
Katholische Laienvertreter: Demokratische Kultur in Kirche stärken
Vor einem schleichenden Abbau liberaler, menschenrechtsbasierter Ordnungen weltweit sowie auch vor struktureller Reformverweigerung in der Kirche warnen Ferdinand Kaineder (Katholische Aktion Österreich), Raphael Haigermoser (Katholische Jugend Österreich) und Veronika Schipani-Stockinger (Katholische Jungschar Österreich). In einer Podcast-Diskussion des Verbands Katholischer Publizistinnen und Publizisten Österreichs plädierten die Vertreterinnen und Vertreter der KA-Verbände für eine aktive demokratische Kultur: Demokratie brauche Beteiligung, Schutz von Minderheiten und reale Mitbestimmung; ohne diese verliere sie ihre Glaubwürdigkeit, so der Tenor im Podcast "Über Medien Reden - 365, der tägliche Podcast".
Mit den Worten "Beteiligung, gemeinsam und Minderheiten" beschrieb die Jungschar-Vorsitzende Schipani-Stockinger ihr Demokratieverständnis. Demokratie sei nicht Mehrheitsmacht, sondern lebe davon, dass marginalisierte Stimmen gehört würden. Gerade kirchliche Strukturen täten sich damit jedoch schwer, trotz gegenteiliger Bekenntnisse. In der Kirche engagiere sie sich bewusst "weil ich sehe sie als eine Baustelle".
Positiv auf eine demokratische Praxis könnten sich etwa frühe Beteiligungsformen auswirken, betonte Schipani-Stockinger. Kirchliche Kinder- und Jugendarbeit könne dabei reale Erfahrungsräume jenseits einer digitalen Welt bieten: "Beziehungen brauchen Räume, in denen sie entstehen können." Gerade angesichts von Leistungsdruck und Zeitknappheit seien solche Orte unverzichtbar für demokratisches Lernen.
Kaineder wies auf aktuelle Gefährdungen der liberalen Demokratie hin. In einer globalisierten Welt sei das demokratische System nicht mehr selbstverständlicher Konsens, so der Präsident der Katholischen Aktion. "Es sind, wenn man jetzt auf der Weltkugel schaut, hauptsächlich wirklich die alten weißen Männer, die da einiges verbocken." Die menschenrechtsbasierte liberale Demokratie werde bedroht. Polarisierung, algorithmisch verstärkte Kommunikation und Gleichgültigkeit gegenüber demokratischen Grundwerten wirkten dabei als Brandbeschleuniger. Kaineder appellierte an Zivilgesellschaft und Kirche, demokratische Werte aktiv zu verteidigen und Medienkompetenz zu stärken.
Kritisch reflektiert wurde auch die Glaubwürdigkeit der Kirche sowie ein innerkirchlicher Reformstau beim Thema Geschlechtergerechtigkeit. Die ungleiche Stellung von Frauen bleibe ein zentraler Widerspruch. Schipani-Stockinger sprach von einer "himmelsschreienden Ungerechtigkeit", von der sie hoffe, dass sie möglichst bald gehört werde. Solange aber zentrale Macht- und Entscheidungsfragen ausgeklammert würden, bleibe kirchliche Demokratie unvollständig.
Hintergrund der Podcastfolge war eine Diskussionsveranstaltung im Rahmen eines Jour fixe der Katholischen Publizistinnen und Publizisten Österreichs beim Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien vom vergangenen November.
Quelle: Kathpress