
Katholikentag: Wiener Sozialethiker hofft auf Reformimpulse
Gesellschaftliche sowie kirchenstrukturelle Reformimpulse erhofft sich der Wiener Sozialethiker Alexander Filipovic vom 103. Deutschen Katholikentag, der derzeit in Erfurt stattfindet. Filipovic lehrt an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien Sozial- und Medienethik, ist Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und zeichnet zudem gemeinsam mit dem "Arbeitskreis Digitalisierung" für mehrere Programmpunkte beim Katholikentag verantwortlich. "Ich erhoffe mir Impulse für die gesellschaftliche Wirkkraft von Christentum und Katholischer Kirche", sagte Filipovic im Gespräch mit Kathpress. Der Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden hänge untrennbar mit dem Glauben zusammen; dies müsse beim Katholikentag ebenso sichtbar werden wie interne Reformdebatten.
"Den Vorwurf, die Kirche würde sich zu viel mit sich selbst beschäftigen, verstehe ich nicht", so Filipovic im Blick auf die laufenden Debatten rund um den deutschen Synodalen Weg. Er trage als ZdK-Mitglied die Reformanliegen mit und sehe eine Strukturreform der Katholischen Kirche als "unbedingt notwendig" an: "Der Glaube hängt inhaltlich mit einer bestimmten Sozialgestalt zusammen. Wenn Freiheit und Befreiung und Menschenwürde zentrale biblische Elemente unseres Glaubens sind, müssen wir alle für eine Kirche kämpfen, in der Machtmissbrauch und fehlende Anerkennung inhaltlich und strukturell verhindert werden."
Zur Diskussion über das "Format Katholikentag" sagte Filipovic, dies stehe nicht zuletzt wegen schwindender Kirchenmitglieder zur Disposition. Events seien zwar "an sich nicht outdated", aber das Ziel müsse überdacht werden, könne es doch nicht mehr darum gehen, "zu zeigen 'wir sind viele'", sondern darum, "Zeichen für Gerechtigkeit und Solidarität zu setzen und gemeinsam Erfahrungen mit dem befreienden Gott und der biblischen Botschaft zu machen", so der Theologe. "Besucher zu zählen - darum geht es nicht. In zwei Jahren in Würzburg sieht das sowieso anders aus."
Am Mittwoch hat der 103. Deutsche Katholikentag in Erfurt begonnen. An der feierlichen Eröffnung hatte u.a. der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilgenommen. Zu dem fünftägigen Christentreffen werden 20.000 Teilnehmer aus ganz Deutschland erwartet, darunter viele Spitzenvertreter aus Kirche und Politik - auch der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und mehrere Minister. Bis Sonntag sind rund 500 Veranstaltungen geplant, darunter zahlreiche Podien zu aktuellen gesellschaftspolitischen und kirchlichen Fragen. Der Katholikentag steht unter dem biblischen Leitwort: "Zukunft hat der Mensch des Friedens".
Aus Österreich nimmt der Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl als offizieller Vertreter der Bischofskonferenz an dem Event teil. Alexander Filipovic tritt beim Katholikentag u.a. als Referent im Rahmen von Veranstaltungen des "Arbeitskreises Digitalisierung" auf. Die Veranstaltungen reichen von den Themen Roboter, Künstliche Intelligenz (KI), Digitalisierung, digitale Kriegsführung bis hin zu ethischen Aspekte der digitalen Transformation. Weitere Beiträge mit Österreichbezug gestalten der Wiener katholische Theologe Markus Tiwald, die Ordensfrau Mirjam Schwaiger von den Feldkircher Marienschwestern vom Karmel und der Europareferent der Österreichischen Bischofskonferenz in Brüssel, Johannes Moravitz.
Quelle: kathpress