Bischofssitze in Italien.
Um die kirchliche Verwaltung zur Unterstützung der Pfarren und der Seelsorge aufrechtzuerhalten, wurde in Innsbruck erst eine Brixener Filiale errichtet. Aus dieser entstand 1921 die noch mit Brixen verbundene und schließlich 1925 direkt dem Hl. Stuhl unterstellte Apostolische Administratur Innsbruck-Feldkirch. Ein Provisorium, dem eine lange Haltbarkeit beschieden war, denn es sollte aufgrund der politischen Ereignisse noch bis zum Jahr 1964 dauern, bis schließlich Innsbruck formell als Diözese errichtet wurde.
Mit der Erhebung zur Diözese vor 60 Jahren wurde Petrus Canisius zum Diözesanpatron erkoren. Aus diesem Grund feiert die Diözese Innsbruck ihr Jubiläum zu seinem Gedenktag, dem 27. April. Geboren am 8. Mai 1521 in Nimwegen in den heutigen Niederlanden, trat Petrus Canisius 1543 als erster Deutscher in den Jesuitenorden ein. Sein großes Anliegen als leidenschaftlicher Prediger und Schreiber war die Reform der katholischen Kirche.
Petrus Canisius hielt sich häufig in Österreich auf. Er nahm mehrmals an den Beratungen des Konzils von Trient teil und hielt sich schließlich von 1560 bis 1580 meist in Innsbruck auf. 1562 eröffnete er das Jesuitenkolleg in Innsbruck, 1569 eines in Hall. Ab 1571 diente er als Hofprediger bei Erzherzog Ferdinand II. in Innsbruck und zog als Prediger und Volksmissionar durchs Land. (www.dibk.at)
Quelle: kathpress