
100 Jahre Pallottiner in Österreich: "Wollen keine Insel sein"
Um "Netzwerke mit anderen in der kirchlichen Landschaft" sind Österreichs Pallottiner bemüht: Die katholische Ordensgemeinschaft, die hierzulande seit genau 100 Jahren präsent ist, "will keine Insel sein", wird Österreich-Rektor Pater Sascha Heinze in einer Aussendung der Ordenskonferenz vom Dienstag zitiert. Ziel sei vielmehr, verstärkt "Gesprächs- und Seelsorgeangebote zu machen, Kontakte zu knüpfen, offen zu sein und die Menschen willkommen zu heißen, die Erholung und vielleicht ein Gespräch suchen".
Sieben Patres und ein Ordensbruder gehören derzeit der von P. Heinze geleiteten "Örtlichen Kommunität Österreich" an, fünf von ihnen haben das 75. Lebensjahr bereits überschritten. Das Gäste- und Bildungseinrichtung Pallotti-Haus in Wien-Hietzing wurde frisch renoviert und soll künftig wieder Gäste beherbergen. Eine Neuausrichtung der Gemeinschaft steht laut P. Heinze dennoch bevor: Er werde "beobachten, was künftig passt, was die Situation erfordert und wo die Pallottiner im Netzwerk der Kirche von Salzburg und Österreich ihren Beitrag einbringen können".
Wien und Salzburg waren schon bei den Anfängen vor 100 Jahren die Schauplätze pallottinischen Wirkens in Österreichs. 1924 kamen norddeutsche Patres des Ordens nach Wien, 1926 zogen die süddeutschen mit Salzburg nach, wobei diese Niederlassungen zunächst zwei unterschiedlichen Ordensprovinzen angehörten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie Teil der "Österreichischen Regio", die sich 2007 mit den süd- und norddeutschen Pallottinern zu einer Provinz zusammenschloss. Innerhalb dieser wurde 2023 die "Örtliche Kommunität Österreich" mit Heinze als Rektor gegründet.
In Wien, wo sich einst Kardinal Friedrich Gustav Piffl von den Pallottinern neue Impulse für die Großstadtseelsorge erhoffte, übernahmen Mitglieder der Kongregation zunächst die in einer Barackenkirche in Wien-Favoriten gegründete Seelsorgestation. Ab 1935 betreuten sie auch die nahe gelegene, später auch von polnischen Mitbrüdern betreute "Friedenskirche".
In Salzburg wurde 1926 das Johannes-Schlössl gekauft und darin ein Studienheim für die eigenen Studenten eingerichtet. In der NS-Zeit vom damaligen Regime beschlagnahmt und als NS-Schülerheim genutzt, wurde das Gebäude ab 1950 zum Sitz des Regionaloberen und wenig später zu einem Haus für Exerzitien, Einkehrtage, Seminare und Workshops. Auch die Salzburger Pfarre Lehen wird seit 1947 von Pallottinern betreut, die auch die 1964 eingeweihte Pfarrkirche errichteten und dem im Jahr davor heiliggesprochenen Ordensgründer Vinzenz Pallotti (1795-1850) weihten. Das Pallottiner-Internat im Salzburger Marketenderschlössl auf dem Mönchsberg bestand bis 1987.
"Unser Platz ist mitten im Leben" liest man auch in der Selbstverortung des Ordens auf dessen Homepage. Die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Rom entstandene weltweite Gemeinschaft - sie heißt offiziell "Gesellschaft des Katholischen Apostolats" (Ordenskürzel SAC) - wolle unter anderem durch Angebote der Begleitung, durch ein Einbringen der je eigenen Talente sowie durch "Leben, Tun und Beten" zu gelingendem Leben anderer Menschen beitragen. Ein Höhepunkt des 100-Jahr-Jubiläums war bereits am 16. Juni eine Vesper mit Kardinal Christoph Schönborn, teilte die Ordenskonferenz mit. (Infos: www.pallottiner.org)
Quelle: kathpress