
Ein Jahr "Wiener Erklärung"
Vural: Erklärung bleibend aktuell
Ein Jahr "Wiener Erklärung"
Vural: Erklärung bleibend aktuell
Die bleibende Aktualität der vor einem Jahr unterzeichneten "Wiener Erklärung der Religionen für den Frieden" hat der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, betont: "Vor einem Jahr haben wir in Wien ein bewusstes Zeichen gesetzt. Ein Zeichen der Verantwortung, ein Zeichen des Friedens. Wir haben gemeinsam gesagt, Religion darf niemals spalten." Die Erklärung der großen monotheistischen Religionen sei "kein Endpunkt", sondern bleibe "ein Auftrag, gerade heute", sagte Vural in einer am Wochenende veröffentlichten Videobotschaft.
In einer Zeit von Krieg, von Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und wachsender gesellschaftlicher Härte sei sie "ein bewusstes und klares Signal" gewesen, "Religion als Kraft des Friedens zu leben". Religion dürfe "niemals instrumentalisiert werden. Nicht politisch, nicht ideologisch, nicht zur Spaltung unserer Gesellschaft". Dazu bekenne er sich auch weiterhin, schloss Vural.
Initiative geht auf Kardinal Schönborn zurück
Am 9. Jänner 2025 hatten Kardinal Christoph Schönborn, IGGÖ-Präsident Vural und der Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer im Wiener Erzbischöflichen Palais die "Wiener Erklärung" unterzeichnet. Sie stellte einen demonstrativen Schulterschluss der drei monotheistischen Religionen für ein friedliches Miteinander dar. Man verurteile entschieden jeglichen Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt und trete gegen jede Form von Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens auf, heißt es in der Erklärung. Jede und jeder sei gefordert, sich für ein friedliches und respektvolles Miteinander in Wien einzusetzen.
Kardinal Schönborn hatte damals betont, dass ihm die Erklärung nach rund 30 Jahren als Erzbischof von Wien ein großes und wichtiges Anliegen mit dauerhafter Aktualität sei. Schließlich würden viele Menschen die Religionen als Ursache für Konflikte ansehen. Dem müsse man sich stellen. "Und wir sind gemeinsam überzeugt davon, dass Religionen nicht das Problem, sondern zumindest ein wichtiger Teil der Lösung des Problems sind", so Schönborn bei der Unterzeichnung vor einem Jahr.
"Wiener Erklärung" im Wortlaut
Die auf die Initiative von Kardinal Schönborn zurückgehende Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"In Wien gibt es eine gute, tragfähige und konstruktive Zusammenarbeit der Religionsgemeinschaften. Sie ist auch Frucht eines langjährigen Dialogs in unserer Stadt. Aus dieser Erfahrung und aus unserer gemeinsamen Verantwortung setzen wir uns für den Frieden ein - in der Überzeugung, dass der Glaube eine kraftvolle Basis für ein friedliches Zusammenleben sein kann.
Entschieden verurteilen wir jeglichen Missbrauch von Religion zur Anstiftung oder Rechtfertigung von Terror und Gewalt. Zugleich treten wir gegen jede Form von Diskriminierung und Bedrohung religiösen Lebens auf. Wir verpflichten uns, das gegenseitige Verständnis und den Zusammenhalt in unseren Religionsgemeinschaften mit aller Kraft zu stärken.
Wir appellieren an unsere Gemeinden und an alle Menschen, die in Wien leben, sich unermüdlich für den Erhalt des friedlichen und respektvollen Miteinanders in unserer Stadt einzusetzen."
Quelle: Kathpress