
Diözese Gurk macht auf antijüdische Passionsbilder aufmerksam
Auf antijüdische Tendenzen in historischen Darstellungen der Passion Christi in Kärntner Kirchen weist ein aktueller theologischer Fachbeitrag des Instituts für kirchliche Ämter und Dienste (MiKa) der Diözese Gurk hin. Anlässlich des kirchlichen "Tags des Judentums" am 17. Jänner untersucht der Text von Klaus Einspieler und Michael Kapeller anhand mittelalterlicher Wandmalereien, wie biblische Szenen über Jahrhunderte hinweg zur Abwertung und Diffamierung von Jüdinnen und Juden beigetragen haben.
Einspieler analysiert insbesondere die Darstellung der "Vertreibung der Händler aus dem Tempel" in der Vorhalle des Doms zu Gurk. Er zeigt auf, dass der Künstler um 1340 verschiedene Evangelientraditionen vermischt und dabei eine verschärfte Bildsprache wählt: Händler werden mit Gewalt vertrieben und durch sogenannte "Judenhüte" eindeutig als Juden markiert. Diese Darstellung stehe im Spannungsfeld realer Pogrome und sozialer Konflikte des 14. Jahrhunderts und habe Vorurteile wie jenes vom "raffgierigen Juden" religiös aufgeladen und verstärkt, kommt der Experte zum Schluss.
Kapeller widmet sich den Darstellungen der Geißelung Jesu in Gurk und in der Pfarrkirche Maria Gail. Entgegen der biblischen Überlieferung, die die Verantwortung für die Geißelung der römischen Staatsgewalt zuschreibt, zeigen diese Wandbilder Juden als unmittelbare Täter. Kapeller ordnet diese Bildtradition in eine längere Entwicklung antijüdischer Passionstheologie ein, die bereits in der Spätantike mit dem Vorwurf einer kollektiven Schuld Israels am Tod Jesu einsetzte und sich bis in Liturgie und Volksfrömmigkeit fortsetzte.
Die Autoren betonen, dass solche Darstellungen keine neutralen Kunstwerke seien, sondern Teil einer Wirkungsgeschichte, die Gewalt, Ausgrenzung und Pogrome begünstigt habe. Der Beitrag unterstreicht zugleich den grundlegenden Wandel im jüdisch-christlichen Verhältnis seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965). Heute bekenne sich die Kirche zur bleibenden Erwählung des jüdischen Volkes und verstehe Jüdinnen und Juden als "ältere Geschwister im Glauben". Die historischen Wandmalereien seien daher als Mahnung zu lesen, wie religiöse Bilder Vorurteile nähren können und warum ihre kritische Einordnung bis heute notwendig ist.
Quelle: Kathpress