
Polak neue Präsidentin des christlich-jüdischen Koordinierungsausschusses
Die Pastoraltheologin Regina Polak ist neue Präsidentin des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit (KooA). Sie folgt in dieser Tätigkeit auf Martin Jäggle, der diese Aufgabe seit 2011 ausübte. "Ich weiß aus erster Hand, dass ich meinen christlichen Glauben nur im Dialog mit dem Judentum verstehen und leben kann", diese Erfahrung wolle sie auch anderen Menschen ermöglichen, so die Theologin gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress (Dienstag). Sorge bereite ihr der steigende Antisemitismus: "Niemals hätte ich damit gerechnet, dass Antisemitismus wieder so aufflammt wie seit dem 7. Oktober 2023 - sogar in mir nahen Milieus." Im 1956 gegründeten KooA finde sie einen Ort, "wo ich etwas zum Engagement gegen Judenfeindschaft unternehmen kann".
Die Wahl Polaks erfolgte am 18. November im Rahmen der Generalversammlung, die heuer unter dem Thema "Dem Bösen begegnen. Jüdische Spiritualität und jüdische Erfahrungen" stand. Rabbiner Schlomo Hofmeister und die Psychologin Clara Stepanow (ESRA) sprachen über spirituelle und psychologische Wege im Umgang mit Gewalt, Trauma und gesellschaftlichen Herausforderungen.
In ihrer ersten Erklärung dankte Polak ihrem Vorgänger Martin Jäggle: "Ich bin mir mehr als bewusst, in welche großen Fußstapfen ich trete, wenn ich die Nachfolge von Martin Jäggle als Präsidentin des Koordinierungsausschusses antrete." Der emeritierte Professor für Religionspädagogik habe sie in den christlich-jüdischen Dialog eingeführt, so die Theologin, die zugleich deutlich machte, das Amt auf eigene Weise gestalten zu wollen.
In Anbetracht des steigenden Antisemitismus sei eine kritische Reflexion bisheriger Strategien und Maßnahmen "gegen diese Pest" notwendig. Das wirksamste Gegengift bleibt laut Polak aber "die Freude am Dialog mit Jüdinnen und Juden in all ihrer Verschiedenheit".
Mit Blick auf zentrale Aufgaben des KooA erinnerte Polak an dessen Auftrag, die Kirchen zu erneuern, die Kenntnis des Judentums zu fördern, christliche Judenfeindschaft aufzuarbeiten, die Erinnerung an die Schoa wachzuhalten und Antisemitismus sowie Rassismus zu bekämpfen. Für Polak fügt sich dies nahtlos in ihre eigene theologische Arbeit: Die Erneuerung der Kirchen sei "die Hauptaufgabe meiner Disziplin in Forschung und Lehre", so die Pastoraltheologin. Dies könne "nur im Dialog mit dem Judentum geschehen" und sei zugleich "eine ökumenische Aufgabe". Sie freue sich auf die kommenden Jahre "in Kooperation mit einem hervorragenden Team" und verwies auf das Leitwort des KooA aus dem Buch Hosea (Hos 6,3-6): "Lasst uns Gott lernen!"
Ältestes Forum des christlich-jüdischen Dialogs
Der seit 70 Jahren bestehende Koordinierungsausschuss gilt als ältestes Forum des christlich-jüdischen Dialogs in Österreich und bemüht sich um gute Beziehungen zwischen den beiden Religionen. Kardinal Franz König (1905-2004) initiierte den Ausschuss 1956 auf Anregung von Prof. Kurt Schubert (1923-2007), dem Doyen der österreichischen Judaistik. Der Ausschuss trug nach der Schoah wesentlich dazu bei, dass ein neues Verhältnis zwischen Judentum und Christentum in Österreich möglich wurde. Die Arbeitsbereiche sind Dialog, Bildung, öffentliche Kommunikation und Wissenschaft.
Der Vorstand muss laut Statut zu je einem Drittel jüdisch, evangelisch und katholisch besetzt sein. Laut KooA-Website zählt der Koordinierungsausschuss aktuell mehr als 410 Mitglieder und 28 Partner. Neben KooA-Präsidentin Regina Polak sind Dechant Ferenc Simon und die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Elisabeth Birnbaum, die weiteren katholischen Vertreter im Vorstand. Von jüdischer Seite gehören Vizepräsident Willy Weisz sowie die Historiker Awi Blumenfeld und Mitchel Ash dem Vorstand an. Die evangelischen Vertreter sind Vizepräsidentin Margit Leuthold, Ruth Schelander-Glaser und Stefan Fleischner-Janits. Geschäftsführer des Koordinierungsausschusses ist seit 2020 der jüdische Religionswissenschaftler Yuval Katz betraut.
Der Ausschuss ist zudem auch im Kampf gegen Antisemitismus aktiv, als Mitglied des Forums gegen Antisemitismus und als Organisation, die in die Entwicklung von Strategien gegen Antisemitismus eingebunden war. (KooA-Website: https://www.christenundjuden.org/)
Quelle: kathpress