
Schwertner: "Mehr auf mich schauen, um für andere da sein zu können"
Persönliche Einblicke in ein von vielfältigen Herausforderungen und Krisensituationen geprägtes Berufsleben bot am Sonntag der Wiener Caritasdirektor Klaus Schwertner in der Ö3-Sendung "Frühstück bei mir". Seit inzwischen 17 Jahren ist der 49-Jährige inzwischen für die Caritas tätig - anfangs als Pressesprecher, inzwischen als Direktor. Lange habe er damit gehadert, seinen ersten Berufswunsch - Kinderarzt - nicht erfüllt zu haben; inzwischen jedoch sei er "da angekommen, wo ich sehr wirksam sein kann" und wo er "jeden Tag so viel zurückbekommt", zeigte sich Schwertner dankbar.
Zugleich räumte er ein, wie schwierig es war, als er vor etwas über einem Jahr selber in eine Krise geriet und mit Depressionen und Schlafstörungen konfrontiert war. "Ich hatte geglaubt, ich bin unzerstörbar" - ein Irrtum, der sich rächte: "Plötzlich war ich es, der Hilfe brauchte und lernen musste, diese anzunehmen". Seit einem Reha-Aufenthalt habe er nun einige Dinge in seinem Leben verändert - er sei Nichtraucher geworden, treibe wieder mehr Sport und bemühe sich darum, "Leichtigkeit zu bewahren. "Ich weiß jetzt: Ich muss auf mich schauen, um für andere da sein zu können."
Das Gespräch fand in der Zentrale des Wiener "Kältetelefons" der Caritas statt. Dieses war von Schwertner vor 12 Jahren gegründet worden. Inzwischen sei es eine feste Institution und für unzählige obdachlose Menschen gerade in der aktuellen Wettersituation überlebenswichtig. Allein in Wien hätten seit November mehr als 7.000 Menschen die Nummer des Kältetelefons (01 480 45 53) gewählt, um auf Menschen in Not hinzuweisen. "Niemand ist freiwillig auf der Straße", unterstrich Schwertner - wichtig sei es, Hilfsperspektiven zu eröffnen und Menschen zu zeigen, dass sie etwa bei der Caritas diese Hilfe bekommen könnten.
Vor Weihnachten hatte Schwertner zudem zuletzt die Ukraine besucht. "Ich möchte alles unternehmen, dass die leidvolle Situation der Menschen in diesem vierten Kriegswinter nicht in Vergessenheit gerät", betonte Schwertner. Zugleich stellten solche Reisen wie auch Reisen zu zahlreichen anderen Krisenherden in aller Welt auch persönlich und familiär eine große Herausforderung dar. In dieser Situation unterstrich Schwertner sichtbar bewegt: "Steht die Familie da an zweiter Stelle? Nein, sie ist immer, immer, immer an erster Stelle. Auch wenn es mir manchmal schwerfällt, das zu vermitteln. Die Familie ist mein sicherer Haften, aus dem ich Kraft schöpfe und die die Voraussetzung dafür ist, dass ich das tun kann, was ich tue."
Infos: https://oe3.orf.at/sendungen/stories/fruehstueckbeimir
Quelle: Kathpress