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St. Elias-Kirche in Damaskus nach dem Anschlag
Open Doors

Verschärfte Lage in Syrien

 388 Millionen Christen verfolgt

Hilfswerk Open Doors veröffentlicht neuen Weltverfolgungsindex 2026 - Nordkorea weiter auf Platz 1, Situation in Syrien dramatisch verschlechtert - Nigeria "globales Epizentrum tödlicher Gewalt gegen Christen"

14.01.2026

Weltweit sind 388 Millionen Christen wegen ihres Glaubens mindestens in hohem Maß von Verfolgung und Diskriminierung betroffen. Das geht aus dem Weltverfolgungsindex 2026 des internationalen Hilfswerks Open Doors hervor. Besonders dramatisch hat sich zuletzt die Lage für Christen in Syrien verschlechtert. Nach dem Sturz des Assad-Regimes rückte das Land in dem jährlich erhobenen Index von Platz 18 auf 6 vor. Auf Rang 1 liegt erneut Nordkorea vor Somalia, Jemen, Sudan und Eritrea. Nigeria auf Rang 7 ist laut der evangelikalen Freikirchen nahestehenden Organisation das "globale Epizentrum tödlicher Gewalt gegen Christen": Von den mindestens 4.849 Christen, die weltweit im Berichtszeitraum von Oktober 2024 bis September 2025 wegen ihres Glaubens getötet wurden, stammen 3.490 aus Nigeria.

 

Hauptgrund für die dramatische Verschlechterung der Lage in Syrien ist ein massiver Anstieg der Gewalt. Im Berichtszeitraum wurden laut dem Hilfswerk mindestens 27 Christen in Syrien wegen ihres Glaubens getötet, im Jahr davor waren es keine. Besonders folgenschwer war ein Selbstmordanschlag auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025. Dabei kamen 22 Christen ums Leben. In mehreren Regionen des Landes wurden Kirchen und kirchliche Gebäude attackiert und christliche Schulen geschlossen. Viele Christen gingen aus Angst nicht mehr in die Kirche.

 

"Als das Assad-Regime im Dezember 2024 fiel, gab es vorsichtigen Optimismus, dass die Christen in Syrien unter der neuen Führung von Hay'at Tahrir al-Sham eine Atempause finden könnten. Stattdessen haben wir eine verheerende Kehrtwende erlebt", erklärt Kurt Igler, Geschäftsführer von Open Doors Österreich. "Wenn der Schutz durch den Staat zusammenbricht und extremistische Ideologien die Lücke füllen, zahlen religiöse Minderheiten den Preis dafür. Die Welt darf nicht wieder wegsehen", mahnte der Menschenrechtsexperte.

 

Nach Schätzungen leben derzeit nur noch rund 300.000 Christen in Syrien. Hunderttausende haben das Land bereits verlassen. Eine ähnliche Entwicklung habe zuvor im Irak stattgefunden und sei im gesamten Nahen Osten zu beobachten.

 

388 Millionen Christen in hohem Maß verfolgt

 

Der Weltverfolgungsindex wird seit 1993 jährlich erstellt und listet jene 50 Länder auf, in denen es für Christen am gefährlichsten ist, ihren Glauben zu leben und zu bekennen. Mit zuletzt 388 Millionen hat die Zahl von Christen, die einem hohen bis extremen Maß an Verfolgung ausgesetzt sind, laut Open Doors einen erneuten Höchststand erreicht. Vor einem Jahr nannte der Index noch rund 380 Millionen Betroffene.

 

Der Index ordnet die Länder anhand einer Punktzahl den Kategorien "hoch", "sehr hoch" und "extrem" zu. Rund 315 Millionen Christen sind den Angaben zufolge einem "sehr hohen" bis "extremen" Maß an Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Unter den zehn Ländern mit der meisten Christenverfolgung befinden sich abgesehen von Nordkorea vorrangig islamisch geprägte Staaten.

 

Weltweit wurden laut Index mindestens 4.849 Christen im Zusammenhang mit der Ausübung ihres Glaubens getötet, nach 4.476 im Vorjahr. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Die Zahl sexualisierter Übergriffe, Zwangsehen und Vergewaltigungen nahm deutlich zu. Dokumentierte Angriffe auf Kirchen und kirchliche Einrichtungen gingen hingegen zurück.

 

Verschärfte Lage in Subsahara-Afrika

 

Neben Syrien zählt Subsahara-Afrika weiterhin zu den Regionen mit der höchsten Gewalt. 14 Länder dieser Region stehen auf dem Weltverfolgungsindex 2026. Ein Höchstmaß an Gewalt in ihren Ländern verzeichnet der Index aktuell für Christen im Sudan, in Mali und Nigeria. Im Sudan würden Christen von beiden Kriegsparteien, also sowohl von der Armee als auch von den Rapid Support Forces, ins Visier genommen. In Nigeria verüben islamistische Radikale insbesondere in den nördlichen Landesteilen immer wieder schwere Anschläge und Massaker.

 

Das Muster, wonach schwache Regierungen ein Machtvakuum schaffen, das von militanten Islamisten ausgefüllt wird, setzte sich in der gesamten Region fort, so Open Doors. Weitgehend ungehindert operierten diese etwa in Teilen von Burkina Faso, Mali, der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik, Somalia, Niger und Mosambik.

 

Christen in Algerien in Isolation

 

Jenseits physischer Gewalt werde die Religionsfreiheit von Christen auch durch Überwachung und strenge Regulierung bedroht und Gläubige in den Untergrund getrieben. Dies gilt laut Open Doors etwa für Algerien (Platz 20 im Index), wo die Regierung verstärkt die Online-Aktivitäten christlicher Gemeinschaften einschränke und - auch durch die Schließung aller protestantischen Kirchen - mehr als drei Viertel der Christen den Kontakt zu ihrer Kirchengemeinde verloren hätten.

 

Auch in China (Platz 17) habe der Staat den Druck weiter verstärkt. Neue Vorschriften regulierten jegliche Online-Aktivitäten von Geistlichen. Bibel-Apps, Spendensammlungen und Jugendarbeit seien verboten, so Open Doors: "Unabhängige Hauskirchen, die sich einst in großen Einkaufszentren trafen, haben sich in geheime Gruppen von 10 bis 20 Personen in Privathäusern aufgespalten."

 

Open Doors unterstützt nach eigenen Angaben verfolgte Christen in rund 60 Ländern. In Österreich widmet sich das Hilfswerk vorwiegend der Berichterstattung über ihre Unterdrückung.

 

Quelle: Kathpress

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