Parolin: In Österreich nach Wegen der Neuevangelisierung suchen
Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin ruft die Kirche in Österreich auf, weiter nach Wegen der Neuevangelisierung zu suchen. Bei einer Begegnung mit österreichischen Medienschaffenden und diözesanen Presseverantwortlichen am Mittwoch im Vatikan nahm Parolin Bezug auf die sinkende Zahl der Katholiken im Land. Weniger als 50 Prozent der Bevölkerung bezeichneten sich mittlerweile als katholisch. "Dies ist eine Aufforderung an das ganze Volk Gottes, Hirten wie Laien. darüber nachzudenken, wie es um die Zukunft des Glaubens und der Kirche in Österreich bestellt ist und in Einheit und Treue mit dem Nachfolger Petri in der Gemeinschaft der universalen Kirche nach Wegen der Neuevangelisierung zu suchen, um so unseres Glaubens neu froh zu werden", sagte der Kardinalstaatssekretär.
Die Medienleute und diözesanen Presseverantwortlichen versicherte Parolin sein Gebet für Ihre wichtige Arbeit. Sie sollten als "Boten der Hoffnung" nicht nur im aktuellen Heiligen Jahr "Multiplikatoren der frohen Botschaft des Evangeliums" sein. Kommunikation sei "nicht bloß die Übermittlung von Informationen, sondern Schaffung einer Kultur, menschlicher und digitaler Umgebungen, die zu Räumen des Dialogs und des Austauschs werden", zitierte der Kardinalstaatssekretär aus einer Rede von Papst Leo. Leo hatte darin im vergangenen Mai vor Medienschaffenden aus aller Welt zu einer anderen Art der Kommunikation abseits "der Verwirrung eines lieblosen, oft ideologischen oder parteiischen Sprachgebrauchs" aufgerufen. Auch forderte er mit Blick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu Verantwortung und Urteilsvermögen auf, um diese Werkzeuge zum Wohle aller einzusetzen.
Medien sollen Gemeinschaft und Hoffnung stärken
Im Gespräch mit den kirchlichen Medienschaffenden unterstrich der Kardinalstaatssekretär die Verantwortung von Medien, um Menschen in Beziehung zu bringen und Hoffnung zu geben. Er ermutigte im Speziellen katholische Journalisten zu einer Berichterstattung, die offen ist für positive und konstruktive Nachrichten.
Eine große Gefahr in der gegenwärtigen Zeit, gerade nach der Pandemie, sei es, dass Menschen immer stärker individualisiert lebten. Die Aggression in der Gesellschaft sei gestiegen, ebenso die Polarisierung, sagte Parolin. Gleichzeitig gäbe es eine gestiegene Sehnsucht nach Gemeinschaft und Inklusion. Vor diesem Hintergrund plädierte der Kardinalstaatssekretär dafür, dass Medien Menschen nicht nur informieren, sondern auch bilden und erziehen sollen. Im Besonderen gehe es darum, Menschen dabei zu helfen, sie aus der Isolation zu befreien und wieder in Beziehung zu bringen.
Als eine ermutigende Entwicklung im kirchlichen Leben beschrieb Parolin den Umstand, dass die Zahl der Erwachsenentaufen, aber auch jene der Taufen von Jugendlichen in vielen Ländern steige. Bei der Neuevangelisierung komme es darauf an, dass Menschen ihren Glauben in Gemeinschaften leben und auch das Leben teilen. Ein gutes Beispiel seien dabei christliche Basisgemeinschaften.
Mensch droht "technologisiert" zu werden
Angesprochen auf den Einfluss und die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz verwies Parolin sowohl auf deren positive Möglichkeiten als auch auf die Gefahren. Die Kirche sei gut beraten, sich sehr intensiv mit den Herausforderungen durch die KI auseinanderzusetzen. Die Hauptgefahr bestehe darin, dass der Mensch "gleichsam technologisiert" werde und so seine Beziehung zu den Mitmenschen und letztlich auch zu Gott verlieren könnte. Gleichzeitig relativierte Parolin übertriebene Sorgen und sagte: "Man muss oft mehr Angst vor der menschlichen Intelligenz haben als vor der künstlichen."
In Begleitung von Bischof Krautwaschl
Begleitet wurden die österreichischen kirchlichen Medienverantwortlichen von "Medienbischof" Wilhelm Krautwaschl und dem Rektor des Päpstlichen Instituts Santa Maria dell'Anima in Rom, Michael Max. Auch der steirische Diözesanpriester Paul Markowitsch, der in der deutschen Sektion im Staatssekretariat tätig ist, nahm an der Begegnung im Apostolischen Palast teil.
Das Gespräch mit Kardinal Parolin war für die Gruppe aus Österreich die letzte Begegnung im Rahmen einer Presse- und Informationsreise im Vatikan und in Rom. Auf dem Programm standen unter anderem Begegnungen mit Synoden-Generalsekretär Kardinal Mario Grech, dem vatikanischen "Ökumene-Minister" Kardinal Kurt Koch und der Sekretärin des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen, Sr. Alessandra Smerilli. Am Mittwoch nahm die Gruppe auch an der Generalaudienz mit Papst Leo XIV. auf dem Petersplatz teil.
Quelle: Kathpress