
Tagung: Religionsdialog ist wichiger Beitrag zur Friedensarbeit
Mit einem Appell zu einer stärkeren Vernetzung und intensiveren lokalen, regionalen und internationalen Zusammenarbeit zwischen den Kirchen sowie den gesellschaftlich-politischen Akteuren ist am Wochenende eine große internationale Konferenz in Wien zu Ende gegangen. Die Tagung unter dem Titel "Healing of Wounded Memories: The Responsibility of Churches to Heal" bildete zugleich den Abschluss des gleichnamigen, von der Stiftung "Pro Oriente" ins Leben gerufenen dreijährigen Projekts, teilte die Stiftung am Dienstag in ihrem Informationsdienst mit.
Für die Konferenz waren insgesamt 70 Teilnehmende aus 25 Ländern nach Wien gekommen, darunter Geistliche und Laien sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen und Arbeitsfeldern. Diese kamen mehrheitlich aus Südosteuropa, dem Nahen Osten und Osteuropa - den drei Schwerpunktregionen des Projekts, in denen die ökumenischen Beziehungen zwischen katholischen und orthodoxen Kirchen eine besondere Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen.
"Im Verlauf des gesamten Projekts wurde immer deutlicher, dass eine Fokussierung auf verwundete Erinnerungen allein nicht ausreicht, da in den Regionen auch gegenwärtig neue Wunden entstehen", unterstrich "Pro Oriente"-Präsident Clemens Koja. Entsprechend werde "Pro Oriente" den Kontakt mit den Teilnehmenden halten: "Solidarität ist für uns keine Projekt-, sondern eine Partnerschaftsarbeit", so Koja.
Zufrieden zeigte sich auch Projektkoordinatorin Viola Raheb. Es sei gelungen, Menschen zusammenzubringen, die von "funktionierenden lokalen Initiativen aus den Regionen" berichteten, um so Beispiele aufzuzeigen, wie "Beiträge zur Überwindung von Vorurteilen und von Gewalt sowie zur Förderung von Begegnung und Frieden" geleistet werden könnten. Dazu hätten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teils ein hohes persönliches Risiko auf sich genommen, um nach Wien zu kommen, unterstrich Raheb.
Ein Höhepunkt der Konferenz stellte am vergangenen Freitagabend (14. November) eine Podiumsdiskussion in der Wiener Diplomatischen Akademie Wien dar. Einig zeigten sich die Diskutanten - darunter der Gründer und Präsident der Dar al-Kalima-Universität in Bethlehem, Prof. Mitri Raheb, die Religionssoziologin und Mitbegründerin der ukrainischen NGO "Dialogue in Action", Tetiana Kalenychenko, sowie die kroatische Theologin und Friedensaktivistin Ana-Marija Raffai - darüber, dass Gläubige Menschen "aus der Reaktion in die Aktion" kommen müssten, es also auf jeden Einzelnen und sein Engagement für Dialog und Frieden ankomme. Zugleich wurde unterstrichen, dass die gegenwärtigen Krisen und Konflikte auch eine Bewährungsprobe für die Kirchen seien - und eine Chance, notwendige Transformationen innerhalb der Kirchen anzustoßen.
Das Projekt "Verletzte Erinnerungen heilen" war von der orthodox-katholischen Dialogkommission von Pro Oriente initiiert worden. Nach einer Auftaktkonferenz im November 2023 in Wien wurden zwischen Frühjahr 2024 und Frühjahr 2025 bei Workshops in den drei Schwerpunktregionen Südosteuropa, Naher Osten und Osteuropa zentrale Themen und Herausforderungen für die Kirchen bearbeitet, die den inhaltlichen Leitfaden der Abschlusskonferenz bildeten.
Quelle: Kathpress