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Luis Zambrano, Romero-Preisträger 2025
kathpress / Pernsteiner

Romero-Preisträger Zambrano: Kirche muss den Armen näher sein

Peruanischer Priester und Menschenrechtsaktivist im Interview über seinen jahrzehntelangen Einsatz für Arme, Menschenrechte und glaubwürdige Kirche

13.11.2025

Für einen entschiedeneren Einsatz der Kirche für Arme und Benachteiligte hat sich der peruanische Priester und Befreiungstheologe Luis Zambrano ausgesprochen. Der 79-jährige Pfarrer der am Titicacasee gelegenen Stadt Juliaca wird am Freitagabend mit dem renommierten Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung (KMBÖ) und der Aktion "Sei so frei" ausgezeichnet, im Rahmen eines Festakts im Grazer Campus Augustinum im Beisein von Bischof Wilhelm Krautwaschl. Die seit 1981 verliehene Ehrung gilt als Österreichs wichtigste Auszeichnung für Engagement im Bereich Entwicklung und Menschenrechte in Afrika und Lateinamerika. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Kathpress blickte Zambrano auf sein jahrzehntelanges Wirken zurück und skizzierte seine Vision einer glaubwürdigen Kirche.

 

Die Zuerkennung des Romero-Preises bezeichnete Zambrano als Überraschung und große Ehre. Der Namensgeber der Auszeichnung, San Salvadors Erzbischof Oscar Romero (1917-1980), sei für ihn seit Studienzeiten Vorbild und Identifikationsfigur gewesen. "Ich habe ihn wie einen Vater oder Bruder geliebt, auch wenn ich ihm nie persönlich begegnet bin. Wir sind auf dem gleichen Weg", sagte Zambrano. Besonders beeindruckt habe ihn Romeros "Bekehrung" nach der Ermordung des Priesters Rutilio Grande 1977, die ihn zum kompromisslosen Fürsprecher der Armen werden ließ. "Nie habe ich das sonst von einem Bischof gehört, dass er wie Romero sagt: Ich habe mich geändert", so Zambrano. Über Romeros Ermordung habe er "viele Tränen geweint" und erkannt, "dass die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche stets auch eine verfolgte ist".

 

Damals studierte Zambrano, der schon als Zehnjähriger Priester werden wollte, im Innsbrucker Priesterseminar, nachdem er in seiner Heimat keinen Studienabschluss machen durfte. Sein Einsatz für die Rechte von Benachteiligten, bei dem er auch vor Hungerstreiks nicht zurückschreckte, war auf starke Widerstände gestoßen. Auf Empfehlung des Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez kam er nach Europa und verfasste seine Magisterarbeit über "Eucharistie und heutige Realität". Für seine Dissertation musste er in Innsbruck den Betreuer wechseln - seinem ersten Doktorvater galt die Arbeit über die "Kirche des Volkes" als zu radikal. Es folgte ein weiterer Studienaufenthalt in Tübingen.

 

Für das Volk und aus diesem

 

Er selbst stamme aus armen Verhältnissen und fühle sich als "einer vom Volk", erklärte Zambrano. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil habe ihn die Theologie der Befreiung besonders geprägt. "Fragt man mich heute, was ich erreicht habe, so muss ich sagen: nicht viel. Ich sehe, dass der Kampf für Gerechtigkeit das ganze Leben dauert, über viele Generationen. Ich habe etwas gegeben und viel gelernt." Ab 1982 baute er in Puno mit Unterstützung aus Österreich eine Herberge für Obdachlose und Arme auf, gründete ein Solidaritäts-Vikariat und das Menschenrechtsbüro "Glaube und Menschenrechte" (FEDERH), das besonders die Anliegen der armen Bevölkerung vertritt.

 

Soziale Hilfen standen in Zeiten von Dürren, Überschwemmungen und Hungersnöten im Vordergrund, doch erhob Zambrano auch öffentlich seine Stimme - etwa bei Menschenrechtsverletzungen durch Militärs oder die Guerillaorganisation "Leuchtender Pfad". Das brachte ihn mitunter in Lebensgefahr: 1989 suchte ihn ein Todeskommando von Paramilitärs, worauf er vorübergehend ins Bischofshaus übersiedelte. "Man musste auf sich aufpassen. Aber ich bin geblieben", sagte er.

 

Gerechtigkeit für Staat und Kirche

 

Noch 2023 beteiligte sich Zambrano in Juliaca an friedlichen Protesten von Indigenen und Kleinbauern gegen die Regierung, die mit Schüssen auf Demonstrierende reagierte - 18 Menschen starben. Zambrano besuchte die Verletzten im Krankenhaus, stellte seine Pfarrräume für Gespräche mit Überlebenden zur Verfügung und gründete eine Gruppe zur Unterstützung der Opfer. Ergebnisse der Ermittlungen gebe es bisher nicht. "Bisher kam von der Regierung kein Signal, dass Gerechtigkeit gesucht wird", kritisierte er.

 

Gerechtigkeit ist für Zambrano auch in kirchlichen Fragen das zentrale Motiv. Schon bei seiner Priesterweihe habe er wegen kritischer Äußerungen Gegenwind erfahren. "Man sagte mir, dass ich die Kirche hasse, weil ich sie kritisiere. Doch ich sehe sie wie meine Mutter und möchte, dass sie schön und glaubwürdig ist", betonte der Priester. Bis heute störe ihn etwa das "Geschäft mit den Sakramenten": In Lateinamerika würden für Taufe, Firmung und Hochzeit weiterhin Gebühren eingehoben, obwohl Papst Franziskus sich klar dagegen ausgesprochen habe. "Jesus wird von seiner Kirche verkauft", so Zambrano.

 

Zeichen der Zeit

 

Zambrano, der weiterhin als Pfarrer tätig ist, setzt sich besonders für eine stärkere Mitwirkung der Laien in der Liturgie ein. Laien sollten auf Basis ihrer Taufberufung Gottesdienste leiten und predigen dürfen, "sonst behindern wir das Wirken des Heiligen Geistes". Aufgabe des Priesters sei es, "Charismen zu entdecken und zu fördern". Den Mangel an Priesterberufungen in Europa und anderswo sehe er ebenso wie die hohe Zahl an Kirchenaustritten als "Zeichen der Zeit", auf die die Kirche reagieren müsse.

 

Dass mit Leo XIV. nun ein Papst mit jahrzehntelanger Peru-Erfahrung am Stuhl Petri sitzt, bezeichnete Zambrano als Erfüllung des "prophetischen Wortes" von Leonardo Boff, der 2013 beim Amtsantritt von Papst Franziskus gesagt habe, nun beginne "eine Reihe lateinamerikanischer Päpste". Leo bemühe sich um Einheit und Versöhnung und führe den synodalen Prozess fort. Zugleich drängten unter ihm auch wieder traditionalistische Kräfte in die Kirchenmitte, bedauerte Zambrano. Zugute hielt er Leo XIV., dass dieser als Bischof von Chiclayo viel zur Auflösung der konservativen Sekte "Sodalitium" nach Missbrauchs- und Korruptionsvorwürfen beigetragen habe.

 

Trotz körperlicher Schwächen fühle er sich mit 79 Jahren "nicht müde, sondern frisch" und habe "viel Hoffnung", sagte Zambrano. Auch wenn sein Wirken nicht mit großem Erfolg gekrönt gewesen sei, halte er es für wichtig, "dass wir Gutes tun". Und weiter: "Du hast kein Recht zu sterben, wenn du keine Jüngerin oder keinen Jünger nach dir hinterlässt."

 

 

Quelle: kathpress

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