
Universität Wien: Hochkarätige Fachtagung zum "Mythos Kopftuch"
Dem "Mythos Kopftuch" ist eine Fachtagung am kommenden Samstag, 17. Jänner, an der Universität Wien gewidmet. Expertinnen und Experten aus Recht, Politik, Medien, Theologie und Pädagogik diskutieren dabei über "religiöse Bedeutung und gesellschaftliche Konfliktlinien", die vor allem rund um die Debatte zum im Dezember beschlossenen Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen unter 14 Jahren sichtbar geworden bzw. aufgebrochen sind. Ziel der Tagung sei es, angesichts der teils hart geführten Debatte zum Kopftuch "stereotype Narrative kritisch zu hinterfragen" und dabei "Fragen nach Religionsfreiheit, staatlicher Neutralität und sozialer Teilhabe" zu diskutieren, heißt es in der Einladung.
Veranstaltet wird die Tagung vom Institut für Islamisch-Theologische Studien (IITS) der Universität Wien in Kooperation mit dem Center for European Islam, Migration and Societal Transformation (CEMIST). Die Organisatorinnen und Organisatoren betonen, dass es nicht primär um polemische Auseinandersetzungen gehen soll, sondern um eine wissenschaftliche Einordnung der vielfältigen Perspektiven, die das Thema umfassen. So geht es ebenso um klassische und zeitgenössische Auslegungsansätze islamischer Quellen wie um pädagogische Praxis, Medienrepräsentationen und rechtliche Rahmungen.
Eröffnet wird die Tagung am Samstag mit Grußworten der Dekanin der Katholisch-Theologischen Fakultät, Prof. Andrea Lehner-Hartmann, von Prof. Tugrul Kurt, Vorstand des Instituts für Islamisch-Theologische Studien, sowie von Prof. Ednan Aslan vom CEMIST. Den Hauptvortrag wird im Anschluss die deutsche Islamwissenschaftlerin Prof. Riem Spielhaus halten. Sie ist Professorin für Islamwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen.
Auf drei folgenden Panels sollen dann von wechselnden Expertinnen und Experten einzelne Themen und Aspekte diskutiert werden: Am Panel "Schrift, Norm und Auslegung" nimmt u.a. der Münsteraner Islamwissenschaftler Prof. Mouhanad Khorchide, und der Frankfurter Koran-Experte Prof. Ömer Özsoy teil. Auf dem Panel 2 "Das Kopftuch im schulischen Raum: Zwischen Religionsfreiheit, Neutralitätspflicht und pädagogischer Praxis" werden u.a. der frühere Leiter des Kultusamtes, Oliver Henhapel, der emeritierte Wiener Religionsrechtler Prof. Richard Potz und die frühere Ombudsfrau für Wertefragen im Bildungsministerium, Susanne Wiesinger, diskutieren. Politisch wird dann das Panel 3 "Öffentlichkeit, Medien und Digitalisierung" ausfallen: an diesem nehmen u.a. die NEOS-Abgeordnete Henrike Brandstötter, der Bildungs- und Wissenschaftssprecher der SPÖ, Heinrich Himmer, der ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti, sowie der Ressortleiter Außenpolitik der "Presse", Christian Ultsch, teil.
Den Abschluss bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema "Religiöse Sichtbarkeit in der pluralen Gesellschaft: Kontroverse oder Normalität" u.a. mit dem Präsidenten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, der deutschen Ethnologin und früheren Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Universität Frankfurt, Susanne Schröter, dem Soziologe Kenan Güngör, dem Wiener Rechtsphilosophen Prof. Stefan Schima sowie dem Leiter der Sektion Integration, Kultusamt und Volksgruppen im Bundeskanzleramt, Martin Kienl.
Am 11. Dezember des Vorjahres hatte der Nationalrat mit großer Mehrheit ein Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen unter 14 Jahren beschlossen. Nur die Grünen stimmten dagegen. Sie unterstützten das Anliegen zwar, waren aber überzeugt, dass das konkrete Gesetz verfassungswidrig ist. Die Freiheitlichen wiederum vermissten ein Kopftuchverbot auch für Lehrerinnen, votierten aber für den Gesetzesvorschlag der Koalition. Die Islamische Glaubensgemeinschaft will sich an den Verfassungsgerichtshof wenden. In Kraft treten sollen die Bestimmungen mit 1. September 2026, wobei ab Februar eine Aufklärungsphase starten soll.
Quelle: Kathpress