
Wien: Zahlreiche Gläubige bei orthodoxer "Großer Wasserweihe"
Der griechisch-orthodoxe Metropolit Arsenios (Kardamakis) hat am Dienstag am Wiener Donaukanal die "Große Wasserweihe" vorgenommen. Höhepunkt eines von Bibellesungen und Gebeten begleiteten Wortgottesdienstes war das dreimalige Untertauchen eines kunstvoll gestalteten Holzkreuzes durch den Metropoliten. Mit dem Kreuz wurden der Donaukanal und alle Gewässer, die Anwesenden und die ganze Stadt Wien gesegnet. An der Feier nahmen Gläubige verschiedener Kirchen teil.

Der traditionelle Ritus gehört zu den eindrucksvollsten Feiern der Orthodoxen Kirche und wird zum Gedenken an die Taufe Jesu am Tag der Erscheinung des Herrn (Epiphanie) in der Orthodoxie weltweit begangen. Nach orthodoxem Verständnis wird bei der "Großen Wasserweihe" durch das Wasser die ganze Schöpfung gesegnet. Die Wasserweihe wird entweder in fließenden Gewässern, Seen, dem Meer oder auch nur in Behältnissen in der Kirche vollzogen.
Wenn sich die Orthodoxe Kirche so sehr um ein erneuertes ökologisches Bewusstsein bemüht, dann gehe es nicht um Ideologie oder Aktivismus, sondern um eine Lebenshaltung, um Respekt vor der Schöpfung aus dem Bewusstsein ihrer Heiligkeit, so Metropolit Arsenios. Die Menschheit sei aufgerufen, ihren Platz in der Welt neu zu überdenken, die Natur nicht länger unter dem Gesichtspunkt des Konsums zu sehen, sondern verantwortungsvoll mit und in ihr zu leben; "zu empfangen, ohne zu zerstören; zu nutzen, ohne zu erschöpfen; sich an der Schöpfung zu freuen, ohne sich diese anzueignen".
Natur und Schöpfung werden geweiht
Die Wasserweihe kam von Jerusalem über Konstantinopel (Istanbul) nach Osteuropa. Besonders feierlich wird sie seit dem 19. Jahrhundert in Konstantinopel und Moskau begangen, aber auch in den Zentren der Orthodoxie in den USA. In Konstantinopel und in Moskau wird das Kreuz im Wasser versenkt, junge Leute tauchen danach, der Finder des Kreuzes überreicht es dem Patriarchen.
Durch die Taufe Jesu durch Johannes im Jordan wurde laut orthodoxer Theologie das Wasser dieses Flusses und aller Flüsse weltweit gesegnet. Deshalb wird, wie orthodoxe Theologinnen und Theologen betonen, mit dem Ritus die ganze Natur und Schöpfung geweiht. In der Wasserweihe kommt daher auch der Einsatz der Christinnen und Christen für die "Bewahrung der Schöpfung" zum Ausdruck.

Freilich geht es auch um mehr: Das geheiligte Wasser ist "Träger der Kraft der Erlösung, der Gnade Christi", es ist "Quelle der Unsterblichkeit", "Gabe der Heiligung", dient zur "Vergebung der Sünden" und auch der "Heilung von Krankheit", wie es im Gebet des hl. Patriarchen Sophronios heißt. Das Gebet ist ein wesentlicher Bestandteil der Liturgie der Großen Wasserweihe.
In Wien wurde die Tradition der Wasserweihe 2007 vom damaligen Metropoliten Michael Staikos (1946-2011) begründet. Der orthodoxe Segensgottesdienst ist mittlerweile ein selbstverständlicher Bestandteil des religiösen Brauchtums in der Bundeshauptstadt geworden. Die Feier am Donaukanal findet um die Mittagszeit statt, nach dem orthodoxen Festgottesdienst in der griechisch-orthodoxen Dreifaltigkeitskathedrale (1., Fleischmarkt 13). Den ganzen Jänner über wird Metropolit Arsenios in den griechisch-orthodoxen Gemeinden in Österreich und Ungarn die Wasserweihe vollziehen.
Quelle: kathpress