
"Es muss weitergehen"
Klasnic übergibt Leitung an Nachfolgerin
"Es muss weitergehen"
Klasnic übergibt Leitung an Nachfolgerin
"Es muss weitergehen, weil die Menschen uns brauchen." - Mit diesen Worten hat sich Waltraud Klasnic (80) bei der Sitzung der Unabhängigen Opferschutzkommission am Freitag in Wien von ihrer 15-jährigen Tätigkeit als Opferschutzanwältin verabschiedet, die ab Jänner die Juristin Caroline List übernimmt. "Unabhängig sein und frei entscheiden, war uns als Kommission wichtig. Dafür haben wir alle das Vertrauen bekommen", resümierte Klasnic.
Ausdrücklich dankte Klasnic den Kommissionsmitgliedern, die sich seit April 2010 gemeinsam mit ihr ehrenamtlich für Betroffene von physischer, psychischer und sexueller Gewalt im kirchlichen Bereich eingesetzt haben. "Die besten Fachleute - getragen von einem ehrlichen Bemühen", so könne man die Kommission beschreiben. "Meine Erfahrung war, wenn ich jemand um Hilfe bitte, dann erhält man sie", sagte Klasnic über die Kommissionsmitglieder. Dies zeige sich auch darin, dass alle Kommissionsmitglieder bis jetzt tätig geblieben seien, "bis auf jene, die leider schon aus dem Leben geschieden sind", so Klasnic unter Verweis auf die erste Bundeskanzlerin und Verfassungsgerichtshofpräsidentin Brigitte Bierlein und den Journalisten Hubert Feichtlbauer.
"Ich glaube an das Gute", bekannte Klasnic, nicht zuletzt aufgrund der bedrückenden Erfahrungen als Opferschutzanwältin. Kurt Scholz dankte namens der Kommission Klasnic mit sehr persönlichen Worten: "Ich habe noch nie einen Menschen erlebt, der so in allem, was er tut, versucht, Gutes zu tun - fast in kindlicher Begeisterung." Oft pflege er, Scholz, in solchen Situationen zu sagen: "In der Kathedrale unseres Herzens wird immer eine Kerze für Dich brennen." Diese Worte seien für eine Lebende jedoch unpassend, weswegen er namens der Kommission verspreche: "Wir werden künftig unsere Sitzungen bei Kerzenschein abhalten und dabei an Dich denken", so Scholz an Klasnic nach ihrer letzten Sitzung der Opferschutzkommission.
Caroline List folgt Waltraud Klasnic nach
Nach 15 Jahren wird Waltraud Klasnic mit Jahresende ihre Aufgabe als Opferschutzanwältin abgeben. Auf einstimmigen Vorschlag der Unabhängigen Opferschutzkommission wird Caroline List ab 2026 die Unabhängige Opferschutzanwaltschaft leiten. Ihre Beauftragung ist durch die Österreichische Bischofskonferenz im Einvernehmen mit der Österreichischen Ordenskonferenz erfolgt. List, im Hauptberuf Präsidentin des Landesgerichtes für Strafsachen Graz, ist seit 15 Jahren Mitglied der "Unabhängigen Opferschutzkommission" und wird künftig dort den Vorsitz führen.
Klasnic war im April 2010 vom damaligen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, ersucht worden, als Opferschutzanwältin tätig zu werden. In der Folge stellte Klasnic von sich aus die Unabhängige Opferschutzkommission zusammen, die sich als eine zivilgesellschaftliche Initiative versteht.
Hilfe für rund 3.500 Betroffene
Seit der Einrichtung der Kommission wurden laut offizieller Statistik bis Ende September 2025 insgesamt 3.702 Meldungen über Missbrauch und Gewalt im kirchlichen Bereich entgegengenommen. In 3.544 Fällen entschied die Kommission über finanzielle Hilfe und gegebenenfalls über die Übernahme von Therapiekosten. Insgesamt wurden 37,9 Millionen Euro an Betroffene ausbezahlt. Die meisten Fälle beziehen sich auf Heime und Betreuungseinrichtungen vor dem Jahr 1980. Fast die Hälfte der gemeldeten Vorfälle betrifft sexuelle Gewalt, häufig in Kombination mit psychischer oder körperlicher Gewalt.
Mit einer österreichweiten kirchlichen Rahmenordnung, einem standardisierten Vier-Stufen-Verfahren und verpflichtender Präventionsarbeit verfolgt die Kirche seit 2010 das Ziel, Missbrauch konsequent zu verhindern, Verantwortung zu übernehmen und erlittenes Unrecht anzuerkennen. Die sogenannte "Klasnic-Kommission" wurde auch österreichweit zum Vorbild ähnlicher Einrichtungen zur Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im staatlichen Bereich. Innerhalb der Katholischen Kirchen gilt das österreichische Modell weltweit als eines der besten im Umgang mit Missbrauchsbetroffenen und bei der Prävention.
Quelle: Kathpress